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trioten bedurste, am Abend des 14. Sept. Excesse zu verhüten. Zugleich ver-breitete sich aber auch die Theilnahme an der guten Sache unter allen Standen indemselben Grade, als die Hoffnung des Gelingens stieg; schon um 8 Uhr Morgenssah man die ausgezeichnetsten Manner gruppenweise in die Wohnungen der Mini-ster eilen, um ihre Unterstützung in Anspruch zu nehmen, und um 10 Uhr war derPlatz vor dem kurfürstlichen Palais bis an die Statue des Landgrafen Friedrichmit Menschen bedeckt, welche in feierlichem Ernste und mit gespannter Erwartungdem Ansgange entgegensahen; schallender Jubel unterbrach die Grabesstille,welche bei der Ankunft des Kurfürsten geherrscht hatte, als Herbold durch das ver-abredete Zeichen an der Thüre des Palais mittels Emporhebung eines weißen Tu-ches verkündete, daß der Kurfürst die Stimme seines Volkes erhört habe. In die-sem Jubel, welcher allen Standen sich mitgetheilt hatte, wurde der Tag vollbracht,mit glänzender Beleuchtung der Abend gefeiert, der Kursürst im Theater mit herz-licher Ehrerbietung begrüßt. Nicht die mindeste Unordnung ereignete sich bis indie spate Nacht; wie mit einem Zauberschlage schien die Revolution erstickt wordenzu sein; Städte und Landdistricte sendeten zum Zeichen ihrer Gleichstimmung undAnerkennung Deputationen und Dankadressen an den Kurfürsten und den Stadt-rath zu Kassel. Die Regierung aber benutzte diese Stimmung des Volkes nicht,ein Vorwurf, welcher sie auch dann treffen würde, wenn sie dem Systeme des Ab-solutismus ferner ergeben sein wollte. In Hanau und Fulda entstanden die Unru-hen zuerst bei Gelegenheit der Zurückkunft der auf die Nachricht der Ereignisse d.s15. Sept. nach Kassel gesendeten Deputirten, welche die gebetene Audienz von den,Kurfürsten nicht erhalten hatten. Dort richtete sich der Sturm gegen das verhaßteInstitut der Maulh mittels Zerstörung der Zollstatten. Auch in Kassel zeigten sichneue Aufregungen, als der Oberstlieutenant von Loßberg, welcher wegen seiner Aeu-ßmmgen über den 15. Sept. verhaßt war, zum Stadtcommandanten ernannt,mich völlig hergestellter Ruhe das beurlaubte Militair eingezogen und in den um-liegenden Dörfern in einem Halbkreise gegen die Stadt aufgestellt, die zugesagteBürgerbewassnung aber verzögert wurde. Am 0. Oct. war die Volksmasse im Be-griff, das durch Jager und Artillerie vertheidigte Zeughaus zu erstürmen, und nunuff wurde die vollständige Bürgerbewaffnung genehmigt und die Ruhe hergestellt.Ein gefährlicher Auftritt ereignete sich abermals am 16. Oct. bei Gelegenheit der ersteZusammenkunft der Stande. Die Bürgergarde, welche die Erlaubnis erhalten hat-te, den an diesem Tage zum ersten Mal versammelten Standen eine Ehrenwache zugeben, verweigerte die Befolgung einer Gegenordre des Commandantcn von Loß-berg, der, als er in rauhem Tone sie auseinander gehen hieß, von der umstehendenVolksmasse beinahe erdrückt, gemishandelt und mit Zischen und Pfeifen der Kna-ben durch die Straßen der Stadt verfolgt wurde. Als dieser Knabenunfug am fol-genden Tage sogar während der Parade sich wiederholte, hieben mehre Unteroffi-ziere mit ihren Seitengewehren in die Volksmenge und verwundeten viele wehrloseUnschuldige. Ein Schrei des Entsetzens durchfuhr die Straßen der Stadt; be-waffnete Volkshaufen zeigten sich, die Bürgergarde besetzte den Markt, das zahl-reichere Militair den Friedrichsplatz, und drohend standen die Parteken sich gegen-über. Den rastlosen Bemühungen des Polizeidirectors Pfeiffer und des Generalsvon Hainau, welcher, nachdem er auf der Stelle zum erstell Commandanten der^tadt war ernannt worden, das Militair in die Easerne zurückzog und die Erhal-tung der Ordnung der Bürgergarde überließ, verdankt man, daß an diesem Tagekein Blut mehr vergossen wurde.
Am 16. Oct. übergab der erste Landtagscommissair, Appellationsgerkchtsprä-ßdentvon Porbeck, den Ständen den Entwurf*) einer neuen Verfassung, welche
*) „Europäische Verfassungen", Bd. 1, S. 607 fg.