Kohlrausch
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die Idee aus, so müsse die echt evangelische, die urchristliche Kirchenmusik, beson-ders der Choralgesang der Gemeinde beschaffen sein. Die zuvorkommendeGüte undFreundschaft des berühmten Wiedcrherstellers der papstlichen Kapelle, des AbbateBaini, vergönnte es ihm, den Styl des Palestrina und dessen Wirkung zu studi-Nach seiner Rückkehr ins Vaterland beschäftigte ihn die Ausarbeitung einer
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Schrift nach den in Italien in ihm entstandenen Ideen und Planm, welche 182Zin Stuttgart unter dem Titel erschien: „Die Tonkunst in der Kirche, oder Ideenzu einem allgemeinen vierstimmigen Choral- und einem Figuralgesang für einenkleinern Chor, nebst Ansichten über den Zweck der Kunst im Allgemeinen". Erentwickelte hier das Bedürfniß eines Kirchengesanges, welcher das Gemüth zur.Ruhe und Freudigkeit in Gott, ohne die eS keine wahre Andacht gebe, stimmenund über den Ausdruck alles bloß individuellen Gefühls zu dem allgemeinen reli-giösen sich erheben soll: eine Allgemeinheit, die im Gesänge nur durch die höchsteEinfachheit erreicht wird, indem so viel als möglich die künstlichen Mittel vermie-den, nur die natürlichen verwendet werden. Daher ist eben der alte Kirchenstyl sonatürlich und faßlich, daß er auS wirklichen, in den diatonischen Tonarten und rei-nen Accorden gesetzten Melodien besteht und hiernach auch beim vierstimmigen Ge-sänge jede einzelne Stimme eine wahre Melodie bildet, wie sehr auch die zweite,dritte, vierte der in der ersten enthaltenen Hauptmelodie untergeordnet sein mögen.Zugleich mit der Erscheinung dieser Schrift, welche die Einführung einer zweck-mäßigen Schulbildung im Kirchengesange empfiehlt, stiftete K. den Verein fürKirchengesimg, der sich in kurzer Zeit über ganz Würtemberg verbreitet und durchdessen schönen Erfolg sich die dortige Regierung bewogen gefunden hat, den Ge-sang als Aufgabe in allen Schulen des Landes einzuführen, wodurch eben ein vier-stimmiger Choralgesang in der protestantischen Kirche erzielt werden sollte. AnK.'s Grundsatze schlössen sich zu einer gemeinschaftlichen Umarbeitung der würtem-bergischcn Kirchenchoräle die Musikdirectoren Silcher, bei der Universität zu Tü-bingen, und Frech, bei dem evangelischen Schullehrerseminarium zu Eßlingen, an,worauf denn auch bald ein neues Choralbuch für die evangelische Kirche herausge-geben ward. In den gleichfalls erschienenen Figuralgesängen für die evangelischeKirche, auf alle Sonn- und Festtage des Jahres, bezweckt K. den bewegtem Aus-bruck mannichfaltiger religiöser Empfindungen durch einen Gemeindechor, der je-boch nie den Charakter des kirchlichen Ernstes verlassen, nie sich harmonischer Kün-steleien, theatralischer Mittel bedienen darf. Durch seine Anstellung an der Haupt-kirche des Landes ist nun K- auch äußerlich in die Mitte seiner neuen Schöpfunggestellt. Daneben hat er jedoch, wie schon in seiner Schrift, so durch persönlicheWtigkcit dem Volksgesange einen lebendigen Schwung zu geben gewußt. Ergehört unter die Gründer der Liederkrän; ein Schwaben und sein jüngstes musi-kalisches Werk, vierstimmige Lieder für Liederkränze, hat alte und neue sing-bare Melodien zu volksthümlichen Texten durch den ihm eigenthümlichen klarenund lebendigen vierstimmigen Satz in den musikalischen Kreisen heimisch zumachen gesucht. Das seit mehren Jahren angeregte Interesse für Nolksgesangbat eine nationale Verbrüderung der verschiedenen Liederkränze hervorgerufenund dem vielbesuchten schönen Liederfeste zu Eßlingen seinen Ursprung gegeben.Wenn es nun, was K.'s musikalische Leistungen betrifft, nicht wol zu leugnen ist,baß darunter besonders diejenigen, welche in das Fach der Choral- und Figuralmu-uk einschlagen, durch Tüchtigkeit der Erfindung und Ausführung sich auszeichnen,so gilt von seinen Liedercomposi'tioncn als das beste Lob, daß mehre durch Wahr-st und Wohlklang bereits in Herz und Mund des Volkes den Weg gefundenhaben. ^ (.zi)
Kohlrausch (H. Friedrich Theodor), Oberschulrath und Generalinspectvraller gelehrten Schulen des Königreichs Hanover, ward am 15. Nov. 1780 zu Lan-