Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
729
Einzelbild herunterladen
 

Klumpp

729

Stufe der Reife (im vierzehnten Jahre) fortgeführt werden, und erst mit der dorteher möglichen Bestimmung des künftigen Berufs auch eine getrennte Richtungdes Unterrichts eintreten. Dies der wesentliche Inhalt der Schrift: „Die ge-lehrten Schulen, nach den Grundsätzen des wahren Humanismus und den Anfo-derungen der Zeit" (? Bde., Stuttgart 1329— 39), welche denn auch auf derlincn Seite großen Beifall gefunden, auf der andern starken, mitunter leidenschaft-lichen Widerspruch, namentlich von Thiersch, erfahren hat. Den Werth und dieVortheile des Humanismus hat K. keineswegs verkannt, wol aber die Einseitigkeitund die schwerfällige Methode des-.lben mit Recht rücksichtslos gerügt, und nach-gewiesen, wie der elementarifche Unterricht zweckmäßiger angeordnet und bei allerEinfachheit doch gleich von vorn herein das Wissen vielseitiger und vollständigereingeleitet werden könne. ( Vergl. Gyinnasialwesen.) Eine merkwürdigeThatsache bestätigte bald den tiefen Eindruck, den er überall mit dieser Theorie her-vorgebracht hatte. Was ihm seit langer Zeit als ein bei der Unzulänglichkeit feinetMittel unausführbarer Traum — obgleich bereits vor 16 Jahren mit einemFreunde besprochen — vor der Seele gestanden, trat unerwartet schnell undglücklich ins Leben. Zwei unternehmenden Männern, dem würtemdcrgischen Hof-kimeralvcrwalter Wiebelsheim und den» Pfarrer Klaiber, früher Professor derTheologie in Tübingen, wurde von dem Könige von Würtemberg das Lustschloßzu Stetten, drei Stunden von Stuttgart, in einem der lieblichsten Winkel desRcmsthales, für eine Erziehungs- und Unterrichtsanftalt nach K.'s Grundsätzenzu unentgeltlicher Benutzung eingeräumt, und bei der Stiftungsfeier im Mai1831 waren ihnen bereits 54 Zöglinge vertrauensvoll übergeben, deren Zahl sichnun auf 190 vermehrt hat, aber nun auch nicht mehr erweitert »Verden soll. K.istMitvorftand und hat die vorzugsweise Leitung des Unterrichts übernommen.Die Lehrer der Anstalt, jetzt 13, sind zugleich Erzieher und in dieser doppeltenHinsicht durch gleiche Stimme bei Berathungen und Entscheidungen den Vorste-hern gleich und, worin wol eine Hauptgarantie liegt, durch das Recht einer ent-scheidenden Stimme bei Aufnahme oder Entlassung eines Lehrers nicht nur inihrer äußeren Stellung gewahrt, sondern was noch wichtiger ist, in ihrem collegia-lischen Verhältniß gesichert. Die Bestimmung der Anstalt ist dahin ausgesprochen,Zöglinge vom sechsten bis achtzehnten Lebensjahre für jeden Beruf vorzubereiten.Bis zum dreizehnten oder vierzehnten Jahre ist der Unterricht ein allgemeiner linddeswegen gemeinschaftlicher, nach den oben ausgesprochenen Grundsätzen, wobeidie Zöglinge in zwei Hauptftufcn hinsichtlich des Unterrichts sowol als der körper-lichen und sittlichen Ausbildung und Behandlung zerfallen: den Elementarcursussvom sechsten bis zehnten) und den mittlem Cursus (vom zehnten bis vierzehntenJahre), den man nach dem in ihm beginnenden Unterricht in den fremden Sprachenauch den Sprachencursus nennt. Vorn vierzehnten Jahre an theilt sich der Unter-licht in zwei Hauptrichtungen, die humanistische und realistische, in deren erstemdas Studium der alten klassischen Literatur mit angemessenem mathematischen,historischen und philosophischen Unterrichte, in der zweiten die mathematisch-natur-historischen Wissenschaften nebst den neuem Sprachen die Grundlage bilden. Diefremden Sprachen werden erst mit dem zehnten Jahre angefangen, aber durch An-wendung der bereits bewahrten Hamilton'schen Methode schneller als bei der sonst>n den Schulen gewöhnlichen und ebenso gründlich gefördert. Die Erziehung istsittlich auf der Grundlage des christlichen Princips; daher körperliche Strafen nurw Notfällen, auf conventlichen Beschluß, angewendet werden; keine Prämien,keine Location u. f. w. Die Frauen der Lehrer und weibliche Angestellte nehmenHs der körperlichen Erziehung und Pflege Antheil, und die jüngste Abtheilung derZöglinge, die derselben am meisten bedarf, ist einer Lehrerfamilie, für weiche des-wegen ein eignes Stockwerk auf einem Theil des Schlosses aufgeführt worden ist,

W

UWM