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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
788
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788 Kurhessen

Kurprinz die Regentschaft wahrend der Abwesenheit des Kurfürsten übernahmArn 3l). Sept. 1831 wurde diese Anordnung durch ein Gesetz begannt gemachtwelches von dem Ministerpräsidenten von Schenk in die Standeversammlung ge-bracht und von derselben nach erfolgter Berathung in geheimer Sitzung genehmigtworden war. Einige Tage später wurde der Obergerichtsdirector Wiederhold derim Auftrage der Stände die Unterhandlungen über die Einsetzung einer Regent-schaft geleitet hatte, zum Iustizminister, und, nachdem von Schenk seine Ent-lassung genommen, zum Präsidenten des Ministerraths ernannt. Die Schwie-rigkeiten aber, welche jener Ausgleichung vom Anfange an entgegenstanden, hat-ten doch nicht ganz beseitigt werden können. Die erste betraf den Geldpunkt, weilder Kursürst sich nicht allein die sammtlichen Einkünfte des Hausschatzes, sondernauch die Unterhaltung seines eignen Hofstaats, seiner Schlösser und Gärten in Ha-nau und Philippsruhe lc, aus der von dem Lande bewilligten Civilliste, in welcherauch die Apanagen der Kurfürstin, die Besoldungen der Hofdiener, die KostendesTheaters begriffen sind, sich vorbehalten hatte; der zweite Übelstand aber war derStreit des Kurprinzen mit seiner Mutter, wegen ihrer Verweigerung der Aner-kennung seiner morganatischen Ehe, welche, seiner Popularität nachtheilig, zu neuenParteikämpfen Veranlassung gab.

Die Volksberathungen erneuerten sich; aber die Zeit des Duldens war vorüber,die öffentliche Gewalt behauptete ihr Recht und zu bedauern war nur die unvor-sichtige Anwendung und die Veranlassung derselben. Die Kurfürstin hatte am3. Dec. 1831 das Theater nicht besuchen können, weil, wie es hieß, auf Befehlder Hofverwaltunz der zur kurfürstlichen Loge führende Eingang nicht erleuchtetund verschlossen war. Alsbald wurde beschlossen, daß, wenn am 7. Dec. derHaupteingang des Theaters nicht geöffnet sein werde, der Kurfürstin derselbe mitGewalt geöffnet werden solle; auch war in einer andern Versammlung die Rededavon gewesen, eine Deputation an den Kurfürsten zu senden, um eine Änderungder bestehenden Verhältnisse herbeizuführen; aber auf den Bericht der Polizeibe-hörde war der Haupteingang zum Theater schon ungewöhnlich früh eröffnet unddie Kurfürstin war von einer Deputation des Stadtraths dringend ersucht worden,zur Vermeidung eines drohenden Aufstandes sich in das Theater zu begeben. Mitunbeschreiblichem Jubel wurde sie vor dem Theater von einem großen Publicumempfangen, welches gerade diese Gelegenheit, seine Huldigung darzubringen, nichtvorübergehen lassen wollte und sich bald nachher wieder zerstreute. Einige aber,welche nicht zurückgehalten werden konnten, drangen in das Theater und brachtenvon der Galerie herab der Kurfürstin noch ein Lebehoch. Pfeifend wendeten sichEinige gegen das Palais des Kurprinzen, vor welchem die Wagen hielten, die ihnund seine Gemahlin in das Theater führen sollten, und der herbeigerufene Polizei-director GieSler wurde von einem Aufrührer verhöhnt und gescholten- Der Ehefder Bürgergarde hatte nach seiner Überzeugung erklärt, daß nichts zu befürchtensei, aber die unaufhörlichen Patrouillen des MilitairS, besonders der Leibgarde zuPferde, und die Lärmtrommeln der Bürgergarde hatten die Bewohner der unternStadttheile herbeigeführt. Viele auch kamen, um dem Fackelzuge sich anzuschließen,welcher der Kurfürstin gebracht werden sollte, Andere, um ihre Angehörigen ausdem Theater zu holen, Alle aber in der Überzeugung, daß eine Veranlassung,welche schon mehrmals die ganze Bevölkerung Kassels in größter Ruhe vereinigthatte, die Anwendung der Militairgewalt nicht erheischen werde; aber die Kur-fürstin erhielt die Nachricht, sie möge das Theater nicht verlassen, bevor das Volkentfernt worden sei. Solches zu bewirken, war allerdings die erst nach sieben Uhraufgerufene nur aus einigen Hunderten bestehende Bürgergarde zu schwach; aufRequisition des Polizeidirectors wurde deshalb die Leibgarde zu Pferde vor demTheater in der Königsstraße, wo die Menschenmasse gerade zur Zeit des Theater-