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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
718
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Kleinkinderschulen

die erkannten Mangel und Übel der gewöhnlichen Erziehungsweise durch sie nichtalle gehoben und beseitigt werden, so laßt sich doch, wenn sie allgemeinen Einganggefunden haben werden, von ihnen unendlich viel Gutes hoffen. Bei der Wich-tigkeit und Neuheit der Sache können wir nicht umhin den Nutzen derselben kurzunter den zuerst und am auffallendsten sich darbietenden Gesichtspunkten zu be-trachten. Am segensreichsten bewahrt sich natürlich die Kleinkinderschule in Be-ziehung auf ihren ersten Zweck, nämlich die darin aufgenommenen Kinder, in-dem sie dieselben gegen die zahllosen Gefahren, welche in der frühesten Jugendihren Körper und Geist bedrohen, bewahrt, von physischen und geistigen Gebrechenmöglichst heilt, durch Beschäftigung, Unterhaltung und Unterricht naturgemäßentwickelt und ausbildet, für alles Gute und Schöne empfänglich macht, denSinn für Tugend und Sittlichkeit früh in ihnen begründet und zur Schule siewohl vorbereitet. Nicht minder segensreich ist die Errichtung der Kleinkinderschu-len zunächst für die Altern, denn das unschuldsvslle Wesen der Kinder, ihre Sit-tenrcinheit und alle die Tugenden, die sich früh äußern, werden höchst vortheil-haft auf die Altern zurückwirken. Off wird das beziehungslose Wort des ge-schwätzigen Kindes in dem Herzen der Altern einen bessern Anklang finden, alsdie stundenlange Predigt des ausgezeichnetsten Kanzelredners, denn durch die Kin-der ist der sicherste Weg zu den Herzen der Altern. Die Reinlichkeit, welche in denBewahranstalten nothwendig Erfoderniß ist, wird auf manche Mutter, die früherihre Kinder in dieser Beziehung auf das Unverantwortlichste vernachlässigte, denwohlthätigsten Einfluß äußern; wenn auch ärmlich gekleidet, so wird sie sich dochbemühen, reinlich ihr Kind der Anstalt zu übergeben. Durch diese Anstalten erstwird es den Altern aus der armen Classe, und diese ist die zahlreichste, welche vonihrer Hände Arbeit leben, möglich, unbesorgt ihren Arbeiten außer dem Hause ob-zuliegen, denn sie wissen ihre Kinder in den besten Händen, während sie sonst mitschwerem Herzen dieselben am Morgen ihrem Schicksale überlassen mußten, undwegen der Gefahren, denen sie die Kleinen preisgegeben wußten, bis zur Rückkehrsich ängstigten und nur mit getheilter Aufmerksamkeit bei ihrer Arbeit waren. Aberauch für die Altern, die ihr Brot nicht außer dem Hause zu verdienen haben, be-währt sich diese Einrichtung als ganz trefflich, denn durch die Ungezogenheiten der Kin-der nicht mehr schmerzlich berührt und verdrüßlich gemacht, aller Sorge für ihrWohl enthoben, können sie nun viel freudiger und ungestörter ihre Arbeiten undGeschäfte verrichten. Von großem Nutzen sind die Bewahrschulen serner sowolfür die ganz kleinen Geschwister, indem diese durch das Lärmen uwd Schreien derGrößern in ihrer allmäligen Entwickelung, zu welcher sie der Ruhe bedürfen, nichtmehr gehindert werden und der ungeteilten Aufmerksamkeit der Mutter sich zu er-freuen haben, als auch für die ältern Geschwister. Diese werden dadurch der War-tung der Kleinern, die für sie schädlich und für diese gefährlich war, überhoben, nichtmehr von der Schule abgehalten, deren die Niedern Classen, wo die häusliche Er-ziehung eher störend als fördernd auf die Bestrebungen und Zwecke der Schulewirkt, so sehr bedürfen, durch die zeitige Entwickelung der Kleinen zu größerm Fieißeund höherer Sittlichkeit angespornt und gewinnen Zeit, zur Unterstützung der Mut-ter manche häusliche Geschäfte zu verrichten. Wenn schon dadurch die Kleinkinder-schulen vortheilhaft auf die Mittlern und höhern Stände wirken, daß sie sich ange-spornt fühlten, der Erziehung ihrer Kinder größere Aufmerksamkeit zu widmen, sokönnte für jene noch ungleich größerer Nutzen hervorgehen, wenn diese AnstaltenBildungsschulen zugleich für junge Kinderwärterinnen würden. Diese Mädchenfände.: hier unter Leitung und Aufsicht einer erfahrenen Lehrerin die bequemste Ge-legenheit, das Kinderwarten praktisch zu erlernen und zu guten und tüchtigen Kin-dermädchen sich zu bilden. Dadurch würde dem Mangel dieser Elasse dienenderPersonen, der für die Jugend der Reichen und Vornehmen von so höchst nachthe'-

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