730 Knapp Kniaziewicz
dergestalt zur Aufsicht und Pflege übergeben, daß sie ganzlich in den Familienkreisderselben eintreten. Näheres über die Anstalt sagen die zwei Schriftchen: „DieGründung und Eröffnung der Erziehungs- und Unterrichtsanstalt in Stetten imÄiemsthale" (Tübingen 183t) und „Erster Bericht über die Erziehungs- und Un-terrichtsanstalt in Stetten u. s. w. auf den Frühling 1832" (Stuttgart 1832).Nicht aber bloß an diesem Orte haben die Grundsatze K.'s über Erziehung und Un-terricht einen auffallenden und glanzenden Erfolg gewonnen, sondern sie habenauch, wennschon langsam und unbemerkt, angefangen, auf eine vielseitigere Ge-staltung und lebendigere Bewegung des würte.ubergischen Schulwesens hinzu-wirken. (31)
Knapp (Johann), einer der berühmtesten europaischen Blumenmaler,Sohn eines armen Weingärtners zu Wien, am 5. Sept. 1778 geboren. EinSchüler Drechsler's, kam er früh in oen holländischen Garten zu Schönbrunn undunter die Leitung der beiden Freiherrn von Jacquin. Seit 1804 war er bei dengelehrten und kunstsinnigen Erzherzogen Anten und Johann angestellt und be-schäftigt. Er malte für sie eine vollständige Sammlung inländischer Schwämme,östreichischer Weintrauben, eine Uors eine große Sammlung von Rosen-
familien, zahllose Studien an Obstgattungen und exotischen Pflanzen. In Ruß-land und Polen sind die meisten Stücke von ihm, aber auch Italien, Belgien undFrankreich besitzen mehre seiner ausgezeichnetsten Arbeiten, selbst im Thierfache.Eines seiner letzten und größten Werke war eine Apotheose seines Wohlthäters,des ältern Jacquin: ein dessen Entdeckungen und Arbeiten in einem prächtigenStrauß darstellendes großes Gemälde, das auch die meisten andern nach östreichi-schen Botanikern benannten Pflanzen zeigt. (17)
Kniaziewicz (Karl), einer der berühmtesten polnischen General? derneuern Zeit, geboren 1762 in Kurland, stammte aus einer altadeligen Fa-milie LithaucnS und trat 1778 aus dem Cadettenhause zu Warschau in dasArtillcriecorps der Republik. Seine Beförderung ging nur langsam, da man injener Zeit die militairischen Grade erkaufen mußte; und erst 1784 wurde er Lieu-tenant. Während des kurzen Krieges, den die Wiedergeburt Polens 1792hervorrief, gab K. glänzende Beweise seiner Tapferkeit, und in der Schlachtbei Dubienka (17. Jul. 1792), wo Kosciuszko mitfocht, erhielt er das Rit-terkreuz „Virtutl militari" und die Zusicherung des Majorpatents; allein seinBataillon wurde in Stücken gehauen, che die Ausfertigung des Patents erfolgtwar, und K. mußte auf seinen alten Posten zurückkehren. Als 1794 Madalinskidie Fahne der Unabhängigkeit erhob, war K, damals zu Siedlce in Garnison,einer der Ersten, der sich an die Nationalarmee in Lublin anschloß. GeneralZajonczek ernannte ihn zum Ehef seims Stabes und bewirkte, daß ihn Kosciuszkonach den Schlachten von Ehelm (8. Inn. 1794) und Golkow mit dem TitelOberst begrüßte. Während die Russen und Preußen Warschau belagerten,wurde K. zum Generalmajor ernannt und führte in der unglücklichen Schlacht vonMaciejowice (10. Ort. 1794) den linken Flügel an, der am längsten Widerstandl.istete. Nur durch die erhaltene Wunde erschöpft, nicht besiegt, ergab er sich, denSäbel in der Hand, der Übermacht, und wurde zugleich mit den Generalen Siera-kowski und Kaminski nach Kiew in die Gefangenschaft abgeführt, aus welcher ihn erstder Tod der Kaiserin Katharina befreite. Er wollte nun sein Schicksal in den östrei-chisch-polnischen Provinzen betrauern, als Domdrowski's Aufruf zur Bildung pol-nischer Legionen in Italien auch ihn unter Frankreichs Fahnen rief. Zu EampoFormio 1796 dem General Bonaparte vorgestellt, erhielt er aus dessen Hand dasPatent als Befehlshaber einer besonder« Legion. Schon nach wenigen Monatenbrach der Krieg mir dem Kirchenstaate aus, als K. sich gerade zu Nimmi im Win-terquartiere befand. Sein Horhausen fand in diesem Feldzuge nur geringen Wi-