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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
741
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Kolowrat- Liebsteinsky

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während seine Proklamationen die Hellenen zu Eintracht und Tapferkeit ermahn-ten. Uberhaupt aber brachte die Wahl des Grafen Kapodistrias, von dessen Er-scheinen man Alles erwarten zu dürfen glaubte, in die Kriegsoperationen der Helle-nen eine gewisse Lauheit, die auf der andern Seite auch noch durch das Benehmendes Feindes begünstigt wurde, welcher wegen der bereits eingeleiteten diplomati-schen Verhandlungen sich bloß noch auf die Vertheidigung der einmal eingenommenenStellungen beschrankte. Um so mehr behielten die verschiedenen Parteihäupter Zeitund Gelegenheit, ihre eignen selbstsüchtigen Plane zu entwerfen, deren Ausführungsie sich von der besondern Gunst des neuen Regenten versprechen mochten. Diesmag in gewisser Beziehung auch von K. gelten. Wir wollen nicht entscheiden, obKapodistrias ihn gleich anfangs bloß in der Absicht vorzüglich begünstigt habe, umeinen der gefahrlichsten Gegner durch Verpflichtungen unschädlich zu machen, oderob er in ihm wirklich die Stütze seiner Macht erkannt habe, als welche K. in derletzten Zeit der Präsidentschaft betrachtet werdcn mag. Es ist bekannt, daß K. auchunter Kapodistrias den militairischen Oberbefehl im Peloponnes behielt und die-sen theils zur Erreichung seiner eignen Zwecke, theils aber besonders zur Befesti-gung des Gewaltsystems des Präsidenten wohl zu nutzen verstand. (S. Grie-chenland.) Nach dem Tode des Präsidenten zum Mitglieds der provisorischenRegierungscommission vom 9. Oct. erwählt, zeigte sich K. als heftigster Fürspre-cher und Vertheidiger der Regierungsgrundsätze des Cabinets von Napoli ganzwieder in der alten Klephtennatur (s. Ka podistrias, Augustin), und selbstnach dem Siege der nationalen oder liberalen Partei im April 1832 ist er fortwäh-rend der erbittcrtsteGegner der neuen Ordnung der Dinge geblieben. Die letzten Nach-richten vom Ende des verflossenenJahres schildern ihn als solchen gleich furchtbar durchdie Gewalt seines Schwertes und die Kühnheit seiner Rede; jedoch scheinen auchdiese endlich ihre Kraft zu verlieren, da sie schwerlich der Energie gewachsen sein möch-ten, welche man von der Regentschaft des Königs Otto erwarten darf. (18)

Kolowrat - Liebsteinsky (Franz Anton, Graf von) zu Reichenau,wurde am 31. Jan. 1778 zu Prag geboren. Sein reiches und mächtiges Geschlecht,dessen Mittel nun größtentheils in seiner Hand vereinigt sind, ist eines der wenigen,die demblutigen Landtage" Ferdinands I. 1547, der aberwitzigen Tyrannei Ru-dolfs II. (welcher insonderheit die vielfach verwandten Lobkowitz ohne Urtheil undRecht unterlagen), dem großen Bluttage Ferdinands II. von 1621 auf demRing der prager Altstadt und der langsamen, planvollen Erstickung aller Na-tionalitat und aller Notabilitäten unter Leopold I. entgangen sind. In den dreiSchlachten, in deren jeder ein Böhmenkönig blieb, 1278 im Marchfcld zwischenden Königen Ottokar und Rudolf, 1347 bei Cressy, wo der blinde König Johannfür Frankreich wider den schwarzen Prinzen stritt, 1526 bei Mohacz, wo der letzteIagellone Ludwig gegen den großen Suleiman umkam, dann 1322 bei Mühl-dorfzwischcn Ludwig dem Baier und Friedrich dem Schönen, 1547 bei Mühlbergmit Karl V. und Ferdinand l. gegen den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrichund die schmalkaldischen Bundesverwandren, glänzte der Kolowrat Wassenruhm,sowie durch die Rettung Karls IV. im Aufruhr zu Pisa. Sie zerfielen früh in dieZweige Krakowsky, Liebsteinsky und Noworahdsky. In der Hussitenfehde, in dergroßen Bewegung wider Ferdinand II. wegen Verletzung der Glaubens- undWahlfreiheit, des Majestätsbriefes und beinahe aller Zweige der Verfassung stau-en fast alle Kolowrat auf königlicher Seite. Der Vertrag, der Schlesien anBöhmen band und seine Rechte ordnete, hieß noch in unsern Tagen der Kolowrat'-sche Vertrag. So berühmt war dieses in die böhmische Mythenzeit hinaufrei-äunde Haus, daß das Volk eine Glocke kennt, die von selber lautet, und einenStein, der Blut schwitzt,wenn ein Kolowrat stirbt".

Noch sehr jung vermählte sich Graf Franz K., dessen Mutter vom

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