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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
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709
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Kirchenzeitungen

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Reformation und der in Folge derselben entstandenen kirchlichen Streitigkeitenin Umlauf gefetzt wurden. Wenn aber die Kirche erst spat das Bcdürsniß einesöffentlichen Sprechsaales fühlte, so mag man die Ursache davon wol nicht mit Un-recht in der Stellung suchen, welche sie sich im Staate anwies, oder die ihr vomStaate angewiesen wurde. Der westfälische Friede hatte den blutigen Kampf derbeiden christlichen Hauptparteien beendet, Vertrage sicherten ihre gegenseitigenRechte, beide Parteien sehnten sich nach Ruhe und aller Streit hatte ein Ende.Die römische Kirche suchte ihre gefährdete Selbständigkeit im Staate durch dasAufrechthalten des alten hierarchischen Grundsatzes zu retten, daß in Sachen derKirche Niemand zu reden hat als der Geistliche, und daß dieser nichts reden darf,was des Papstes Satzungen zuwider ist. Um selbständig zu erscheinen, wollte dierömische Kirche nicht reden; die protestantische dagegen, ein Bestandtheil desStaats, ward demselben untergeordnet und durfte nicht reden. Dieses Fernhaltenbes Volkes von allen kirchlichen Angelegenheiten erzeugte jene verderbliche Lauheitdesselben gegen die Kirche im 18. Jahrhundert, welche zu Ende desselben und zuAnfange des 19. in den Zeiten politischer Aufregung und langwierigen Kriegsdie Religion selbst in hohem Grade gefährdete. Erst als Deutschland durch Nochwieder beten gelernt hatte, als heilige Gesänge Deutschlands Jugend zum Kampfegegen französische Zwingherrschaft begeisterten und nach langen Drangsalen derFriede wieder einzog in Deutschlands Gauen, da fand auch die Kirche eine höhereAnerkennung im Staate. Der päpstliche Stuhl, der während der französischenRegierung ziemlich unsicher gestanden hatte, wurde von Neuem festgestellt und derheilige Vater in seiner alten Herrlichkeit wieder anerkannt. Wegen ihrer katho-lischen Unterthanen schlössen mehre Fürsten mit dem Papste Concordate ab. Eifrigward von vielen Seiten die Vereinigung der protestantischen und refcrmirten Kirchebetrieben und in mehren Staaten zu Stande gebracht. Misstons - und Bibel-gesellschaften erweiterten ihre Wirkungskreise. Dies und viele andere tief ins Lebeneingreifende kirchliche Einrichtungen und Umgestaltungen erzeugten sehr bald unterden gebildetem Ständen Interesse für die Angelegenheiten der Kirche. Doch amhöchsten wurde dieses gesteigert durch die Neubelebung des Jesuitenordens und diedritte Jubelfeier der Reformation.

Das Bedürfniß der Zeit ward zuerst in der evangelischen Kirche erkannt, undum demselben abzuhelfen, begründete vr. Ernst Zimmermann, Hysprediger inDarmstadt, 1822 die „Allgemeine Kirchenzeitung", ein Archiv, wie er es nannte,für die neueste Geschichte und Statistik der christlichen Kirche, nebst kirchenhistorischerUckundensammlung. Das Zeit- und Zweckgemäße des Unternehmens beurkundetegleich beim Erscheinen der ersten Blätter der ungetheilte Beifall, mit welchem dieKirchenzeitung von allen Seiten aufgenommen wurde. Fern von aller Einseirigkeit,gab Zimmermann seiner Zeitschrift eine über allen Parteienkampf erhabene, univer-selle Richtung und machte sie zu einem Sprechsaale für die verschiedenartigsten Ver-handlungen in Sachen der christlichen Kirche und Religion. Durch diese Einrichtunggeschah es, daß viele der wichtigsten Zcitangelegenheiten von den geistvollsten Män-nern aus den verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet wurden. Wir erinnern nuran die Erörterungen über die Vereinigungsversuche der beiden evangelischen Conses-sionm, über den Jubelablaß der römischen Kirche im Jahre 1825, über die katholi-schen Umtriebe und die Proselytenmacherei, über den Ebertritt des Herzogs von An-Halt-Köthen zur römischen Kirche, über den Streit zwischen Rationalisten und Su-Vernaturalisten und über die gehässigen Angriffe der Frömmler und Mystiker. Beiden Verhandlungen über alle diese Gegenstände, deren jeder einzeln geeignet war, denHerausgeber zur Heftigkeit zu verleiten, hat er stets die würdevollste und eine ganzunparteiliche Haltung behauptet, und dadurch fortwährend bewiesen, daß er nichtas Interesse irgend einer Partei zu fordern, sondern Wahrheit und Licht überall