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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
734
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734 Kocher

ernannt. Nach dem Übergänge seines Generals in russische Dienste ward er unter be-sondere Aufsicht gestellt, verließ jedoch den Posten der Ehre nicht und fand mehrfacheGelegenheit, sich im Laufe des Feldzugs hervorzuthun. Im Feldzug 1814 war eranfangs dem Generalstad der Reiterei, später dem des Kaisers zugetheilt; hier hatteer Gelegenheit, sich unter den Augen Napoleons auszuzeichnen, der ihn auf demSchlachtfeld von Craone, wo ihm ein Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, zumBataillonschef ernannte. Bei der Restauration ward er, wie so viele seiner Ka-meraden, auf halben Sold in die Heimath entlassen. Er diente 1815 im Gene-ralstab des Grafen Beiliard, der mit der Organisirung der Moselarmee beauftragtwar. Nach der zweiten Abdankung Napoleons ward er wegen seiner politi-schen Meinungen verfolgt, aus den Listen der Arme? gestrichen und genörhigt, eineZuflucht bei dem General Iomini zu Paris zu suchen. Wahrend er bei diesemin Auruckgezogenheit lebte, sing er an mit Iomini das große Werk: „Ikzwüsde» ^uerres de 1a revolution" (5 Bde., Paris 1819 — 24) zu bearbeiten, dassie gemeinschaftlich Herausgaden, wie dies aus einer Note der letzten Lieferung her-vorgeht. In seine Stelle 1817 wieder eingesetzt, ward er im folgenden Jahre demCorps des Generalstabes zugetheilt und am 1. Dec. 1819 mit dem Vortrage derTaktik an der Applicationsschule des Generalstabes beauftragt. Allein der geist-reiche Mitarbeiter von Jommi's „iXapelät'N devaot le tribuna! de E'esar"fand sich nur mit Mühe in die engherzige Bahn der Restauration. Statt seineBeispiele aus dem Zeitalter Ludwigs XIV. und XV. zu nehmen, eröffnete er seinenZuhörern mit dem ihm eignen Feuer die glänzende Periode der jüngsten Vergan-genheit, wofür sein Vortrag, überwacht durch kleinliche Vorgesetzte, mehre Maleunterbrochen wurde. Nach dec Iuliusresolution ward er zum Oberstlieutenant er-nannt. Ihm verdankt Frankreich eine gelungene Übersetzung der Grundsatze derStrategie („l'raite de stratepsie", 3Vde, Paris 1817) vom Erzherzog Karl,welche General Iomini mit Noten bereichert hat. Seine „Memoire, sur 1a c-un-pagne de 1814" (3 Bde., Paris 1819) haben auch in Deutschland wegen ihresgediegenen RaisonnementS die gebührende Würdigung gefunden. Von 1824 —30 war K. der Hauptredacteur des „önüetin de» »ciences militaire»", wobei seinHauptaugenmerk darauf gerichtet war, die deutsche Militairliteratur in Frankreichbekannter zu machen. Die vielen von ihm geschriebenen Artikel in diesem Journalzeichnen sich durch das eigne Gepräg? seines kräftigen Geistes aus. Er gab 1832sein „Iraite de tacti^ue" (2 Bde., Paris) heraus, dessen Inhalt ihm nichtallein angehört, das er aber betrachtlich bereichert hat. (40)

Kocher (Konrad), Stiftsorganist und Director des Vereins für Kirchen-gesang in Stuttgart, ward am 16. Dec. 1786 in dem würtembergischen DorfeDizingen geboren. Um seinem frühen Triebe zur Musik folgen zu können, wid-mete er sich dem Schulstande und wanderte in seinem siebzehnten Jahre alsHauslehrer, mit 30 Gulden in der Tasche, nach Petersburg. Er hörte dortdie Meisterwerke Mozart's und Haydws, die ihn so lebhaft begeisterten, daß ernur der Tonkunst zu leben sich entschloß. Die Bekanntschaft mit Elcmenti unddessen vorzüglichen Schülern, A. Klengel und L. Berger, und deren Unterricht imElavierspiel, sowie die Anweisung des trefflichen Jean Henri Müller im Contra-punkt, waren für diesen Entschluß sehr günstig. Er kehrte in sein Vaterland zurückund componirte mehre Sonaten für das Clavier, Quartette, Lieder, mehre Opem,unter welchen zwei: „Der Käsig" und „Der Elfenkönig", in Stuttgart zur Auffüh-rung gekommen sind. K.'s Oratorium: „Der Tod Abels", dessm Ausarbeitunggleichfalls in dissse Periode fällt, wurde zuerst in Leipzig und dann auch in Stutt-gart aufgeführt. Cotta's Freigebigkeit setzte ihn darauf in den Stand sich längereZeit in Italien, namentlich in Rom, aufzuhalten. Durch die erhabene Einfach-heit des Gesanges in der päpstlichen Kapelle aufgeregt, ergriff und bildete er in sich