648 Kapodistuas (Familie)
mit zwei Kanonen landete und von hieraus theils den Verkehr mit den Inseln zuunterbrechen, theils in das Innere weiter vorzudringen beabsichtigen mochr?.Doch auf beiden Seiten richteten die Soldaten der Regierung wenig aus. BeiKonduca wurden sie mit bedeutendem Verluste zurückgeschlagen, und bei Megaraauf jener Erdzunge in strenger Blokade gehalten. Die Stellung zwischen Eleusisund Megara, einer der wichtigsten Punkte, ward am 24. Jan. von den Rume-lioten genommen, für welche sich kurz darauf fast ganz Ost- und Westgriechen-land erklarte. Ihr Hauptplan war, sogleich in Morea einzufallen, hier mit denMainoten, welche, auf die Auffoderung des zu ihnen geschickten Rumclioten-hauptlings Theodor Grivas, Kalamata besetzt hatten und mit Umgehung der Re-gierungstruppen zu Nisi bereits gegen Tripolizza in Anmarsch waren, eine Ver-bindung zu bewirken und dann ohne Weiteres vereint gegen Nauplia vorzurücken.
Fast gleichzeitig waren aber auch die Versuche zu friedlicher Ausgleichungwieder erneuert worden. Noch ehe es wirklich zu Tätlichkeiten gekommen war,hatte Augustin K. mit den Seinigen einzelnen Hauptern der Gegenpartei vergeb-lich Vorschlage gemacht, wodurch er sie den Ihrigen zu entziehen hoffte, ja er hattesogar die sammtlichen Abgeordneten in Perachore unter allerlei Zusagen zu einemVergleiche nach Nauplia zu locken gesucht, um hier wenigstens durch Theilung derInteressen die Einigkeit und Kraft seiner Gegner zu schwachen. Da ihm aber Bei-des nicht gelang, so schickte er sogleich nach der Einnahme von Megara durch dieRumelioten zuerst den Bischof von Atta, Porphyrios, als Unterhändler nach Pe-rachore, und als dieser ebenfalls nichts ausrichtete, eine Commission von fünfGliedern, welche auch wirklich mit einer von Perachore abgeschickten zu Butraki inUnterhandlungen trat. Bedingungen und Vorschlage der Rumelioten waren imWesentlichen die schon früher angedeuteten: Vereinigung beider Nationalver-sammlungen zu einer einzigen an einem freien Orte; abermalige Prüfung derVollmachten der Abgeordneten und Wahl einer neuen provisorischen Regierung.Entfernung des Grafen Augustin K. und der Korsioten wurde dabei deutlich aus-gesprochen, wahrend die Commission von Nauplia gleichsam als Präliminariendie Foderung ausstellte, daß Augustin als Präsident oder wenigstens als Mitgliedder Regierung beibehalten würde. An Ausgleichung war daher um so weniger zudenken, da man bald entdeckte, daß die Regierungscommission nicht einmal mitVollmachten von der Nationalversammlung zu Nauplia versehen sei. Ebenso we-nig Erfolg hatten die Unterhandlungen, welche um dieselbe Zeit Gennäos, derSohn des Kolokotronis, mit dem Suliotenhäuptling Servo zu Korinth, undAdmiral Ricord im Namen der Regierung zu Nauplia mit den Hydrioten an-knüpften. Am 21. Jan. erließ hierauf die Regierung zu Nauplia eine Proklama-tion, worin sie Kolettis, Tazzi Manghina und einige andere Häupter der Rume-lioten für Rebellen erklärte, dagegen allen Denjenigen ihres Anhanges, welche in-nerhalb 15 Tagen die Gnade der Regierung anrufen würden, Verzeihung undVergessenheit zusagte. Ungefähr acht Tage später, am 30. Jan, antwortetehierauf die Regierung von Perachore in einem Beschluß ihrer Nationalversamm-lung, welcher Augustin K. „für einen Verletzer der gesetzmäßigen Nationalver-sammlung, für den hauptsächlichsten Anstifter des Bürgerkriegs und Usurpatorder höchsten Staatsgewalt" erklärte, ihn deshalb sogleich in Anklagestand versetzteund alle Behörden, sowie jeden Bürger auffoderte zur Ausführung dieses Be-schlusses nach Kräften mitzuwirken. („Allgemeine Zeitung", 1832, Nr. 115 B.)
Unter solchen Umständen war es natürlich, daß Augustins Partei täglichmehr zusammenschwand und sich bald eigentlich nur auf die Hauptvertreter desalten Systems, Andreas und Konstantin Mctaxas, Perukka, Sikelianos, Rho-dios und einige Andere beschränkte, welche dann wieder ihren Anhang hatten, so-weit Gewalt, List, Bestechung reichen mochten. Den Gedanken an die Möglich-