Labourdo-maye 8l)l
im Westen und im Süden von Frankreich, sich um das Vaterland wohl verdient ge.macht halten; auch bewirkte er durch seine heftige Apostrophe am 2. Jan. 1816die Verbannung der sogenannten Regicides, welche nach dem 2V. Marz öffentlicheStellen angenommen hatten. Übrigens griff er bei mehr als einer Gelegenheit dieverschiedenen Ministerien an; auch erklarte er sich mit großer Heftigkeit gegen jedeWillkür der Polizei, gegen die Eensur der Journale u. s. w. Man erstaunte ausseinem Munde das Lob der Preßfreihcit zu vernehmen. Allein ebenso heftig wider-^ setzte er sich dem trefflichen Recrutirungsgesetze des Marschalls Gouvion St.-Cyr! und mehren Vorschlagen, welche auf eine Annäherung der Liberalen und der Ultras> berechnet waren. Bei jeder Gelegenheit donnerte er gegen die revolutionnairenKeime, welche noch im Schooße Frankreichs wucherten. „Europas Heil", rief eram 17. Mai 1818 in der Kammer aus, „hangt ab von Frankreichs Ruhe. Unserpolitischer Einfluß wird um so mehr zunehmen, je mehr bei uns die Herstellung derOrdnung, der Moral und der Religion sich befestigt." Nach der Ermordung desHerzogs von Bern schlug er am 14. Febr. 1820 die bekannte Adresse an den Kö-nig vor, und billigte nunmehr die auf Kosten der persönlichen Freiheit in Vorschlaggebrachten Sicherheitsmaßregeln, selbst die Censur der Journale (am 21. Marz),indem er alles Unglück Frankreichs dem liberalen Journalismus Schuld gab, derLegitimität und Religion durch sein Dogma der Volkssouverainetat untergrabe.Seitdem erhob er sich gegen jeden freisinnigen Antrag in der Kammer mit Leiden-schaft und erklärte (28. April 1820) laut: „Frankreich wolle keinen Deputirten vonder linken Seite mehr haben". Als Mitglied und Berichterstatter tur Budgetcom-mission empfahl er die Herabsetzung der Grundsteuer, und griff ebenso heftig dieVorschläge der Regierung als die eintrage der Liberalen und der Gemäßigten an. Sowar Graf L. beinahe 15 Jahre lang das Haupt der sogenannten Contreopposition aufder äußersten Rechten, indem er seit 1815 allenRegierungs- und Verwaltungssyste-men, sowol dem des Herzogs von Richelieu und dem des Herzogs Decazes, als demdes Herrn von Villele, opponirte. Selbst gegen die Kammer der Deputirten zeigteer bei mehren Gelegenheiten eine verächtliche Gleichgültigkeit; wahrend der letztenSitzung (vor seiner Ernennung zum Minister) erlaubte er sich sogar die Äußerung:,cho plus 1»eau jour de ma vie Sora celui uü je Iii!Ü Sur cet edillce (er sprach vondem Palaste der Deputirtenkammer): Nuizun a louer". Als am 8. Aug. 1829das von Talleyrand sogenannte ministere impossible, das Ministerium Polignacgebildet wurde, erhielt L. das Ministerium des Innern. Er stellte bei demselbenals Untersecretair den Baron Trouve an, welcher bei der Reaction im südlichenFrankreich 1815 eine so blutige Rolle gespielt hatte. Mit Ausnahme der „Huu-tieüelme" und der „Honette 6« waren alle Journale gegen L. Man ge-
dachte seiner Rede am 11. Nov. 1815, wo er bei der Berathung über das Amnestie-gesetz gesagt hatte: „II sunt dos kor«, des kourrouux, des suppliccs; Ismort, !uwnrt senle peut etl'ra^er leurs compüces et mettre lln ü leurs complots!" Diesnannte er „epielyues guuttes de sun^", um die Monarchie zu befestigen. Auch jetztim Ministerrathe woll-tc L. von Mäßigung nichts hören. Sie wecke, rief er aus, nurdie Frechheit der Aufrührer. Kühn müsse man fortschreiten, energisch? Männer indie Prafecturen setzen, mit der Schärfe des Schwertes durchfahren und sich auf'Allesgefaßt halten. Dann werde der ganze Lärm von selbst aufhören. Aber leider habe sichselbst in des Königs geheimen Rath die Furcht eingeschlichen. Etwas empfindlich er-widerte der Großsiegelbewahrer Courvoisier, er sei nicht furchtsamer als L. Jndeß^stielt damals noch die gemäßigte Meinung durch Polignac's Bemerkung, mansetze sich sonst der Verweigerung des Budgets aus, den Sieg. Gleichwol versuchte^ noch einmal seine Ansicht zum System der Regierung zu erheben. Er behaup-tete nämlich im Eonseil, vor dem Könige und dem Dauphin: man brauche/ich umdie Majorität in den Kammern nicht zu bekümmern; die einzige Mafiregel, welcheEonv .-tzxx. der neuest n Zeit und Literatur. II. 51