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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
721
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Kleinkinderschulen 721

ttl einiges Spielzeug und andere Gegenstände zur Unterhaltung. Was nun dasäußere und innere Leben der Bcwahrschulen anbelangt, so haben die Altern das indie Anstalt aufgenommene Kind reinlich gekleidet und mit den nöthigen Lebens-mitteln versehen zur bestimmten Stunde zu überbringen und wieder abzuholen.Sind die Kinder am Morgen versammelt, so spricht die Vorsteherin, nachdem dieKleinsten der Störung wegen entfernt worden sind, ein Morgengebet, an welchessich nolhwendige Ermahnungen anschließen. Die Kleinern werden den Kinder,mädchen zur Wartung übergeben, die Großem beginnen zu spielen und werdentheils durch die Vorsteherin, cheils durch die Kindermädchen unterhalten. Spätercrhaltm sie ihr Frühstück, nachher erscheint der L.hrer, nicht um sie zu unterrichten,sondern um spielend mit ihnen sich zu unterhalten. Er erzählt ihnen biblischeGeschichten; sagt ihnen ein Verschen vor, um ihr religiöses Gefühl zu wecken; übtsie in deutlichen und richtigen Antworten; sucht ihre Sinne zu scharfen, ihre Denk-krastzu üben, ihr Gemüth für das Gute empfanglich zu machen, sie an Ordnungzu gewöhnen; nimmt überhaupt in gewisser Aufeinanderfolge alles Das mit ihnenvor, wodurch sie zweckmäßig für die Schule vorbereitet weroen. Nach seiner Ent-fernung gehen die Kinder wieder an ihre Spiele, kommen kurz vor 12 Uhr, nach-dem sie sich rein gewaschen haben, in dm größern Saal, wo ihnen die mitgebrach-ten Lebensmittel verabreicht werden. Wie am Morgen, so werden die Kinder aucham Nachmittag beschäftigt und am Abende, nachdem sie alle ihre Spielsachen undGeräthschaften nn die gehörige Stelle gebracht haben, mit einem herzlichen Ge-bete den Ihrigen zurückgegeben. Leicht aber können Vewahrschulm gemisbrauchtwerden, wenn sie gewissenlose Menschen als halbe Findelhauser betrachten, durchdie sie des größten AHeils der Fürsorge für die Kinder überhoben werden. Deshalbmuß man es für eine sehr weise Einrichtung in England erachten, in denen dieAltem zu einem wöchentlichen, wenn auch geringen, Beitrage für die in die Klcin-kindttschulen aufgenommenen Kleinen verpflichtet sind. Indem man die Zweckmä-ßigkeit dieser Anordnung anerkannte, fand sie auch in Sachsen Nachahmung, woz B. in Freiberg die Altern für ein Kind wöchentlich ein bis zwei Groschen bezahlen.

Die Idee einer Bewahrschule für kleine Kinder zuerst verwirklicht zu haben,ist Deutschlands Nuhm. Es war die hochherzige Ffan, die verstorbene FürstinPauline von Lippe-Detmold, welche schon 1802 zu Detmold die erste Pfleqanstaltfür Kinder von 1 bis 4 Iahren errichtete und so ausstattete, daß sie noch jetzt be-sonders für die Kinder der ärmsten Classe von großem Segen ist. Bergt. Krücke,„Uber den Zweck und die Einrichtung der Pfleganstalt zu Detmold" (Lemgo 1313).Lange blieb dieses Institut das einzige in seiner Art, ungeachtet sowol wahrenddes französischen Kriegs als unmittelbar nach Beendigung desselben wegen der gro-

Anzahl kleiner vater- und mutterlosen Waisen das Bedürfniß von Bewahr-schulen deutlich hervortreten mußte. Erst 1819 ward durch den bekannten Men-schenfreund und Wohlthater, den nunmehr verstorbenen Professor Wadzeck in Ber-ün, eine der detmoldischen ähnliche Pflcgeanstalt für Kinder von 4 bis 5 Jahren inBerlin errichtet und wirk noch jetzt erfreulich. Um dieselbe Zeit gründete man auchEngland Kleinkinderschulen, für welche die 1819 vorzüglich durch Brougham's'"'füge Bemühungen gestiftete Anstalt in Westminster ein Muster wurde. Zwarbatte es schon früher in kleinen und selbst größern Städten Englands, sogenannte^Oberschulen (Oume schau!-) gegeben, wo die Kinder der Armen gegen eine ge-""ge wöchentliche Vergütung unter der Obhut einer alten Frau gegen Schaden^rwahrtwurden, jedoch ohne auf geistige und sittlicheErweckung Rücksicht zu nehmen,'^cr das nächste Muster der englischen Kleinkinderschulen war die, von dem men-^nfreundlichcn Robert Owen in seiner, zu New-Lanark in Schottland seit 1800gründeten großen Manufactur eingerichtete Psteganstalt für Kleinkinder die erste.

Nation interessirte sich so lebhast für die Sache, baß bis jetzt schon mehr denn" eav.-Lex. ne-ixsten fielt und Literatur. II. 41)