Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
708
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Kieser

Kirchenzeitungen

noch bekleidet. Früher hatte er verschiedene Rufe an deutsche Universitäten, nachHalle, Göttingen und Berlin, erhalten. Unter seinen wenigen gedruckten Schriftensind die chemischen Analysen einiger Mineralwasser, namentlich des stachelbergerSchwefelwassers, auszuzeichnen. Der Wunsch, daß seine Manuscrkpte dem Druckeübergaben werden möchten, der bei seiner Versetzung nach Stuttgart selbst höhernOrtes geäußert worden sein soll, darf immer noch wiederholt werden; denn wieweit auch die Wissenschast in einem Zeiträume von 16 Jahren vorgeschrittensein mag, sodaß K.'s Vortrage in ihrer ursprünglichen Form nicht als Darstellungdes gegenwartigen Standes der Wissenschaft, namentlich der Chemie, dienen kön-nen, so würde dennoch ihre Bekanntmachung ein bisher Vielen nicht zuganglichesLicht über die meisten Zweige der Naturwissenschaft verbreiten und für die Bear-beitung derselben, sowie selbst der Heilkunde, einen noch nicht genug genutzten Maß-stab und eine sichere und umfassende Methode gewähren. (43)

Kieser (Dietrich Georg), ordentlicher Professor der Medicin an der Uni-versität zu Jena, sachsen-weimarischer geheimer Hofrath, ist zu Harburg im Lünc-burgischen den 24. Aug. 1779 geboren, studirte zu Göttingen und Würzburg,prakticirte seit 1861 zu Winsen an der Lühe und seit 1806 zu Northeim bei Göt-tingen, wo er als Armenarzt und Stadtphysikus bis 1812 verweilte. Er ver-dankte es der Nahe der Universität Göttingen, die ihn in steten Umgang mitOken, Himly und andern ausgezeichneten Mannern brachte, daß er nicht wie vieleseiner Zeitgenossen im Strudel des praktischen arztlichen Lebens unterging, sonderndie Wissenschast im Auge behielt. Die Früchte seiner Studien und Untersuchun-gen sind wichtige Beitrage zur Entwickelungsgeschichte mchrer Organe, seine miteinem Preise gekrönte Schrift: „Über die Natur, Ursachen, Kennzeichen und Hei-lung des schwarzen Staars" (Göttingen 1810), und seine „Aphorismen aus derPhysiologie der Pflanzen" (Göttingen 1808). 1812 ward er Professor in Jenaund 1813 Brunnenarzt zu Berka. Er errichtete 1814 ein reitendes Studenten-corps, an dessen Spitze er als Freiwilliger mit den weimarischen Truppen gegenFrankreich zog; dagegen diente er 1815 als Oberarzt bei der preußischen Armeeund dirigirte Spitaler zu Lüttich und Versailles. Nach dem Feldzuge kehrte er nachJena zurück, wo er sehr bald einen großen Kreis von Zuhörern um sich versammelte,die seine Vorlesungen über Medicin um so begieriger hörten, je anziehender seinVortrag und je einschmeichelnder die naturphilosophische Idee war, die er in derMedicin darzustellen sich gefiel, wie er sie auch in seinem „System der Medicin"(erster und zweiter Band, Halle 1817—19) dargelegt hat. Ein tieferes Ein-dringen in das Wesen des thierischen Magnetismus war längere Zeit für K. eineHauptaufgabe seiner Forschungen, und er widmete deshalb diesem Gegenstande inVerbindung mit Nasse, Eschenmayer und Nees von Esenbeck eine eigne Zeit-schrift: „Archiv für den thierischen Magnetismus" (Altenburg, Halle und Leipzig,9 Bde., 1817 — 21), und ein ausführliches Werk: „System des Tellurismusoder thierischen Magnetismus" (2 Bde., Leipzig 1821). Merkwürdig ist es,daß derselbe Mann spater mit Eifer ein orthopädisches Institut errichtete, welchesnach der Aussage der Sachkenner Vorzügliches leistet. K. ist einer der vorzüglich-sten ärztlichen Denker unserer Zeit. Zum weimarischcn Landtag 1832 ward ervon der Universität zum Abgeordneten erwählt, nachdem Luden die Wahl abge-lehnt hatte. (2)

Kirche nzeitungen, Zeitungen, in welchen ausschließend die Ange-legenheiten der Kirche abgehandelt werden, begründet zu haben, ist der Ruhm derneucrn Z it. Wie in Hinsicht auf Staatsangelegenheiten, ward auch in Beziehungauf die Kirche in frühern Zeiten Alles, was man zu veröffentlichen wünschte, inbesondern Schriftchen, die oft nur in einem einzigen Quartblatte bestanden, ver-handelt. Dies der Grund der unzahligen kleinen Schriften, welche zur Zeit der