Kapodistrias (Familie) 645
gen nöthige Sicherheit rechnen könne. Wahrend die Ausführung dieses Beschlus-ses Alles in Bewegung setzte, kam es, beim Streite um ein von beiden Parteienzum Quartier für ihre Palikaren begehrtes Haus, zu blutigen Handeln zwischenden Numelioten und den Anhängern der Regierung; herbeieilende Scharen beiderTycile vermehrten das Getümmel; ein lebhaftes Feuer begann und nöthigte dieschwächern Rumelioten sich in einige Häuser zu werfen, während die Reiterei derRegierung die Ausgänge der Stadt besetzte, und die Artillerie, welche durch Ka-pitain Raikos sehr schlecht geleitet wurde, zugleich mit dem regulirten Fußvolk einwenig fruchtendes Feuer gegen die von den Rumelioten besetzten Häuser unterhielt.Man beabsichtigte dabei, die Rumelioten zur Flucht zu nöthigen und sie dann ge-fangen zu nehmen oder niederzuhauen; diesen Plan aber vereitelte die Klugheitund Standhaftigkeit der Rumelioten, welche, ungeachtet ihrer geringen Mittel,mehre Stürme mit Glück zurückschlugen und gegen Abend der Regierung einenWaffenstillstand anboten, der auch, wahrscheinlich in der Absicht, am folgendenTage mit mehr Nachdruck zu verfahren, angenommen wurde. So verging dieNacht ruhig. Der 22. Dec., wegen unaufhörlicher Regengüsse zum Kampfenicht geeignet, verging unter nutzlosen Verhandlungen zwischen Augustin K. undKonstantin Bozzaris wegen der Entfernung einiger Rumeliotenhäuptlinge, dieman natürlich nicht zugeben konnte. Am 23. begann daher der Kampf mit Ta-gesanbruch um so heftiger, und währte bis zur Nacht ohne Entscheidung. DieRumelioten wurden zwar vorzüglich durch ein anhaltendes Kartätfchenfeuer sehrbedrangt und verloren auch etwa 50 Mann an Tobten, schlugen aber doch mehreStürme mit Erfolg zurück und waren am Abend noch Meister ihrer Stellung.Erst in der Nacht vom 23. auf den 24. verließen sie dieselbe und setzten sich in denHäusern am Jnachos fest, welcher ihren Rücken deckte. Der Angriffsplan derRegierung, welche in derselben Nacht noch mehr Geschütz und Munition nachArgoS schickte, wurde hierdurch, weil er noch auf die alte Stellung ihrer Gegnerberechnet war, freilich etwas gestört; allein dennoch wären an diesem Tage dieRumelioten schwerlich der gänzlichen Vernichtung entgangen, wenn sich nicht dieResidenten der drei vermittelnden Machte und Sir Stratford Canning, welcheram 20. Dec. in Nauplia angekommen war, ins Mittel geschlagen hatten, umdas Äußerste zu verhüten, dessen traurige Folgen nur die Verblendung der Regie-rung verkennen konnte. Vereint foderten sie daher am Morgen des 24. Dec.den provisorischen Präsidenten auf, alle weitern Feindseligkeiten einzustellen undauf diese Weise den Maßregeln vorzubeugen, durch welche sie sonst dem Blutver-gießen ein Ende zu machen genöthigt sein würden. Hierauf wurden die bereits an-geknüpften Unterhandlungen zwischen den Streitenden ernstlicher. Gegen Geißelnbekamen die Rumelioten freien Abzug nach Korinth. Man mochte auf Seitender Regierung die Hoffnung gehegt haben, durch diese scheinbare Begünstigungwenigstens die rumeliotischen Abgeordneten, denen dadurch ihre Stütze entzogenwerden sollte, für die Nationalversammlung in Nauplia zu gewinnen; alleindierin täuschte man sich. Jene Abgeordneten schlössen sich sammtlich dem Zugenach Korinth an, welcher am 25. Dec., 1200 Mann stark, dort ankam. Sowar die Beendigung der Parleikämpfe zu Argos am Schlüsse des Jahres 1831"ur eine traurige Bürgschaft für ein besseres Geschick der kommenden Tage.
.. Die Regierung zu Nauplia hatte, obgleich nothgedrungen, doch gewiß mit" Uberzeugung in den Rückzug der Rumelioten gewilligt, daß er die Auflösung" Gegenpartei, dagegen den Sieg des alten Systems durch allgemeine Anerken-nung seiner Vertheidiger vollenden werde. Und um nichts z,u versäumen, was zu> 'dienlich sein könnte, hatte sie sogar Eilboten nach Korinth geschickt,d" Einwohner vorläufig von der Ankunft der „rumeliotischen Räuber" mit^ —ehung benachrichtigen mußten, daß die Bürger ihre Weiber, Kinder und