796 Kurnatowski Küstner
Nach einer Verordnung vom 19. März wurde die Berufung der neuen Ständevec-sammlung auf den 15. April festgesetzt.
Kurnatowski (Sigismund), polnischer General der Cavalerie, geborenum 1778 im Gcoßherzogthum Posen, erhielt seine Bildung in Berlin und tratfrühzeitig als Page in preußische Dienste. Das Jahr 1806 rief ihn in die Reihenpolnischer Krieger, welche, dem Aufrufe Dombrowski's und Wibicki's folgend, sichzu Posen versammelten, um unter Frankreichs Adlern die Selbständigkeit ihresVaterlandes zu erkämpfen. Persönliche Tapferkeit und nie rastender Diensteiferbeschleunigten seine Beförderung. Obgleich er 1807 noch Hauptmann des fünf-ten reitenden Jägerregiments war, sah ihn das Jahr 1809 schon als OberstundInhaber derselben Hecrabtheilung. Als er 1814 Brigadegeneral geworden warkehrte er nach der Thronentsagung Napoleons mit den polnischen Truppen unterKrasinski's Befehle nach der Heimath zurück. Im folgenden Jahre erhielt er dasEommando über die Brigade der Garden zu Pferde, und wurde bald daraus Di-visionsgeneral und Adjutant des Kaisers. Diese schnelle Laufbahn erregte dmNeid vieler weniger edel gesinnten Waffenbrüder und machte sie ihm zu Fein-den. Sein Diensteifer wurde von Manchen für Schmeichelei und knechtischeUnterwürfigkeit unter die Launen des Großfürsten ausgelegt, obgleich Anderesich erinnern, ihn schon ebenso dienstbeflissen in Frankreich gesehen zu haben.Der 30. Nov. 1830 riß ihm jedoch die Lorbern vom Haupte. Er führte dasGardejägerregiment zum Schutze Konstantins nach Belvedere, ließ sogar aufdas Volk feuern, begleitete dann den Cäsarewitsch und kehrte erst am 3. Der.nach Warschau zurück. Hier ward er von der wüthenden Wolksmasse, indem Momente, als er an der Spitze seiner Truppen in die Stadt einritt, vomPferde gerissen, und nur der allgemein beliebte würdige General Sjembeck ver-mochte die Säbel abzuwenden, die über seinem Haupte schwebten. In den Pa-last des Finanzministers geschleppt, leistete er, als das Volk feinen Kopf verlangte,an der Seite Krasinski's im Angesichte der erzürnten Menge und der Soldaten, denEid der Treue auf die Fahnen des Aufstandes. Nichtsdestoweniger wurde ihmallgemeine Verachtung zu Theil, und der Haß seiner Landsleute folgte ihm selbstin seine ländliche Zurückgezogenheit nach. Ungefähr ein Jahr vor dem Ausbruche derRevolution hatte er ein Bein gebrochen, und dies veranlaßtc ihn, in den Tagen der Ge-fahr, als die Mannschaft gegen die Russen zu Felde zog, seinen Abschied zu nehmen,wiewol er noch eine Zeitlang als gemeiner Soldat in der Nationalgarde von War-schau diente. Im Sommer 1831 verließ er Polen, um in den böhmischen Badernseine Gesundheit wiederherzustellen, und kehrte erst im Nov. desselben Jahres insein Vaterland zurück. Hier nahm er keine Dienste bei der neuen Regierung,kam um seine Entlassung ein und erhielt sie nebst der Erlaubnis;, sich auf seine Gü-ter im Greßherzogthume Posen zurückzuziehen. Faßt man die Verhältnisse, inwelchen er seit 1815 zu Rußland stand, ins Auge, so verliert sein Benehmen vielvon der Zweideutigkeit, deren ihn der größte Theil der polnischen Nation beschul-digt. Es war seinem Gefühle und seiner Überzeugung zuwider, gegen Den dieWaffen zu führen, der ihn mit Wohlthaten überhäuft hatte; allein er trat vonjedem Anite zurück, als die Unabhängigkeit seines Vaterlandes vernichtet und diepolnische Armee aufgelöst worden war. (8)
Küftner (Karl Theodor) ward am L6. Nov. 1784 zu Leipzig geboren,wo sein Vater Ehef eines jetzt noch unrcc diesem Namen bestehenden Bankier-geschäfts war. Nach einer tresslichen Erziehung und dem crsten Unterricht,den K. im älterlichen Hause genoß, uno wobei neben ernsten Wissenschaften vonSeiten der mehrfach gebildeten Altern nicht versäumt wurde, auch den Sinnfür Kunst, Literatur und alles Schöne zu beleben und zu fördern, bezog cr1803 die Universität zu Leipzig, widmete sich hier dem Studium der Rechts-