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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
698
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und zeigen häusig die ermattete Kraft. Ein anderer auf vier Bande berechneterTheil seines Nachlasses sind „Blatter der Erbauung und des Nachdenkens" dieauch den Titel: „Fortsetzung der Stunden der Andacht" (erster und zweiter BandFrei bürg 1832), führen.

Kemble (Frances Anne), die Tochter des Schauspielers Charles K., istdie jüngste Zierde der berühmten Künstlerfamilie, die in ihres Vaters BruderJohn K., und seiner Schwester Siddons der englischen Bühne unerreichte Mu-ster gab. Sie hatte ihr glückliches Talent unter der sorgfaltigen Pflege und durch dmUmgang mit ihrer vielseitig gebildeten Tante entwickelt und war bereits durch geist-reiche Dichtungen bekannt, als die ökonomischen Verhaltnisse des Coventgarden-theaters, an welchem ihr Vater als Miteigenthümer Antheil hatte, in bedenk-liche Verwirrung geriethen. Lange hatte K. gegen das einbrechende Misgeschick,wozu 1828 auch noch die Erplosion des Gasometers kam, gekämpft, bis endlichim Sept. 1829 sein Sturz unabwendbar schien. Es war schon so weit gekommen,daß das alte, in den Annalen der englischen Schauspielerkunst berühmte Theaterversteigert werden sollte. Die hohe Achtung, die K. sich erworben hatte, bewogmehre Kunstfreunde, ihm durch eine eröffnete Unterzeichnung Beistand zu leisten,und uneigennützig zeigten mehre ausgezeichnete Schauspieler ihre Bereitwilligkeit,den Fall der Kunstanstalt aufzuhalten, indem sie ihm ihre fortdauernde Mitwir-kung zusagten. Dieser Beistand aber würde schwerlich allein wirksam genug ge-wesen sein, dem Theater seinen alten Glanz wiederzugeben, wenn nicht Fanny K.,noch sehr jung und nicht für die Bühne bestimmt, in der kindlichen Liebe die An-regung zu der Entwickelung eines schlummernden Talents gefunden hatte. Nachder Wiedereröffnung der Bühne im Ott. 1829 trat sie zum ersten Male in „Romeound Julie" auf. Ihr Vater spielte den Mercutio, ihre Mutter, schon lange vonder Bühne zurückgezogen, die Lady Capulet. Die Erwartung der neuen Erschei-nung und das günstige Vorurtheil, das der edle Beweggrund ihres Auftretens er-wecken mußte, hatten ein gedrangt volles Haus versammelt. Fanny K. feierteden glänzendsten Triumph und wiederholte bis zum Jan. 1831 die Rolle der.Julie30 Mal nach einander. Man bewunderte in ihrer Darstellung vorzüglich dreiMomente: ihre Kälte gegen Paris, als sie ihn in des Mönchs Zelle findet; der Un-wille, mit welchem sie den Rath ihrer Amme abweist, Romeo aufzugeben, unddie Katastrophe in der Gruft. Nicht minder ausgezeichnet war sie im Laufe derersten Theaterzeit in andern Rotten, wie Belvidera in „Vemce preserveck", FrauBeverley in ,,'1Re gumester", Frau Haller (Eulalia) in „3 de strunger" undCalista in Rowe's „?air pemteut", nach dem Urtheile einiger Kunstrichter nebenJulie ihre glänzendste Leistung. Ihren Anstrengungen verdankte das Theaterseine Wiedererhebung, und ihre große Tante genoß noch, ehe sie am 8. Jun. 1830starb, die Freude, den Ruhm der jungen Künstlerin, die in einigen Rollen an sieerinnerte, gegründet zu sehen. In den Jahren 1831 und 1832 gab Fanny K.noch mehr Gelegenheit eine Vergleichung anzustellen, indem sie als Katharina in„Heinrich VUl." und als Lady Macbeth, den beiden Meistcrrollcn ihrer Tante,auftrat. Eine reizende Gestalt, ein schönes geistreiches Gesicht, eine herrlicheStimme, sind ihre physischen Mittel; tiefes geniales Eindringen in die Absicht desDichters, Natürlichkeit des Spiels und eine seltene Sicherheit schon in ihren erstenRollen, als ob sie die Bühne durch Intuition gekannt hätte, die Mittel, durchwelche sie jede Darstellung eindringlich macht. Ihre Stärke aber liegt im Aus-druck stürmischer Gemüthsbewcgungen, in dem Ausbruche der Leidenschaft und inder furchtbaren Ruhe, die ihm vorhergeht; in diesen Momenten wetteifert sie mirihrer Tante, und obgleich weniger als diese mit physischen Mitteln für die Rolleder Lady Macbeth begabt, übertraf sie auch hier jede Erwartung. Weniger befrie-digt sie in rührenden, zärtlichen Stellen, wo sie, weil sie sehr langsam spricht und