chungen war, trotz der Menge von Einzelheiten, die sein Geist umfaßte, doch ge-wöhnlich eine Idee.
All Dieses gilt insbesondere in Beziehung auf die von K. zuerst in dieser Aus-dehnung behandelte allgemeine Chemie und die Chemie der unwägbaren Stoffe.Die Lehre von den Größen der Affinität und den Verhältnissen, in welchen sich dieverschiedenen Stoffe verbinden, könnte wol als theoretische Grundlage der Lehrevon den chemischen Proportionen und Äquivalenten angesehen werden, und dieChemie der unwägbaren Stoffe, Licht, Wärme, Elektricität, Magnetismus, zuwelchen er noch problematisch die Materie des Geruchs, des Geschmacks, desSchalls und das organisirende Fluidum setzte, schloß sich zugleich an seine Unter-suchungen über die lebende Natur an. Er wies in den Erscheinungen dieser in-ponderabeln Stoffe die Wirkung einer nach Polen agirenden Kraft nach, die sichebenso auch in den Erscheinungen der organischen Welt und insbesondere in denBildungserscheinungen zu erkennen gab. Namentlich führte er die Ähnlichkeitenund Verschiedenheiten der anorganischen Körper von den organischen und der orga-nischen Körper unter einander in dem Vortrage über die Physik der organischen Körperst805—6)aus; dieser Vortrag enthielt gleichsam das gedrängte Resultat seinerVortrage über Zoologie, vergleichende Anatomie und Pflanzenphysiologie. Letztereschien mit besonderer Vorliebe behandelt und scheint noch immer unübertroffen;sie entsprach wol überhaupt seinem Gemüthe am meisten. Seine Vorlesungenüber Zoologie und vergleichende Anatomie, deren Wiedererwecker er genannt zuwerden verdient, enthalten zugleich eine vollständige vergleichende Physiologie.Die Demonstrationen, durch welche er seine Vorlesungen erläuterte, hatten mehrdie Übung der Schüler als die Verständigung und Bestätigung der Vorträgezum Zwecke; K. war vielmehr berufen, in einer Zeit, in der die Wissenschaft alsIdeal eines geistigen Lebens glänzte und auf Universitäten nicht bloß als Hülfsmit-tel für das praktische Leben gepflegt wurde, eine große Anzahl von Schülern.für dieWissenschaft zu begeistern und ihnen zugleich mit dem Positiven derselben die for-melle Bildung zu verschassen, durch welche sie für die weitere Ausbildung der ver-schiedenen Zweige der Naturwissenschaft selbstthätig sein sollten. So sind dennnicht nur aus seiner Schule ausgezeichnete Männer, wie Autenrieth, die beidenGmelin, Schübler und Andere in Tübingen, Gmelin in Heidelberg, Pfass in Kiel,beide Jäger in Stuttgart, Pfass in Erlangen, Schnurrer in Wiesbaden und An-dere hervorgegangen, sondern man wird auch nicht leicht ein Land finden, in wel-chem in Beziehung auf die Vorwissenschaften gebildetere Ärzte anzutreffen wärenM in Würtemberg. Der Schule, welche K. aus der Karlsakademie und in Tü-bingen gebildet hatte, und zu der sich ein Cuvier, dessen Mitschüler und Lehrer K.gewesen und dessen lebenslänglicher Freund er blieb, schlössen sich bald auch Lehrerund Gelehrte vom ersten Range an. Alexander von Humboldt widmete ihm seine^Beiträge zur Zoologie" als „dem ersten Physiologen Deutschlands" und Göthebewarb sich um eine Abschrift seiner Vorlesungen über Pflanzenphysiologie und umble Handschrift des kongenialen Mannes. Eine große Zahl von gelehrten Gesell-chchen und Akademien, darunter das Institut von Frankreich, bezeigte K. ihrePachtung durch Übersendung von Diplomen, namentlich erkannte die kaiserl.Akademie der Naturforscher seinen Werth auf eine sehr sinnige Weise, indem sie' ^ den Namen Orion beilegte und dadurch auf die Beschäftigung mit der Jagd an-heile, der er sich widmen sollte und die er auf den Ruf seines Wohlthäters, desHerzogs Karl von Würtemberg, verließ, um als ein glänzendes Gestirn am wissen-tlichen Himmel zu leuchten. K.'s akademische Thatigkeit dauerte bis 1817,luuh Stuttgart berufen ward, und mit dem Titel und Rang eines Staats-'^hs die Direktion der öffentlichen wissenschaftlichen Sammlungen, sowie der"'bl- Pn'vatbibliothck und des botanischen Gartens erbielt, eine Stelle, die er
45*