650 Kapodistrias (Familie)
Herzustellmund der provisorischen Regierung das erfoderliche Ansehen zusichern-3) die Eonferenz hat Anstalten getroffen, daß der provisorischen Regierung die vonihr erhobenen Gesuche um Geldunterstützung auf Rechnung der Anleihe gewahrtwerden sollen, deren Garantie die drei Hefe sich vorbehalten haben; 4) die Wahleines Souverains wird von der Eonferenz unverzüglich in Erwägung gezogenund so bald als möglich ins Reine gebracht werden. („Allgemeine Zeitung", 1832Nr. 107, außeroroentl. B.) Obgleich nun dieses Protokoll bei völliger Unkennt-mß der Ereignisse, welche unterdessen in Griechenland selbst stattgefunden hat-ten, und unter ganz andern Voraussetzungen abgefaßt war, als die Entwicke-lung der Verhaltnisse bei seiner Ankunft in Griechenland darbot, obgleich die All-gemeinheit seiner Ausdrücke sehr verschiedenartige Deutung und Anwendung zuließ,so trugen die Residenten und Stationscommandanten der vermittelnden Machtedoch kein Bedenken, es ganz zu Gunsten der Regierung zu Nauplia zu erklären,welche nicht einmal die im Protokoll selbst angegebenen Eigenschaften in sich ver-einte. *) Schon am 9. Marz erließen in dieser Absicht die Commandanten derdrei Geschwader, Hotham, Nicord und Hugon, nach Übereinkunft mit den Re-sidenten eine Proclamation, worin sie einestheils der zu Nauplia bestehendenRegierung, als der einzig rechtmäßigen, jeden Beistand zusagten, anderntheilsdie Primaten von Hydra und die versammelten Chefs des Festlandes von Grie-chenland ausfoderten, die Waffen niederzulegen und ruhig zum Gehorsam zurück-zukehren. („Allgemeine Zeitung", 1832, Nr. 114 B.) Ein solches Gebotwar aber weiter nichts als ein offenbarer Beweis von wahrer oder absichtlich an-genommener Unkenntniß der Verhältnisse auf Seiten Derjenigen, von welchen esausging und mußte daher seinen Zweck gänzlich verfehlen. Was zu erwartenwar, traf ein. Die Hydrioten verwahrten sich feierlich gegen die Anerkennungeiner gesetzlosen Regierung, die Rumelioren blieben unter den Waffen, und die all-gemeine Erbitterung wurde so sehr gesteigert, daß auch die letzte Hoffnung zu ge-genseitiger Nachgiebigkeit gänzlich verschwand. Zwar suchten die Srarionscom-mandanten die Bestimmungen des Protokolls so viel als möglich dadurch in Aus-führung zu bringen, daß sie den Numelioten fortan die Verbindungen zur Seeauf alle Weise erschwerten; allein dies konnte nur dazu beitragen, ihren längstbeabsichtigten Einfall in den Peloponnes zu beschleunigen, zumal da auch dieHülssquellen des von ihnen besetzten Landstriches nicht mehr mit dem Bedarf ihresräglich wachsenden Armeecorps in geeignetem Verhältnisse standen, und allerdingsAustritte zu befürchten waren, welche die bis jetzt erhaltene musterhafte Ordnungsehr gestört und überhaupt aus ihre ganze Sache noch ein sehr nachtheiliges Lichtgeworfen haben würden.
So stand es, als am 17. Marz durch außerordentliche Gelegenheit die ersteNachricht von der Wahl des Prinzen Otto von Baiern zum Souverain des grie-chischen Staats in Griechenland ankam, sich schnell nach allen Seiten hin ver-breitete und überall, ausgenommen in dem engen Kreise der strengsten Kapodi-ftrianer zu Nauplia, die lebhafteste Freude erregte. Betrachteten alle Parteiendieses Ereigniß als sicherste Bürgschaft der Ruche und Einigkeit in besserer Zukunft,so änderte es dagegen für jetzt nichts in der feindlichen Stellung der RumelioteNgegen die Gewalthaber zu Nauplia, von denen man voraussah, daß sie jede Nach-giebigkeit nur dazu benutzt haben würden, sich ihren verderblichen Einfluß auchunter der neuen Regierung zu erhalten. Also bebarrte die Regierung zu Pera-chore auf ihrem Entschlüsse, mit ihren Truppen sogleich in den Peloponnes ein-
*) Der erste Artikel des Protokolls bestimmte ausdrücklich, daß die Anerkennungnur einer „mit allen gesetzlichen Formen errichteten Regierung'^ zu Theil werdensolle: eint Bestimmung, die doch wahrlich nicht auf die Wahl des Grafen AugustenK. zum provisorischen Präsidenten ron Griechenland anwendbar war.