Kolokotroms 739
zum Gouverneur von Napoli erklart hatte, und als solcher von Allen, welche mit ihmin Berührung kamen, die strengste Unterwürfigkeit verlangte, erhob er gegen den Na-tionalcongreß, welcher sich zu Anfange des IahreS 1823 zu Napoli versammelte,die ungestümsten Federungen, die er überdies noch mit den furchtbarsten Drohun-gen begleitete, im Fall man sich weigern würde, ihm Genüge zu thun. Unglückli-cherweise verschafften ihm seine Verhaltnisse zu einigen angesehenen Familien desPeloponnes, z. B. der Familie Delianis, mit welcher er durch einen seiner Söhneverschwägert war, dann die Verbindung mit Theodor Ncgris, welcher damals be-reits von den Berathungen der Regierungscommission ausgeschlossen worden warund daher jede Gelegenheit ergriff, den Planen derselben durch Opposition ent-gegenzuarbeiten, bald einen bedeutenden Anhang, welchen er dazu zu benutzenverstand, seinen selbstsüchtigen Zwecken den Schein einer Parteisache zu geben. Ammeisten verdroß ihn die Erhebung des Fürsten Maurokordatos zur Präsidentschaftder Civilverwaltung und die Ernennung des Mainotenbeys Pietro Mauromi-chalis zum Präsidenten des Kriegsraths. Um diese wo möglich noch zu überflü-geln, erklärte er der Regierung geradezu, er werde die Citadclle von Napoli nur un-ter der Bedingung übergeben, daß man ihn zum Präsidenten wählen wolle. Dasich jedoch Pietro Mauromichalis selbst ziemlich heftig gegen K.'s Verlangen er-klärte, und diese Spannung zwischen den zwei einflußreichsten Heerführern unan-genehme Auftritte in Napoli selbst befürchten ließ, welche die Freiheit und Sicher-heit der Berathung gestört haben würden, so verlegte die Nationalversammlungihre Sitzungen nach Astros. Nichtsdestoweniger beharrte K. auf seinen Federun-gen und machte öffentlich bekannt, er werde entweder Griechenland ganz verlassen,oder nach Astros kommen, mit den Massen zu erzwingen, was man ihm gutwil-lig verweigern zu wollen scheine. Um die Sachen unter so bedenklichen Umstandennicht aufs Äußerste zu treiben, ließ sich Pietro Mauromichalis besänftigen und derKongreß gab nach so viel in seiner Macht stand, ohne sich ganz in die Gewalt einesungestümen Klephtenhäuptlings zu begeben. K. ward nach Astros beschicken, durchangemessene Ermahnungen zur Nachgiebigkeit gestimmt und endlich durch dasVersprechen, daß man ihn zum Oberfeldherrn ernennen und Pietro Mauromicha-lis an Macht und Würde ganz gleich stellen werde, zur Auslieferung der Schlüsselvon Napoli bewogen. Hierauf begab sich K., anscheinend befriedigt, mit seinemArmeecorps abermals zur Blokade von Patras. Allein sein Ehrgeiz war noch kei-neswegs befriedigt. Kurz nach seinem Abzüge erhob er sich wieder so heftig gegendie Regierung, daß man es für nöthig hielt, durch seine Ernennung zum Vizeprä-sidenten des Verwaltungsraths größerm Unheil vorzubeugen Die Zeit und Kraft,die auf diese Weise mit Jntriguen und Machinationen verschwendet wurde, entging' natürlich der günstigen Fortsetzung des Kriegs gegen die Türken. Immer ini feindlicher Stellung gegen die Regierung, lag K. mehre Monate erfolglos vor Patras.l Die Erscheinung des Lords Byron zu Anfange 1824, in vieler Beziehung von denheilsamsten Folgen, schien endlich auch K. mit seinen Gegnern auszugleichen. Er>vandte sich selbst an Byron, um unter seiner Vermittelung sich mit der Regierung! auszusöhnen. Jedoch änderte dieser Schritt der Reue im Wesentlichen um so we-! "iger etwas, da K/s Anhang fortwährend in der Opposition beharrte und auch'hn selbst wieder für dieselbe zu gewinnen wußte. Seit K. Mitglied des Verwal-Umgsrathes geworden war, fand die Parteiung auch hier Eingang. K. verlangte,aaß die Regierung seine Truppen besolden solle, der Senat dagegen wies diese Fo-d"ung mit dem Bedeuten zurück, K. habe sich bereits genug bereichert, um den Un-^shalt seiner Truppen selbst bestreiten zu können; fehle es ihm jedoch an den dazu! Obigen Mitteln, so solle er nur Morea verlassen und den Krieg in die noch voni sn Türken besetzten Provinzen jenseit des Jsthmos verlegen, wo er bald gewinnenvnnte, was ihm Bedürfniß sei. Dergleichen Erklärungen steigerten die Erbitte-
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