Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
742
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742 Kolowrat - Licbsteinsky

Stamm Krakowsky war, am 8. Zun. 1801 mit Rosa, Tochter des Fürsten Jo-seph Kinsky und der Gräfin Marie Harrach. Dieser Rosa altere Schwester Si-donie ist die Mutter des trefflichsten Zöglings K.'s, des Fürsten August Lobko!witz, welcher Ostreich als Gouverneur Galiziens durch Unerschrockenst in denSchrecknissen der Cholera wie in der gleichzeitigen Revolution Polens durch weiseMäßigung die größten Dienste geleistet hat, nach überstandener Gefahr aber vondort entfernt worden ist. Die Jugend des Grafen Franz K. verfloß in der Epoche desfurchtbarsten Geistesdrucks und der ärgsten Jakobinerriecherei. Glücklicherweisebekümmerte sich Graf K. wenig darum, daher er auch lange nicht zu dem, in derangenommenen Bedeutung ziemlich zweideutigen Rufecorrecter" Gesinnungdurchdringen konnte. Der Ton seiner Jugend war vielmehr lebensfreudig und li-beral, aber nicht minder durch ein unleugbares Fortschreiten hervorragend. Frühtrat er in den Staatsdienst. Er war Stadthauptmann des wichtigen Prag als ereben volljährig geworden war. Aus derselben schönen Jugendzeit stammt auch desGrafen K. innige Freundschaft mit dem, nach langer Zurücksetzung zu den ersten Stel,len im Königreiche Böhmen und sofort in Ostreich und in der Finanzverwaltung er-hobenen Malthesercomthur Grafen Klebelsberg. Im Spätjahr 1810 folgte K. alsOberstburggraf des Königreichs Böhmen dem ins Finanzministerium nach Wienberufenen Grafen Joseph Wallis, einem Manne von gründlicher Gelehrsamkeit,unermüdetem Fleiß, athletischer Körperkraft, aber auch von einem allzu oft sich selbstüberstürzenden Eifer. Böhmen athmete durch K.'s Ruhe und Milde neu auf,Nach zweihundertjähriger Niederhaltung Böhmens, war K, wieder der Erste, derin diesem klang- und erfindungsreichen, von der Natur reich ausgestatteten, biszum dreißigjährigen Krieg eine hohe Culturstufe behauptenden Wunderland eineArt von Selbstgefühl und von Selbstvertrauen zurückführte. Er war es, der dasStudium der so lange vernachlässigten und im Volksunterricht wie unter den hö-hern Classen nach Möglichkeit ausgerotteten böhmischen Sprache und Sitte so-wie der Vaterlandsgeschichte neu belebte. Er hat die Landesgeschichte durch redendeund bildende Kunst, Dichtung und Malerei zu popularisiren und zu verherrlichenangefangen und ist in Allem nicht nur mit aneiferndem Wort, sondern auch miteignem Beispiele vorangegangen. Man kann von K. sagen, er habe Böhmen, so-wie von seinem trefflichen Nachfolger in Prag, dem Grafen Ch otek (s. d.), erhabe Tirol ausgesöhnt und wiedergewonnen. Jedenfalls datirt von K. eine neueEpoche in der Verwaltung und in der Nationalliteratur Böhmens. (S. Böh-misch e L i t e r a t u r.) In der kurzen Frist bis zum großen Befreiungskampfe 18 l.3leistete K. Unglaubliches. Wissenschaft und Kunst fanden stets an ihm einen auf-richtigen und eifrigen Beschützer, ebensowol aus eigner Neigung und aus veredel-tem Geschmack als aus wohlberechnetec Staatsklugheit. Selbst ein guter HauS-wirth, war ihm auch jede Vergeudung, zumal die so oft illusorische und den fremd-artigsten Zwecken dienende für geheime Polizei, für eine ins Unendliche verviel-fältigte, innere und äußere Diplomatie und für die Lieblingsrubriksonstiger ge-heimer Ausgaben" ein Greuel. Seine Gedanken gingen stets ernstlich auf Er-leichterung der jedes Jahr durch neue Reste als unerschwinglich bezeichneten Lasten.Sie waren auf Handelsfreiheit, auf allmäliges Aufschließen der chinesischen Mauerdes intellectueUcn, wie des mercantilischen Prohibitivsystems gerichtet, auf Re-duktion des stehenden Heers, auf Wiederbelebung der längst in Nullität herabge-sunkenen historischen Provinzialstände, wenigstens als Creditanstalt. Ihm dankteman ein ernstes und beharrliches Entgegenwirken ebenso gegen Verschwendungund Willkür, als gegen den Obskurantismus, der jenen beiden zum Deckmantelund zur unverantwortlichen Verewigung dienen soll. Als 1825 K. von Prag indas Staatsministerium nach Wien berufen wurde, galt er für den herbeigerufenenAntipoden des ganz josephinisch, das heißt despotisch liberalen Saurau. GrafK«