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zum Ziele des echten Royalismus führen könnte, sei die Auflösung der Kammerund die Absetzung von einigen und zwanzig untauglichen Prafecten, die man durchkraftige Manner ersetzen sollte, welche die eingeschüchterten Wahlcollegien beriefen,worauf der Konig seinen unwandelbaren Willen, Frankreich im Sinne des reinenRoyalismus zu regieren, mittels einer feierlichen Proklamation aussprechenmüßte. Allein Polignac und der Finanzmknister Chabrol widersprachen; Letzterschlug dagegen die Errichtung einer Präsidentschaft des Conseils vor, diese werdedem Ministerium Festigkeit und Einheit geben, worauf sich dann alle gute Roya-listen, die gewiß in den Kammern die Mehrheit bilden würden, stützen könnten.L.'s Ehrgeiz wurde durch diesen Vorschlag, vielleicht absichtlich, um den stolzenheftigen Mann zu einem äußersten Schritte zu reizen, empfindlich gekränkt. Ererklärte denselben für durchaus antimonarchisch und zweckwidrig. Als nun Chabrolbemerkte: es sei freilich möglich, daß Jemand sich im Conseil befände, dessen Ge-genwart ein Hinderniß zur Erlangung der Majorität sein könnte, so fuhr L. heftigauf und bot mit den Worten, daß er wohl einsehe, wen man meine, seine Entlas-sung an. Wider sein Erwarten wurde diese von dem auf ein solches Ereigniß schonvorbereiteten König angenommen. Der bisherige Cultusminister Montbel trat jetztan L.'s Stelle als Minister des Innern, und Guernon de Ranville wurde zumMinister des.Cultus ernannt. Diese Veränderung erfolgte am 18. Nov. 1829.Aus L.'s kurzer Verwaltung führen wir bloß an, daß auf seinen Bericht imOct. 1829 die bisherige Schlachtergewerbfreiheit in Paris aufgehoben wurde.Der König ernannte jetzt L. zum Staatsminister und zum Mitglieds des königli-chen geheimen Rathes. Im folgenden Jahre (27. Jan. 1830) erhob er ihn zumPair von Frankreich, doch konnte er nicht eher Sitz in der Pairskammer nehmen,als bis er ein Majorat gestiftet hatte. Später, nach der Iuliusrevolution am7. Aug , erklärte die Deputirtenkammer alle unter Karl X. erfolgte Pairsernen-nungen (zusammen 94) für null und nichtig. Seitdem hat sich Graf L. aus demöffentlichen Leben zurückgezogen. Ein Verwandter, der Marquis ArthurdeL.,saß in der Deputirtenkammer 1830 und vertheidigte in der berühmten Sitzung am4. und 7. Aug. die Rechte der Legitimität und des Herzogs von Bordeaux. Auchwar er als Deputirter des Departements Morbihan Mitglied der Wahlkammer imAnfange des Jahres 1831, wurde aber für die folgende Kammer nicht wieder-erwählt. (7)
Lach mann (Karl), Professor an der Universität zu Berlin, ward am 4. März179.3 zu Braunschweig geboren und erhielt daselbst auf dem Collegium Carolinumseine erste Bildung. Er besuchte später die Universität zu Göttingen, wo er, besondersdurch Benecke's Anregung, zuerst bewogen ward, der lange vernachlässigten deutschenDichtungen des Mittelalters mit großer Liebe und Sorgfalt sich anzunehmen.Nach Vollendung seiner Studien begab er sich nach Berlin, wo er eine Übersetzungvon Peter Erasmus Müller's „Sagabibliothek des skandinavischen Alterthumes"(Berlin 181K) aus der dänischen Handschrift des Verfassers verfertigte und, ehenoch das Original (2 Bde., Kopenhagen 1817 —19) erschien, herausgab. Leiderblieb dieses Werk unvollendet, indem nur der erste Band herauskam, der diejenigenSagen enthält, welche sich ausschließend auf die Begebenheiten und eigentümlichenVerhältnisse des isländischen Freistaats seit seiner Entstehung bis in die Zeiten sei-nes Verfalls unter der Herrschaft der norwegischen Könige beziehen. In demselbenJahre erschien seine ebenso gründliche als geistreiche Untersuchung: „Über die ur-sprüngliche Gestalt des Gedichts von der Nibelungen-Not", eine Schrift, welchebesonders gegen Schlegel, von der Hagen und alle Andern gerichtet ist, die EinenDichter des Nibelungenliedes annehmen, mögen sie nun als solchen den Heinrichvon Ofterdingen oder wen sie sonst wollen, angeben. L.'s Ansicht, daß das Nibelun-genlied, gleich den homerischen Gesängen, aus einzelnen einst von einander unabhän-gig im Munde des Volkes lebenden Liedern von einem Unbekannten zusammenge-