Kapodistrias (Familie)
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Wie stand es dagegen um die Regierung und die Nationalversammlung zuRauplia? Um auch hier keine Zeit zu verlieren, hatte man sogleich nach den blu-tigen Tagen zu Argos die Sitzungen der Deputirten in einer ehemaligen Moschee,die bis jetzt als hellenische Schule gedient hatte, wieder eröffnet. Wie aber über-haupt die Sache der Kapodistrianer nach und nach eine höchst trostlose Gestalt be-kam, so sank auch diese Nationalversammlung in wenigen Wochen zu einer bedauc-rangswürdigen innern und äußern Nichtigkeit herab. Wer von den Deputirtenbessern Sinnes entkommen konnte, begab sich entweder zu denen in Perachore,oder kehrte unbemerkt in seine Heimath zurück; und da die Regierung weder Mit-tel noch Menschen genug hatte, den Abgang schnell zu ersetzen, so kam es bald da-hin, daß die Sitzungen, welche wenigstens in Argos mit 175 Deputirten eröff-net worden waren, gewöhnlich nur von 70 — 80 Getreuen besucht wurden,welchen bu den Verhandlungen, die meistens sehr tumultuarisch waren, kaumeine Stimme zustand. Vorschlag und Beschluß gingen fast nur von den so-genannten Ministern des Präsidenten aus, und wenn es dann bei der Abstimmungüber das vorläufig Beschlossene etwa zu heftigem Debatten kam, so gab in derRegel Kolokotronis durch seine barsche Beredtsamkeit den Ausschlag oder vermochtedie zerfallenen Gemüther durch die Hinweisung aufsein Schwert zu Frieden undEintracht. In dieser Weise wurde z. B. am 16. Jan. der Beschluß durchgesetzt,daß im Peloponnes 5000 Mann Truppen ausgehoben werden sollten, wozu Ko-lokotronis, wie er sich selbst ausdrückte, bereits die Vollmachten des Präsidentenim Gürtel trug, als er dem Senate, der in seiner traurigsten Gestalt auch nurnoch dazu benutzt wurde, der gräßlichsten Willkür den Schein eines gesetzlichenVerfahrens zu leihen, erst Anzeige davon machte. Im Ganzen war dies einSchritt der Nvthwendigkeir, geboten durch die Pflicht der politischen Selbsterhal-lang; denn nur zu bald wurde man inne, daß man sich mit den geringen Restentreuer Truppen gegen die wachsende Macht der Rumeliotcn unmöglich haltenkönne, zumal da man bei der Dürftigkeit des Schatzes nicht selten in die Verle-genheit kommen mochte, die Truppen, wie vor Zeiten, auf sich selbst, auf Raubund Plünderung zu verweisen. Überhaupt wurde jetzt jedes Mittel ergrissen, dasdem Zwecke dienlich schien. Um'z. V. der taglich steigenden Finanznoth nur eini-germaßen abzuhelfen, fuhr man nicht allein fort das Papiergeld, welches vorzüg-lich den Beamten aufgedrungen wurde, ins Unendliche zu vermehren, sondernman sing auch an, Kanonen in schlechtes Kupfergeld auszuprägen oder gleichim Ganzen zu verkaufen; von dem Ertrage sollten unter Anderm die Seeleute be-zahlt werden, welche noch fortwährend Hydra blokirten, aber, ohne Zweifel überdie Verzögerung des Soldes unwillig, schon zu Ende des Jan. von selbst nachPoros zurückkehrten. Nationalgüter, die noch nicht veräußert waren, wurdenauf das Unverantwortlichste verschleudert, wirklich außenstehende oder selbst unbe-gründete Foderungen mit der schonungslosesten Strenge eingetrieben, und zuletztselbst die Staatseinkünste auf das Jahr 1838 im Voraus für eine Kleinigkeit zumPacht ausgeboten. Dies geschah namentlich im Peloponnes, wo die Ausrü-stung jener 5000 Mann, welche in 15 Bataillons vom Sohne des Kolokotronis,Gennäos, befehligt werden sollten, natürlich außerordentliche Ausgaben veran-lassen mußte. Überdies standen dieser Aushebung aber auch noch andere Hinder-usse im Wege, die so leicht nicht beseitigt werden konnten, und so blieben der Re-gelung fürs Erste doch nur etwa 2000 Mann bereite Truppen, welche in kleinen^Heilungen über Epidauros nach Salamis und über Korinth gegen den Jsth-chos ausgeschickt wurden. Die Feindseligkeiten begannen in der Richtung vonKondura hin, wo man den Rumelioten die Verbindung mitVootien und Attika abzuschneiden gedachte, wahrend eine andere Abcheilung aufMer Erdzunge bei Megara, welche durch eine Mauer vom Festlands getrennt ist.