Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
717
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Klemkinderschulcn 7! 7

sie bei Entfernung der Altern preisgegeben sind. „Hier", sagt Dohner in seinerSchrift: „Uber Bewahr- und Beschäftigungsanstalten", „gibt man ihnen Schlaf-pulver und macht sie dadurch dumm, oder sperrt sie ein und setzt die hülslo-sen ein - bis zweijährigen Geschöpfe nicht zu übersehenden Gefahren aus, dortheißt man die etwas Größern sich auf den Straßen herumtreiben und legt bei ihnendadurch den Grund zum Müssiggang, zur Arbeitsscheu, Bettelei und Dieberei;hier übergibt man sie einer durch ihr Alter mürrisch und launenhaft gewordenenFrau oder pfercht sie in die vielleicht schon von Kindern angefüllte Stube eines Ver-wandten oder Nachbars ein, unbekümmert um die dort herrschende Unreinlichkeit, so-wie um das verderbliche Gift, das Schamlosigkeit, Roheit und Sittenlosigkeit allerArt in das zarte Gemüth pflanzen; dort überlaßt man sie der Aussicht und Wartungalterer, die Schule versäumender, Geschwister, die zum Theil dieser Wartung selbstnoch bedürfen und wenigstens nicht geschickt sind, das leibliche und geistige Wohlder ihnen übergebenen Kleinen wahrzunehmen. Das ist der Erfahrung zufolge dasgewöhnliche Loos aller' noch kleinen Kinder armer Altern aus den Niedern Volks-classen, wenn diese ihrem Erwerb nachgehen und von ihrer Seite sich entfernenmüssen; das ist die Weise, auf welche sie ihre Kinder dann unterbringen und be-aufsichtigen lassen." Mag nun auch das Schicksal der Kleinen aus den MittlernStanden erträglicher sein, so ist es doch nicht viel besser; hier verhindert häuslicheArbeit und Geschäfte, dort gänzliche Unwissenheit und Unbeholfenhekt, hier Träg-heit, dort Gleichgültigkeit an der gehörigen Aufsicht über ihre Kinder; die mei-sten Altern aber werden durch übertriebene Vergnügungssucht abgehalten, derheiligen Pflicht der Kindererziehung nachzukommen. Und welches ist das gewöhn-liche Loos der Vornehmen und Reichen in ihrer frühesten Jugend? Von der Mut-terbrust auf unnatürliche Weise verstoßen, saugen sie schon mit der stiefmütterlichenMilch Charakterlosigkeit, geistige Beschränkheit, sklavischen Sinn und alle dieGemeinheiten ein, welche dann mehr oder minder in den Kinderstuben roher Wär-terinnen und in der Umgebung des gemeinsten Pöbels tiefere Wurzel schlagen.Junge Baume werden von ihrem ersten Hervorsprossen an, damit sie gedeihen, sorg-sam gepflegt und durch Umfriedigung vor Beschädigung verwahrt, und das Kindsoll in seiner frühesten Periode dieser Sorge entbehren und jedem schädlichen Ein-flüsse preisgegeben sein? Jung zieht man den Baum, damit er schlank emporwachse,denn einmal verkrüppelt achtet man das Bemühen, ihn wieder gerad zu ziehen, höchstschwierig und meist vergeblich, und beim Kinde soll die Erziehung erst beginnen,wenn es an Körper und Geist krank, an Verstand und Willen verdorben und anSitten und Gewohnheiten verwahrlost ist? Thörichter, verderblicher Wahn, daßder vergiftete Keim wieder gesunden könne und daß in der kurzen Zeit des Schul-unterrichts physische und moralische Verderbtheit gehoben werde. Es ist keinemZweifel unterworfen, daß in der gewissenlos vernachlässigten frühesten Erziehungder Hauptgrund des sittlichen Verderbens unter den Menschen zu suchen sei. Fastdurchgehend unerfreulich ist das Resultat, welches der aufmerksame Beobachterfindet, wenn er den Menschen in den verschiedenen Verhältnissen des Lebens alsMensch betrachtet. An die Stelle der Sittenreinheit, des Edelsinns, der Charak-terstärke, der Freundschaft und der Liebe sind sittliche Verderbniß und namentlichnn überwiegender Hang zur Sinnlichkeit, Gemeinheit, Wankelmuth, Eigennutz undf-itelkeit getreten; das Laster selbst umgibt sich mit dem Scheine der Heiligkeit,und manche ehrwürdige, schöne Tugend muß sich verspottet sehen. Um die Mensch-heit dahin zu bringen, daß sie den Platz, welchen sie in der Schöpfung einnimmt,.immer würdiger behauptet, sind die Bewahranstalten der geeignetste Weg, denn>>e bewahren die Kinder und diese werden nach uns das Volk sein.

Mag nun auch durch die Einrichtung von Klcinkindertchulen das Ideal einerurckgehends zweckmäßigen Kindererziehung noch nicht erreicht werden, mögen auch