72V Kleinkinderschulen
Krankenanstalten aus Barmherzigkeit bewahren und heilen muß, wie viel wenigerkleine und große Verbrecher werden die Zucht- und Strafhauser aufzunehmen H.I-bcn, um sie zu bessern oder für die menschliche Gesellschaft unschädlich zu machen.Um das Geschlecht, welches nach uns kommt, von allen den Übeln zu erlösen, diedurch vernachlässigte Erziehung es bedrohen, sind die Bewahranstalten das zuver-' lässigste Mittel. „Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen", sprach der gött-liche Menschenfreund, „der nimmt mich auf, und was ihr gethan habt Einem un-ter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan." Nun wahrlich,richtiger und großartiger können diese herrlichen Worte nicht aufgefaßt werden, als sieaufgefaßt zu haben die Menschheit durch Stiftung von Kleinkinderschulen beweist.
Zn Hinsicht des Alters sowol der in die Bewahrschulen aufzunehmenden, alsder zu entlassenden Kinder sind die Bestimmungen sehr verschieden, indem in Deutsch-land und Frankreich, in einigen Kinder von 4 bis 5, in andern von L bis 4, in nochandern von 1? bis 5, in England in der Regel von 2 bis 6 und in Ostreich von 2bis 7 Jahren aufbewahrt werden. Doch ist man im Allgemeinen der richtigen An-sicht, daß Kinder, welche das vierte Lebensjahr zurückgelegt haben, nicht aufzunehmenseien. Die verschiedenen Bestimmungen hinsichtlich des Alters der Zöglinge in denBewahrschulen geben auch die Veranlassung zu verschiedenartigen Benennungen.Es nannten sich diejenigen Anstalten, welche die Kinder sehr jung aufnahmen undzeitig wieder zurückgaben, Kinderpfleganstalten; die, welche sie etwas länger be-hielten, Bewahr- und Beschäftigungsanftalten; diejenigen endlich, welche sie erstim schon schulfähigen Alter entließen, Kleinkinderschulen. Wenn man für Kindervon 2 bis 6 Jahren diese Anstalten am zweckmäßigsten erachten muß, so dürfte un-streitig der Name Bewahrschulen, der auch schon in manchen Gegenden üblich ist,der entsprechendste sein, indem er sowol den Begriff der geistigen und körperlichenFürsorge', als den der frühzeitigen Entwickelung -und Bildung des Kindes in sichschließt, denn der übrigens auch nicht unangemessene Name Kleinkinderschulengibt sehr leicht zu einer schiefen Ansicht von der Sache Anlaß, indem man nachder gewöhnlichen Erscheinung unter Schule nichts Anderes denkt als eine Lern-anstalt. Die Einrichtung der Bewahrschulen ist zwar durchgehend von der Locali-tät abhängig; allein sollen sie ihrem Zwecke ganz entsprechen, so sind, was dasPersonale anbetrifft, eine Vorsteherin, einige Gehülsinnen und ein Lehrer unum-gänglich nothwendig. Zur Vorsteherin dürfte sich am besten eine gewissenhafte,noch rüstige Witwe eignen, welche die ihr anvertrauten Kleinen mit mütterlicherZärtlichkeit zu behandeln, die als Gehülsinnen ihr beigegebenen Mädchen zweck-mäßig zu unterweisen und das Ganze mit Umsicht zu leiten versteht. Männer,wie es vornehmlich in England Sitte ist, dürften sich weniger zu Vorstehern eig-nen. Die Gehülsinnen sind aus der Zahl derjenigen Mädchen, welche als Kinder-mädchen in den Bewahrschulen sich auszubilden wünschen, mit Sorgfalt auszu-wählen. Ihr Geschäft ist, die Kleinsten zu warten und die Größern zu unterhalten.Zum Lehrer endlich, der sich Früh und Nachmittags etwa eine Stunde lang mitden schon erwachsenen Kindern zu unterhalten hat, ist ein Mann nothwendig, derin des Kindes kindlichen Sinn einzugehen und den schlummernden Verstand all-mälig zu wecken versteht. An Räumen dürften zwei größere Stuben und einSpielplatz nöthig sein. In der einen Stube befinden sich die Kleinen, welche nurdie Wartung und Unterhaltung der Kindermädchen bedürfen, in der andern dieGrößern, welche an den Unterhaltungen des Lehrers Antheil nehmen. In ihnenhalten sich jedoch die Kinder nur bei übler Witterung und während der Anwesenheitdes Lehrers auf; außerdem sind sie auf dem Spielplatze, der befriedigt, festgecam-melt und mit Kies überstreut werden muß. Als unentbehrliche Geräthe sind zubetrachten eine große Nuhematte für die ermüdeten Kleinen, ein Bchältniß ineiner Kammer zur Aufbewahrung der von den Kindern mitgebrachten Lebensmit-