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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
738
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738 Kolokotronis

Blokade des ganz von mohammedanischen Albanesern (SchypetarS) bewohntenBergfleckens Lala, welche er jedoch schon im April, nach der Ankunft des GrafenAndreas Metaxas, der aus verbannten Joniern ein eignes Freicorps von 2VVVMann gebildet hatte, aufgab, um die Belagerung von Tripolizza zu unterstützen,wozu sich damals bereits die südlichem Truppencorps unter Demetrios PpsilamisPietro Mauromichalis, KaneloS, Niketas und andern Häuptlingen vereinigt hat-ten. Zeichnete sich K. bei der bis in den Ott. dauernden Belagerung (Tripolizzasiel den 15. Ott.) durch außerordentlichen Heldenmuth aus, so gab dagegen seineunbegrenzte Habsucht, welche sich bei mehren Gelegenheiten von ihrer nachtheilig-sten Seite offenbarte, den Bessergesinnten großen Anstoß. Unter Anderm verlangteer bei einer Unterhandlung wegen Capitulation bloß dafür, daß den Türken freierAbzug mit ihrem beweglichen Eigenthum und die Einschiffung nach Ägypten oderKleinasien im Golf von Kalamata zugestanden werden sollte, die enorme Summevon 40 Millionen Piastern, die in Tripolizza freilich nicht aufzutreiben waren.Auch zeigte sich damals schon eine offenbare Spannung zwischen ihm und den übri-gen Heerführern, namentlich Ppsilantis, welcher deshalb noch vor dem Falle vonTripolizza sich nach Kalavrita zurückzog, aber bald wieder beim Heere erschien, umden Oberbefehl in dem eroberten Platze zu übernehmen. Vorzüglich das Letzlere be-leidigte die Eitelkeit und Herrschsucht K.'s um so mehr, da diese Wahl ganz ohne seinWissen geschehen war; ja er würde sogleich das Heer verlassen haben, wenn dieRegierung sich nicht dazu verstanden hatte, noch nachträglich bekannt zu machen,daß Ppsilantis' Wahl mit ausdrücklicher Zustimmung K.'s geschehen sei. ImDec. nahm K. noch an den Belagerungen von Napoli di Romania und Akrokc-rinth Theil, überschritt dann den JsthmoS und bezog auf kurze Zeit Winterquar-tiere in Phokis.

Den zweiten Feldzug begann er mit der Blokade von PatraS, wandte sichaber, nachdem er hier mehre Monate nutzlos mit kleinen Gefechten zugebracht hatte,im Aug. 1822 wieder nach Argolis, wo ihm von den übrigen Häuptlingen derOberbefehl und die Leitung der Operationen gegen Napoli übertragen wurde. Ne-ben der längst bewährten Tapferkeit entwickelte hier K. in der That große strategi-sche Talente. Durch kluge Vertheilung der Truppen an den nach dem JsthmoSführenden Engpässen gelang es ihm nicht nur, fast das ganze Heer deS SeraskierS,Dram Ali Pascha, welcher, von allen Seiten bedrängt, den Rückzug nach Korinthantreten mußte, aufzureiben, sondern er verfolgte auch, nach einem glänzendenSiege bei den Engpässen von Kleones, die Reste des feindlichen Heers bis unter dieMauern von Korinth, und ihren Plan, sich mit dem bei Patras stehenden Armee-corps zu vereinigen, vereitelte er durch einen zweiten Sieg an der Ostseite der phliast-sehen Gebirge. Nachdem er auf diese Weise die Macht des SeraskierS gebrochenhatte, eilte er zur Belagerung von Napoli zurück, welches auch wirklich vorzüglichdurch seine Hülfe am 16. Dec. in die Gewalt der Hellenen fiel. Allein leiderwuchs mit dem Glück der Waffen auch K.'s Übermuth und Selbstsucht, welche derSache der Griechen bald ebenso viel Nachtheile brachten, als man sich von seinerTapferkeit und militärischen Gewandtheit Vortheile versprechen durfte. Je mehrnämlich K. durch den Gang der Ereignisse und das Benehmen der ausgezeichnetemHäuptlinge zu der Einsicht gebracht ward, daß das Wesen und die letzten Zweckeder Revolution ganz andere seien, als er selbst gewünscht und gedacht haben mochte,desto heftiger wurde seine ungeschickte Opposition gegen die Regierung und die mitihr übereinstimmenden Hetairiften und Fanarioten. Hatte er seinem Zorne gegendiese schon vor dem Falle von Napoli bei mehren Gelegenheiten durch die ungezie-mendsten Anklagen freien Lauf gelassen, so glaubte er sich nach der Einnahme die-ses Platzes zu jeder Anmaßung berechtigt, zu der ihn nur Herrschbegierde und Hab-sucht treiben mochten. Nachdem er sich z. B. aus eigner Machtvollkommenhe>