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mit unbedeutenden Abänderungen derselbe war, den Kurfürst Wilhelm I. vor 14Iahren*) seinen Ständen vorgelegt hatte, und erklärte, daß die gesammre Lan-desschuld von der Cabmetscasse übernommen und die Landcsschuldentilgungssteuererlassen sein solle. Diese Nachricht, und was sonst noch von den Fortschritten desVerfassungswerkes zur öffentlichen Kunde gelangte, trug viel zur Beruhigung desVolkes bei, auch blieb nicht ohne Eindruck auf das Militair, was von dessen zu-künftiger Stellung im Staate verlautete, daß nämlich den Offizieren die Rechteanderer Staatsdiener eingeräumt und die Dienstzeit des Soldaten auf fünf Jahre be-schrankt werden sollte; besonders erfreulich aber war die Übereinkunft mit den Stän-den, daß das unter dem Namen der Cabinetscasse bisher verwaltete Vermögen zurHalste dem Staatsschatz, dessen Einkünfte im Staatsgrundetat nachher aus330,000 Thaler angeschlagen wurden, und zur andern Hälfte den Fideicommiß-schatz bilden sollte. Alles schien jetzt in ruhigem Gang die beste Richtung zu neh-men/nur auf die Aurückkunft der Kurfürstin war noch die gespannte Erwartung,der Kasseler gerichtet; als aber statt ihrer im Nov. die Nachricht sich verbreitete,daß die Gräfin Lessonitz in Wilhelmshöhe angelangt fei, wurde alsbald, man sagt,abermals nicht ohne aristokratischen Einfluß, beschlossen, um Entfernung dersel-ben den Kurfürsten zu bitten; man begnügte sich jedoch, das Gesuch an die Land-ftände zu richten, die besser beurtheilen konnten, ob und welcher Gebrauch, unbescha-det des Verfassungsbaues von demselben zu machen fein werde.
Die Landstande hatten zur Prüfung des ihnen vorgelegten Entwurfs derVerfassungsurkunde einen Ausschuß ernannt, der aus sieben Mitgliedern der dreiErmen, der Prälaten, der Städte und der Bauern, bestand, und den ProfessorZordanfs. d.), den Abgeordneten der Universität Marburg, zum Vorstand er-wählte. Der Entwurf wurde sowol in seinen Grundlagen umgestaltet, als durchwichtige Gewahrleistungen der Vslksrechte verbessert, und so entstand durch Verhand-lungen zwischen der Regierung und den Ständen auf dem Wege des Vertrags dasneue Staatsgrundgesctz. Am 5. Jan. 1831 unterzeichnete der Kurfürst Wilhelm II.die neue Verfassungsurkunde**), welche von dem Deutschen Bunde, dem sie zur Ge-währleistung überreicht werden sollte, zwar noch nicht anerkannt ist und ihre Fehlerhaben mag, gleichwol im In- und Auslande verdienten Beifall erhielt. Am 8. Jan.kehrte die Kursürstin, empfangen mit unbeschreiblichem Jubel, in die Residenz zurück;am 9. wurde die Verfassung nach der von dem Kurfürsten selbst getroffenen Anord-nung feierlich beschworen, und am 10. von dem Magistrate und der Bürgergardeein glänzender Fackelzug veranstaltet, bei welchem zum Entzücken aller Anwesendender Kurfürst auf dem Balcon des Bellevueschlosses vor den Augen des Volkes seineGemahlin umarmte. Einen unglücklichem Zeitpunkt hatte die Gräfin Lessonitzzum Tage ihrer Ankunft in Wilhelmshöhe nicht wählen können, als den 11. Jan.1831; die Nachricht veranlaßt plötzlich unruhige Bewegungen, man behauptetzwar, abermals nicht ohne Einwirkung der Aristokratie, aber zu leugnen ist nicht,daß die Gemüther zu sehr durch die Eindrücke der vorangegangenen Tage ergrissenwaren, daß auch die Verständigsten sich leidend verhielten, daß man die Bürger-garde nicht einmal zu requiriren wagte, und daß selbst Beamten, Militair undMinisterium keine besondere Luft bezeigten, die Verfolgte in Schutz zu nehmen.Sehr viel trug zu dieser Passivität die Ernennung neuer Minister bei, welche manfür das anticonstitutionnelle Werk der Grasin ansah. Vergeblich war das Zure-den der Behörden, unter welchen der Polizeidirector Pfeiffer sich wie immerauszeichnete, vergeblich sogar die schriftliche Mißbilligung des Tumults von Seitender Kursürstin. Der Kurfürst erklärte, die Entscheidung der Frage seinem Ministe-
*) Entwurf vom 16. Febr. 1816. S. „Europäische Verfassungen", Bd-1, S. 659 fg.
„Europäische Verfassungen", Bd. 1, S. 61Z fg.