Lafayette SV5
Talenr zu zeichnen. Unter den Andauern des historischen Romans in der neuestenLiteratur hat er das Streben nach Treue in der historischen Färbung vielleicht amweitesten getrieben, und steht in dieser Hinsicht in einem Punkt fast einzig da, in-dem er in seinen das französische Mittelalter behandelnden Romanen an den Stel-len des Dialogs sogar die altfranzösische Rede eingeführt hat: ein Beispiel, das sichim Allgemeinen schwerlich als Nachahmungswerth empfehlen ließe. Eine seinerneuesten Arbeiten sind kleine Erzählungen unter dem Titel:llu vieux couteur". Von Zeit zu Zeit ist L. aus dem Gebiete des Mittel-alters in die neuesten Zeiten herabgekommen, wie in den Romanen: „I^e Uivorcch(2 Bde., Paris 1832) und „Vertu et temperament" (2 Bde., Paris 1832),welche in die Geschichte des Kaiserreiches und der Restauration fallen. Auch derNeigung des Publicums zu Memoiren kam er entgegen, und die von ihm heraus-gegebenen ,Memoires cke (llabrielle ck'kötrees" und die „iVIemoires llu carüümli)ubc>is" gehören zu den beliebtesten Werken dieser Art. So zahlreich jene Lei-stungen sind, die in den Zeitraum weniger Jahre fallen, so fand L.'s unermüdeleThatigkeit noch Muße zu andern Beschäftigungen, sodaß er in einem Jahre gleich-zeitig an acht politischen und literarischen Zeitschriften Mitarbeiter war. In derPolitik bekennt er sich zu den Grundsätzen eines gemäßigten Liberalismus. Er hatauch einige kleine Schriften herausgegeben, worin er die gegenwärtige Verwaltungder öffentlichen Bibliotheken in Frankreich einem strengen Tadel unterwirft, derauf die Verbesserungen, die man in dieser Hinsicht erwartet, nicht ohne Einflußbleiben wird. Seit zehn Jahren arbeitet er an einer Geschichte des 16. Jahrhun-derts und an einer neuen Geschichte von Paris. (17)
* Lafayette. „Wir sehen den Mann, der in der Herrlichkeit und imLeiden, im Siege und im Unglück dieselben Grundsätze politischer Freiheit auf bei-den Seiten des atlantischen Meeres verfochten hat, der sich gleich geblieben ist indemselben Tone, in derselben aufrichtigen Zuversicht unter den Trümmern der Ba-stille, auf dem Marsfelde, unter Bonaparte's Gewaltherrschaft und im Kerker zuOllmütz." So sprach ein Amerikaner zu seinen Mitbürgern, als L., von Monroe,dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, eingeladen, im Aug. 1824 als „Gastder Nation" zu Neuyork landete, auf dem Boden, den er 47 Jahre früher alszwanzigjähriger Mann betreten hatte, um dem frei gewordenen Volke in der Zeitder größten Bedrängnis seinen Arm und die ganze Kraft seines Geistes zu weihen.Er hatte für Amerika gesotten, als es nur eine Volksmenge vvn drei Milliomnhatte, als der Erfolg des Kampfes fast hoffnungslos war; er hatte es 1784 ver-lassen, als die Unabhängigkeit d'es Landes zwar gesichert war, aber der Staat armund kraftlos und nur in dem Geiste des Volkes seine Hülfsmittel fand; er sah esnun wieder, als der Staat zwölf Millionen Bewohner zählte, ein Gebiet besaß,das zwei Drittheilen des Flachenraumes von Europa gleich war, eine Einnahm«von mehr als 30 Millionen Thalern hatte, und seine Flagge gekannt und geehrtauf allen Meeren wehte. Er reiste wie im Triumph durch die 24 Staaten derUnion, und die Gegenwart des Mannes, der wie ein Schatten aus der Heldenzeitdes Volkes heraufstieg, wirkte so wohlthätig auf die öffentliche Stimmung, daßalle Parteien ihre Zwiste vergaßen, die Männer aus der alten Zeit, seine Kampf-genossen, ihre Jugendkraft erneut fühlten, und Allen das Bild der glorreichen Re-volution mit der hochsinnigen Vaterlandsliebe und der uneigennützigen Tugendder Väter, ein aufmunterndes Vorbild für die Mitwelt, näher gebracht wurde.Einstimmig bewilligte ihm der Congreß im Dcc. 1824, außer einem Strich Lan-des (wwnsllch) von 20,00-0 Morgen — den er später-verkaufte, um Monroe'sSchulden zu bezahlen — eine Summe von 200,000 Dollars, die ihm als eineam 31. Der. 1834 abkäusliche Rente mit 6 Prorent verzinst werden sollte. Alsin Bunkershill am 17. Zun. 1825, den Jahrstag des ersten Gefechts im Un-