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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
716
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716 Kleinkinderschulen

pfungen stand, aufführten. Dasselbe geschah in Köln in den erhabenen Hailmdes Doms. Möchten die Hinterbliebenen durch Herausgabe seiner nachgelassenenPartituren, namentlich der „Jephta", des „David" und der Oper „Dido", dieunschätzbare Verlassenschaft seines Ruhmes vermehren! — Absichtlich haben wirdies muß bemerkt werden, in dem biographischen Artikel nichts geändert, sondernihn genau so gelassen, wie er dem Lebenden zu Gesicht gekommen sel-n würde;denn auf Urtheile, die für ein Werk bestimmt sind, welches sich den dauernden zu-zählen wird, darf selbst das bekannte und vielfach gemisbcauchte „De morwis nilnisi bene" keinen Einfluß üben. (20)

Kleinkinderschulen, Bewahranstalten für noch nicht schulfähige Kin-der dürftiger Altern, zogen in der neuesten Zeit als ein für das Wohl der gesummtenMenschheit hochwichtiger Gegenstand, fast die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich.Wie so manche andere Erscheinung, so bezeugen auch diese Anstalten ein erfreu-liches Fortschreiten der Zeit und könnten zugleich einen Beweis dafür abgeben, daßdas gegenwärtige Geschlecht einen viel richtigem Blick habe und die Sache vieltiefer ausfaßte, als die vorhergehenden. So^st war man nur darauf bedacht, ver-wahrloste Kindererziehung in ihren Folgen so unschädlich als möglich zu machen,und richtete aus diesem Grunde nicht ohne bedeutenden Aufwand Straf- undZuchthäuser, Kranken- und Irrenanstalten ein, wo nur irgend ein taugliches Ge-bäude zu finden war, um in den erstem ergraute Bösewichter für die menschlicheGesellschaft unschädlich zu machen, in die letztern körperlich und geistig Zerrüttetemitleidig auszunehmen. Zwar taufte man später hier und da die Zuchthäuser umund nannte sie Correctionshäuser, ohne aber etwas zu thun, um den durch denNamen angedeuteten Zweck zu erreichen; sie waren und blieben Corruptionshäu-ser, in denen der»Verbrecher aus Leichtsinn in der Regel Anweisung erhielt, um nachseiner Freilassung das Verbrechen systematisch zu betreiben. In neuerer Zeit gingman schon einige Schritte weiter auf dem richtigen Wege, man suchte die verwahr-loste Jugend zu bessern, gründete, wie dies in Dresden, Berlin, Zeitz und an-derwärts geschah, einige Besserungsanstalten und Correctionsschulen für die ver-wilderte Jugend und bemühte sich durch Unterricht und Zucht, was Verführungund vernachlässigte Erziehung verdorben hatten, mühsam und mit geringem Erfolgewieder gut zu machen. Bald ging man noch weiter, man glaubte sich auch derKinder annehmen zu müssen, die auf dem Wege waren verführt zu werden, aberwas that man, um sie zu retten? Sie wurden mit jenen jungen Bösewichtern ineine Elaste geworfen, in die Corcectionsanstalten eingesperrt, ohne daß man imGeringsten des alten Spruches gedacht hätte: Schlechte Gesellschaften verderbengute Sitten. Ungeachtet früherer Anregungen durch Einzelne faßte erst die neuesteZeit die Sache aus dem richtigen Gesichtpunkte, suchte die Quelle der sittlichenVerwilderung auf und erkannte die Nothwendigkeit, die zarte, noch unverdorbeneJugend in eignen Anstalten vor Verwahrlosung zu bewahren.

Die erste Lebensperiode ist von der entschiedensten Wichtigkeit für das ganzephysische und moralische Leben des Menschen. Die früheste Jugend ist gleichsamder Keim des Lebens, der, wenn er sich naturgemäß entwickeln soll, der sorglichstenPflege bedarf. Ungeachtet schon vor Jahrtaufenden bei Persern, Spartanern undandern gebildeten Völkern des grauen Alterthums die Kindererziehung als die wich-tigste Staatsangelegenheit behandelt wurde, und umsichtige, tiefblickende Männeraller Jahrhunderte auf die Wichtigkeit der Erziehung der Jugend in den ersten Le-bensjahren aufmerksam machten, so finden wir doch durchgehends im Leben dieschlagendsten Beweise, wie auffallend gerade das früheste Jugendalter bisher ver-nachlässigt ward, und nicht etwa bloß unter der Niedern und mittlem Volksclasse,sondern namentlich auch unter den Reichen und Vornehmen. Traurig und höchstbeklageuswerth ist das Loos der kleinen Kinder aus den Niedern Volksclassen, dem