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Zweiter Band (1833) F bis L
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Kolokotronis

rung; und um der Opposition, welche wenigstens noch zwei Drittheile des Heersauf ihrer Seite hatte, die materielle Gewalt zu entziehen, erklarte der Senat in öffent-lichen Proclamationen, das Vaterland sei in Gefahr, und jeder Bürger verpflichtet,ihm zu Hülfe zu eilen. Dieser Schritt der Verzweiflung hatte allerdings für denAnfang gewünschten Erfolg. K., von den meisten seiner Truppen verlassen, gestandsein Unrecht ein, bat um Verzeihung und zog sich auf einige Zeit nach Karitena zu-rück. Allein der gekränkte Stolz ertrug diese Demüthigung nicht lange. Denherannahenden Winter hielt K. für den günstigen Zeitpunkt, die verlorene Gewaltwieder zu gewinnen. Durch Geld, Versprechungen und List sammelte er in kurzerZeit ein nicht unbedeutendes Truppencorps, rückte nach Arkadien vor, belagerte Tri-polizza, ward aber nach mehren unglücklichen Gefechten gegen die Truppen der Re-gierung unter Gouras zum Rückzug nach Karitena genöthigt, hier ebenfalls ge-schlagen, gefangen genommen und als Staatsgefangener in ein Kloster auf Hydraabgeführt. Mehr wagte die Regierung nicht zu thun aus Furcht vor einem mäch-tigen Anhang, auf welchen K. selbst jetzt noch im Peloponnes rechnen konnte.Dies geschah im Febr. 1825. Kurz darauf jedoch nahmen die Kriegsoperatio-nen eine für die Sache der Griechen sehr ungünstige Wendung, und namentlichverursachte der unerwartete Fall von Navarin bei allen Parteien so große Bestür-zung, daß die Regierung zu Napoli, um dem allgemeinen Verlangen nachzugeben,sich bewogen fühlte, K. mit seiner Partei zu begnadigen und ihm bereits im Maiwieder ein Armeecorps von 10,000 Moreoten, welche ihn ausdrücklich zum An-führer begehrt hatten, anzuvertrauen. In Napoli angekommen, leistete er in derKirche einen feierlichen Eidschwur, der Sache des Vaterlandes fortan mit demgrößten Eiser zu dienen, machte der Regierung einige Vorschlage, unter Andern,daß man die Mauern von Tripolizza schleifen möchte, damit es nicht abermals demFeinde zu sichern» Zufluchtsort dienen könne, und begab sich unverzüglich zumHeere bei Tripolizza. Ungeachtet mehrer glücklichen Gefechte, war er jedoch nichtim Stande, der Übermacht Ibrahim Paschas zu trotzen. Als dieser nur noch einigeStunden von Tripolizza entfernt war, gab er den Primaten die Weisung, mansolle die Stadt mit dem beweglichen Eigenthum verlassen und in Brand stecken.Da man jedoch diesem Rache nicht folgte, und K. auch sonst kein Mittel wußte, denFeind von der Stadt abzuhalten, so eilte er nach Karitena zurück, um sein Heerdurch neue Werbungen zu verstarken. Unterdessen hielt Ibrahim Pascha am 22.Iun. ohne Schwertstreich seinen Einzug in Tripolizza. Schon am 27. kehrte K.mit 4000 Mann zurück, um Ibrahim Pascha, welcher sogleich gegen Argos vor-gerückt war, den Rückzug nach Tripolizza abzuschneiden. Auch dies gelang ihmnicht, und er mußte bei Vervenis ein befestigtes Lager beziehen, von wo aus Ppsi-lantis die Operationen gegen Tripolizza fortsetzte, wahrend K. selbst abermals nachKaritena zurückging, um dem Heere neue Verstärkungen zuzuführen. Er brachtedies schnell, aber ohne wesentlichen Vortheil für die Verhältnisse vor Tripolizza zuStande. Denn obgleich K. um diese Zeit zum Oberfeldherrn des Peloponnes er-nannt worden war, so fehlte es doch der Regierung an Mitteln und namentlich anAutorität, ihm für größere Plane, deren Ausführung so schon die gegenseitige Ei-fersucht der Heerführer entgegenstand, die nöthige Unterstützung zu gewähren, zu-mal da gegen das Ende des Jahres 1825 und zu Anfange des folgenden die Ereig-nisse in Wcstgriechenland Aufmerksamkeit und Mittel der Regierung fast ausschlie-ßend in Anspruch nahmen. Dasselbe gilt auch für das folgende Jahr, wo fast alleder Regierung zu Gebote stehenden Streitkräfte in Attika zum Entsätze der Akro-polis zusammengezogen wurden. K. hatte hieran gar keinen Theil, sondern warschon um die Mitte des Jahres 1826 nach Napoli gegangen, wo ihn ein längererAufenthalt in jene heillose Fehde mit dem Rumeliotenhäuptling Grivas, der denPalamides besetzt hatte, verwickelte, in welcher er abermals Zeit und Kraft verlor,