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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
774
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774 Kruse (Friedrich Karl Hermann)

Nach Vollendung seiner Studien begab er sich nach Oldenburg, wo er eine Stelleam Gymnasium erhielt und eine Abendschule für junge Madchen unternahmdurch deren sorgsame Leitung er sich die Liebe und Achtung der angesehensten Be-wohner der Stadt erwarb. Seit 1781 verhenathet, ward er durch das Vermö-gen seiner Frau in Stand gesetzt, auch für seine Privacstudien mehr zu thun, alses ihm in seinen frühern Verhaltnissen möglich gewesen war. Die Erscheinungder von Lessing herausgegebenen Fragmente eines Ungenannten veranlaßt«« ihnnoch ehe Döderlein gegen dieselben aufgetreten war, die darin vectheidigte, dempositiven Christenthum feindliche Ansicht in seiner Schrift:Zweck des Sokratesund seiner Jünger" (Leipzig 1785), zu bekämpfen. Dein Bedürfniß der Schulenkam er durch seineAllgemeine Anweisung zur Orthographie" (Bremen 1787),die vielfach benutzt bis 1815 in vier Auflagen erschienen ist, wie spater durch seineDeutsche Sprachlehre" (Oldenburg 1807) entgegen. Schon als Lehrer amGymnasium zu Oldenburg aber begann er die Vorbereitungen zu der schwierigenArbeit, einen ganz Europa umfassenden historisch-geographischen Atlas zu ent-werfen, welcher den Zustand Europas zu Ende jedes Jahrhunderts in einer durchchronologische Tabellen erläuterten Karte darstellen sollte. Dieses verdienstlicheUnternehmen, dem er den Fleiß seines Lebens treulich gewidmet hat, erhielt aucheine äußere Begünstigung, als K. zum Lehrer der Prinzen August und Georg vonOldenburg ernannt und von dem Herzoge durch besonderes Vertrauen ausgezeich-net ward. Unter diesen günstigen Verhältnissen erschien mir Unterstützung desHerzogs 1802 die erste bis zum Jahr 700 hinabreichende Lieferung seinesAtlaszur Geschichte aller europäischen Staaten". Er begleitete 1803, mit dem Titeleines Conststorialraths belohnt, seine Zöglinge aus die Universität Leipzig, wo erdie zweite bis 1100 laufende Lieferung jenes Werkes herausgab, das er gegenBredow's Vorwurf, welcher es einen Auszug aus Gatterer's ähnlichem Wertegenannt hatte, gründlich vertheidigte. Als er 1805 mit den beiden Prinzen nachOldenburg zurückgekehrt war, leitete er als Scholarch die ältern Unterrichtsanstal-ten und das 1807 von ihm eingerichtete Schullehrerseminarium. Die Besetzungdes Herzogthums Oldenburg durch die Franzosen riß ihn 1811 aus seinen glück-lichen Verhältnissen, und als er sein Grundeigenthum nicht ohne Opfer verkauftund nur mit Mühe die Erlaubniß zur Abreise erhalten hatte, begab er sich nachLeipzig, wo er 1812 als Professor der historischen Hülfswissenschaften angestelltward. In der Dissertation, die er bei dem Antritte seines Lehramts vertheidigte:0e Invii recte aestimancka", trat er, einer der Ersten, Niebuhr's Ansich-ten der ältesten römischen Geschichte entgegen. Seine historischen, geographischenund pädagogischen Vorlesungen gewannen Beifall, und durch die seit 1813 über-nommene Mitaufsicht über die Wendlec'sche Freischule, oeren wissenschaftlicheLeitung ihm oblag, erwarb er sich anerkannte Verdienste. SeinenAtlas",dessen drittes Heft bereits 1810 erschienen war, vollendete er 1818 mit dem vier-ten Hefte und besorgte 1822 eine neue Ausgabe des Ganzen. Er überließ 1824,als dieses Werk in den Verlag der Renger'schen Buchhandlung zu Halle überging,nach den Bestimmungen des abgeschlossenen Vertrags, die wissenschaftliche Pflegeund Fortsetzung desselben seinem Sohne, der 1828 eine neue Auflage des erstenund vierten Hefts besorgte. Nach einer kurzen Krankheit starb K. am 4. Jan.1827, geachtet von Allen, die ihn kannten.

Kruse (Friedrich Karl Hermann), Sohn des Vorigen, geboren dm21. Jul. 1790 in Oldenburg, wurde in dem dortigen Gymnasium, und als seinVater 1803 mit seinen fürstlichen Zöglingen nach Leipzig ging, dort aus der Tho-masschule und später wieder in Oldenburg in den Schulwissenschaften unterrichtet.Durch die Arbeiten seines Vaters im Fache der Geographie und Geschichte unddurch dessen für diesen Zweck hauptsächlich ausgesuchte Bibliothek ward er schon