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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
736
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736 Kolokorronis

dolfshcim bei Göttingen geboren, ftudirte in Göttingen Theologie und trat 1802als Hofmeister in das Haus des danischen Gesandten in Berlin Grafen BaudissinNach Auflösung dieses ihm sehr werthen Verhältnisses, war er von 1810—14 Vor,sicher einer Erziehungsanstalt zu Barmen bei Elberfeld, dann Lehrer am Gymnasiumzu Düsseldorf und Barmens 1818 ward er zum Raths bei dem Consistorium undProvinzialschulcollegium zu Münster befördert, wo er bis zum Sommer 1830 inGemeinschaft mit dem edeln Präsidenten von Vincke gewirkt hat. In dieser Zeittrat er seine jetzige Stelle an. Als Lehrer hat K. sich durch einen anregenden undgeistvollen historischen Vortrag und durch eine einsichtsvolle Methode einen rühm-lichen Namen unter den Geschichtslehrem erworben und viele junge Leute für dasStudium der Geschichte begeistert. Aeugniß davon gibt auch seine „Deutsche Ge-schichte", deren erste Auflage (Elberfeld) 1810, die zehnte aber 1832 erschienen ist.Sie hatte das besondere Schicksal, erst sehr gelobt und viel gelesen, dann in Preußenverboten, und zuletzt, nachdem sie freilich bedeutende Veränderungen in der Darstel-lung erlktten hatte, wieder empfohlen zu werden. Für die Methodik des Geschichts-unterrichts war er auch als Schriftsteller thätia, wie sein „Chronologischer Abriß"(achte Aufl., Elberfeld 1830); die „Geschichten und Lehren des Alten Testamentsfür die Jugend" (in 13 Auflagen), sein „Handbuch für Lehrer beim Gebrauchder Geschichten u. f. w." (Halle 1811, dritte Aufl. 1820), und die „Bemerkungenüber die Stufenfolge des Ges stchtsunternchts" (Halle 1818) zeigen. Nicht minderachtungswerth ist K. als Consistorial- und Schulrath und die westfälischen Gymna-sien haben in ihm einen Vorstand verloren, der während einer Reihe von 12Jahren Ernst mit Humanität, Milde mit Strenge auf eine vortreffliche Art zuvereinigen wußte. Dafür sprach sich auch die allgemeine Liebe und Verehrung beiseinem Abgange aus Münster nach Hanover auf eine sehr ungeheuchelte Weise aus,und K. erkannte durch einen öffentlichen Abschied es gern an, daß ihm die Gym-nasiallehrer der Provinz sehr werth und theuer gewesen waren. Von seinem Wir-ken in dem neuen Amte hat man bis jetzt nur Preiswürdiqes vernommen. (48)

Kolokotronis (Theodor), berühmt und berüchtigt als Heerführer undParteihaupt im griechischen Befreiungskampse, wurde zu Karirena im Pelopon-nes um 1765 geboren. Seine Vorfahren waren hier seit undenklichen Zeiten alsKlephtenführer zugleich Schrecken und Schutz der benachbarten Bergcantone, undnamentlich galt Theodors Vater, Georg K., vor ungefähr 40 Jahren für denfurchtbarsten und tapfersten Bandenchef in ganz Morea. Schon zur Zeit des rus-sischen Einfalls 1770 wird sein Name häusig genannt, und als später Ali Paschavon Janina seine Herrschaft auch über den südlichen Theil des griechischen Festlan-des, ja selbst über den Peloponnes auszudehnen beabsichtigte, war Georg K. ei-ner der ersten moreotischen Häuptlinge, die sich zur Unterdrückung des Tyrannenan die ätolischen Klephten anschlössen. Noch in dem ersten Jahrzehend dieses Jahr-hunderts trieb er das Klephtenhandwerk in den Gebirgspässen um Karitena, fandaber endlich, wie alle seine Vorfahren, den Tod in einem jener unbedeutenden Ge-fechte, deren Andenken allein in den Kriegsliedem der Palliaren fortlebt. Theo-dors Mutter lebte als hochbejahrte Matrone noch 1827 auf den von ihrem ^ohnwährend des Freiheitskampfes neu befestigten Vergschloß bei Karitena. Kind-heit und Jünglingsjahre verlebte Theodor K. unter dem rohen Klephtenhaufen sei-nes Vaters und nahm schon als Knabe in dessen Gefolge an jenen abenteuerlichenZügen Theil, welche ihn in kurzer Zeit mit den wichtigsten Engpässen undSchlupfwinkeln in ganz Morea bekannt machten. Die einzige Schule seiner Bisidüng waren der Klephten Leben, Kampf und Sieg, und die Tugenden, durchwelche er sich als Mann auszeichnere, waren unerschrockener Muth, große kriegeri-sche Tapferkeit, Schlauheit bei der Anlage kühner Plane, Gewandtheit bei ihrer Aus-führung, und fllbst Verschlagenheit, wenn es galt, durch List und Trug den S'eg