Kruse (Friedrich Kart Hermann) 775
il« früher Jugend für das Studium der Geschichte und Geographie und die dazunöthigen philologischen Studien gewonnen. Für die Theologie bestimmt, bezoger 1810 die Universität Leipzig, als aber die Franzosin 1811 fein Vaterland de-setzten, entschloß er sich, nicht dahin zurückzukehren, und nunmehr entwickelte sichsein Plan, sich als Historiker zu einer akademischen Laufbahn vorzubereiten, im-mer bestimmter. Er begnügte sich nie mit den Vortragen seiner Lehrer allein,sondern er suchte bestandig auch aus den Quellen zu schöpfen und hörte jetzt auchviele philologische, juristische und naturwissenschaftliche Collegien, da diese seinehistorisch-geographischen Studien bedeutend fördern konnten. Bei der Anstel-lung seines Vaters vertheidigte er dessen Dissertation und wurde dadurch ver-anlaßt, in die Kritik der römischen Geschichte sowie der Geschichte überhaupt tiefereinzudringen. Er nahm 18! 6 einen Ruf an die Ritterakademie in Liegnitz an.Manso, dessen Bekanntschaft er in Breslau gemacht hatte, berief ihn schon nacheinem halben Jahre an die unter ihm stehende Magdalenenschule, wo er, mehreJahre mit Ottfried Müller, Kannegießer, Nösselt, Manso, Stenzel, Bü-sching und Wachler in freundschaftlichen Verhältnissen lebend, besonders seine hi-storisch-geographischen Studier, fortsetzte. Hier gab er zuerst sein kleines Werk.„Über Herodot's Ausmessung des Pontus Euxinus" (Leipzig 1810), heraus, undwandte sich dann besonders auf die bis dahin fast ganz vernachlässigte alte Geo-graphie Deutschlands. Er entwarf, hauptsachlich nach Ptolemaus, den er in Jtine-rarien auflöste, eine Karte vom alten Germanien, die er im Manuskripte derberliner Akademie mittheilte und mit Beifallsbezeigungen zurückerhielt, indemer aufgemuntert wurde, ganz Deutschland zu bereisen, um überall an Ort undStelle antiquarische Untersuchungen anzustellen, und dadurch seine historisch-geo-graphischen Untersuchungen fester zu stellen oder zu berichtigen. Dieser Plan kamwegen der damit verbundenen Kosten nicht zur Ausführung; allein er bereiste we-nigstens Schlesien und die Grafschaft Glatz zu diesem Zweck, setzte sich auch mitVielen, welche ihm Nachrichten ertheilen konnten, in Correspondenz und lieferte dieersten Resultate seiner hiftorisch-antiquarisch-geographischen Untersuchungen in ei-I nem ausführlichen Aufsatze: „Etwas über das alte Schlesien vor Einführung derchristlichen Religion, besonders zu den Zeiten der Römer" (Büsching's „Wöchent-liche Nachrichten", 1819). Dieser Aufsatz wurde besonders abgedruckt unter demTitel: „Luäorxis" (Leipzig 1819). Durch die Bemühungen einer Gesellschaftvon Alterthumsfreunden wurden 200 Fundorte von Alterthümern entdeckt, welchezum Theil als solche die alt-geographischen Bestimmungen K.'s für die Ptolemai-lchcn Städte des Alterthums feststellen, und es bildete sich zugleich (unter Bü-Wng) eine Alterthümersammlung der breslauer Hochschule, welche bald bis aufMg Nummern anwuchs. Auch in die Nachbarlander, die Lausitz, Sachsen,Thüringen, Preußen, Westfalen w., verbreitete sich diese Art antiquarischer Stub'kn, die aber freilich hie und da in bloße Alterthümelei ausartete. Nach Verthei-lugung seiner Dissertation: „Delstri ostüs", begann K. Vorlesungen über Ge-richte und alte Geographie, bis er 1821 außerordentlicher Professor der Ge-richte und alten Geographie in Halle wurde. Angegriffen wegen seiner Bestand-uin .g des Ptolemaus, vertheidigte er sich schon vor seinem Abgange aus Breslauburch eine ausführliche Darstellung der Geographie des östlichen Germaniens im'Mm Hefte feines „Archivs für alte Geographie, Geschichte und Alterthümer"Breslau l821) und setzte diese Rechtfertigung im zweiten und dritten Hefte fort,welches die östlichen Städte des alten Germaniens betrachtet und eine ausführlicheVersuchung über den Ptolemäus enthält. K. stimmte fast in keinem einzigen>"nkre mit Mannert und seinen übrigen Vorgangern überein und brach der Wis-i^schast eine völlig neue Bahn. Sobald er nach Hatte gekommen war, wählteunter dem Landrarh Lepsius in Naumburg erstandene Thüringisch-sächsisch? Ver-