Kapodistrias (Familie) 649
kcit, sich in der Weise seines Bruders den Griechen als Beherrscher aufzudringen,mag Augustin selbst sehr bald aufgegeben haben; er sprach diese Ansicht schon inder ersten Halste des Jan. deutlich genug aus, als er an den leeren Schatz die son-derbare Foderung erhob, daß ihm die von seinem Bruder in demselben niederge-legten Summen, die er auf eine Million Piaster angab, zurückgezahlt werdensollten. Doch scheint er auf der andern Seite immernoch die Hoffnung auf eineihm günstige Entscheidung der vermittelnden Machte genährt zu haben. Schondas an ihn gerichtete Schreiben des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten zuPetersburg, Grafen Nesselrode, vom 27. Dec. 183 t, worin dieser ihn der beson-dern Gunst des Kaisers versicherte („Allgemeine Zeitung", 1832, Nr. 126 B.),schien ihm eine sichere Bürgschaft zu gewahren, und Augustin soll schon in denersten Wochen des Jahres 1832 die Thorheit begangen haben, in einer unter derHand vertheilten gedruckten Bekanntmachung zu erklären, die neue Regierunghabe begonnen und sei bereits von den Gesandten der vermittelnden Mächte aner-kannt. Als sich die Residenten deshalb Erklärung ausbaten, soll man den unbe-sonnenen Schritt mit der Notwendigkeit, die öffentliche Meinung zu beruhigen,zu entschuldigen gesucht haben. Im Gegentheil hatten die Residenten, wie dieScationscommandanten jener Mächte, etwa mit Ausnahme des Admirals Ri-cord, welcher fortwahrend seine zweioeutige Stellung zu Hydra behauptete, jedeunmittelbare Einmischung in die Händel der Hellenen bis jetzt absichtlich vermie-den; und auch der Versuch einer Ausgleichung der Parteien von Seiten des eng-lischen Botschafters bei der Pforte, Sir Stratford Canning, welcher am 20. Dec.angeblich mit Auftragen der Conferenz in London zu Nauplia angekommen war,blieb so erfolglos, daß er in dem seitherigen Benehmen der Residenten nur wenigändern konnte. Erst als die Regierung zu Nauplia durch Abfassung einer Adressean die drei Mächte, worin sie um baldige Entscheidung des fernem Schicksals vonGriechenland und die Wahl eines Fürsten bat, einige Hoffnung zur Nachgiebig-keit gegeben hatte, luden die Residenten zu Ende Jan. nochmals eine Commissionder Hydrioten und der Regierung von Perachore zu einem Vergleiche unter ihrerVermittlung nach Nauplia ein. Allein so wenig eine solche Einladung im Sinneder Kapodistrianer geschehen mochte, so wenig wurde ihr von der andern SeiteFolge geleistet, zumal da man hier wie dort der Ankunft einer Entscheidung derConferenz zu London stündlich entgegensah, die zuletzt doch den Ausschlag gebenmußte. Unter diesen Erwartungen und bei den Vorbereitungen der Rumelioten,welche täglich an innerer Kraft und äußerer Ausbreitung ihrer Macht zunahmen,zu dem beabsichtigten Zuge nach dem Peloponnes verging der Febr. Erst am 13.dieses Monats ward die erwähnte Adresse von Nauplia mit einem Schreiben anEynard abgeschickt, worin dieser von der Nationalversammlung ersucht wurde,die Adressen durch seine Vermittlung eiligst an die französische und britische Regie-rung gelangen zu lassen. („Allgemeine Zeitung", 1832, Nr. 95 B.) Dendarin ausgesprochenen Wünschen war jedoch bereits einigermaßen durch das Eon»ftrenzprotokoll vom 7. Jan. entsprochen worden, welches sich eben damals unter-wegs befand und, nachdem es am 28. Febr. der Regierung zu Nauplia durch dieResidenten der vermittelnden Mächte zugefertigt worden war, sogleich Tags dar-auf in dem zu Nauplia erscheinenden ossiciellen Regierungsblatt (dem „(lonrrior<ie la (Zrece") bekannt gemacht wurde. Die wesentlichsten Bestimmungen des-selben waren: 1) die von der Nationalversammlung zu Argos eingesetzte proviso-rische Regierung wird fortan von den Residenten und den Befehlshabern der See-und Landstreitkräfte der drei verbündeten Höfe als provisorische Nationalregierungvon Griechenland anerkannt; 2) beweisen dieselben der genannten Regierung nichtnur die ihr gebührende Achtung und Ergebenheit, sondern sie werden auch mit allenihnen zu Gebote stehenden Mitteln dazu beitragen, Ruhe und Gehorsam wieder-