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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
803
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Lacoste 803

setzt worden sei, ist unleugbar wohlbegründet und wird bei unvorgefaßter Meinungendlich gewiß von allen Forschern als die allein richtige angenommen werden.Nicht lange darauf ließ L.v« «borei, »^stsmsti, trsFicorum Lraecorrrmlibr. IV (Berlin 1819) erscheinen. Diese, einen lange und vielfach bespro-chenen Gegenstand erörternde Schrift wird zunächst dem Umstand verdankt, daßL. in dem genannten Jahre als Oberlehrer an das Gymnasium Fridericianum undzugleich als außerordentlicher Professor der Philosophie nach Königsberg berufenwurde. Hier lebte er bis 1835, wo er als ordentlicher Professor der philoso-phischen Facultät nach Berlin versetzt ward, mit Grass in näherer Verbin-dung, und schloß mit ihm das freundschaftlichste Verhältniß, dessen für die volks-tümliche deutsche Literatur so fruchtbare Folgen der gelehrten Welt hinlänglich be-kannt sind. Er ließ eine Übersetzung der Sonette Shakspeare's (Berlin 1820)und eine Auswahl aus den mittelhochdeutschen Dichtern, für Vorlesungen undzum Schulgebrauche folgen, ein Werk, welches in allen gelehrten SpulenDeutschlands, wo man die deutsche Sprache nur irgend einer Aufmerksamkeitwürdigt, eingeführt zu werden verdiente, damit endlich einmal die seichten, größ-tenteils von Sprachunkundigen verfaßten Lehr- und Handbücher abgethan wür-den. Obgleich L. von Benecke nun ziemlich weit getrennt worden war, blieb erdennoch mit ihm in steter Verbindung, und den vereinten Bemühungen Beiderverdanken wir die Bearbeitung desJwein", des berühmtesten Gedichts Hart-mann's von Ouwe (Berlin 1827). Diese Bearbeitung ist auch besonders deshalbmerkwürdig, weil sie die erste ist im Gebiete des deutschen Sprachthums, der dasBeiwort kritisch im strengen Sinne zukommt. Fast zur selben Zeit erschien von L.allein bearbeitet eine Sammlung der Lieder Walter's von der Vogelweide, eine Ar-beit, die demJwein" würdig zur Seite steht. Aber den größten Ruhm, wie daszreßte Verdienst, erwarb sich L. unstreitig dadurch, daß er zuerst das Nibelungenliedin einer dessen würdigen Gestalt (Nibelungen-Not", 1826) erscheinen ließ, undmit großer Erwartung sehen wir der von ihm verheißenen Bearbeitung der ebensoschwer zu verstehenden als großartigen Gedichte Wolframs von Eschenbach entge-gen. Im Gebiete der altclassischen Sprachforschung lieferte er noch zuletzt eine kri-tische Ausgabe des PropertiuS (Leipzig 1816). L. gehört in dem Gebiete der deut-schen Sprachforschung zu den Gründern der kritischen Schule, und steht überalldm Dilettanten streng und schroff entgegen. (38)

Lacoste (E. E. G. G. de), Sohn des, nach dem Ausbruche der Unruhenm Belgien 1790 zu Furnes gestorbenen östreichischen Majors Alexander Augustinde Lacoste de Terstraeten, wurde von seiner aus Mecheln stammenden Mutter sorg-fältig erzogen, und noch sehr jung von Napoleon zumStaatsrathsauoitor ernannt.Nach der Vereinigung Hollands mit dem Kaiserreich wurde L. als Unterpräfect zuAppingadam im Departement der westlichen Ems angestellt, und später in gleicherEigenschaft zu Aachen. Nach der Trennung Belgiens von Frankreich ward erDivisionschcf im Ministerium deS Innern und behielt diesen Posten bis 1821,wo ihn der König zum Mitglied deS Staatsraths ernannte, worauf er 1828 Gou-verneur der Provinz Antwerpen und im Jan. 1830 Gobbelschroy's Nachfolgerin dem Ministerium des Innern wurde. Er war feinem Vorgänger an Talentutsd Einsicht ohne Zweifel weit überlegen; sein Scharfsinn, sein treffendes Unheil,seine umfassenden Kenntnisse machten ihn zu einem der ausgezeichnetsten Mitglie-ds des Staatsraths, und wenn seine abstoßenden Formen ihn zu einem Provin-iulvorstand oder einem Minister nicht eigneten, so wurde dieser Mangel durch seineGeschicklichkeit, durch ausgezeichnete Talente für die höhere Verwaltung aufgewo-gen. Schon als Unterpräfelt in Appingadam hatte er, noch sehr jung, durch sein^tragen Anlaß zu seiner Versetzung gegeben, und es ergab sich sväter, daß mit derAusbildung seiner Talente auch die Gesinnungen, aus welchen seine frühern»Aus-I 51 *