Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
643
Einzelbild herunterladen
 

Kapodistrias (Familie) 643

jener Heerführer, die seit den Zeiten des Freiheitskrieges im ganzen Lande alsHelden gefeiert wurden, wie Noto und Konstantin Bozzaris, Zongos, Gn'vas,(5hrysiotis u. A., welche ihre misbilligende Ansicht von der bestehenden Regierungkeineswegs verhehlten und nicht undeutlich zu verstehen gaben, daß sie, wennman gegen sie Gewalt brauchen wolle, entschlossen seien, ihre Palikaren den Trup-pen der Regierung entgegenzuführen, welche unter Kolokotronis in den Dörfernum Nauplia lagerten. Mehre Abgeordnete aus Rumelien, welche die Regierungbisher zu den ihrigen gezahlt hatte, wurden wankend und schlössen sich nach undnach an jene Häuptlinge an, und auch die Deputirten von Ostgriechenland, welcheam 16. und 19. Nov. vereint in Argos einzogen, verstärkten die rumeliotifche Op-positionspartei. Diese Partei erhielt jedoch erst Festigkeit und Charakter zu plan-maßigem Handeln, als Ioannis Kolettis, ohne Zweifel der Tüchtigste unter denRegenten vom 9. Ott., auf ihre Seite trat und dadurch seine Uberzeugung vonder Unhaltvarkeit des bestehenden Gewaltsystems thatsächlich zu erkennen gab.Seinem Beispiele folgten einige der aufgeklärtesten und selbständigsten Senatoren,wie Tazzi Manghina und Rhigas Palamides. Auch General Church, welcherschon seit beinahe zwei Jahren in Argos wohnhaft war und unter den Kapitar.ysaus Rumelien von alten Zeiten her hohes Ansehen und großen Einfluß besaß, be-gab sich am 19. Nov. von Nauplia nach jener Stadt, obgleich 'Augustin K. und»Kolokotronis den eiteln Versuch machten, ihn von da mit Waffengewalt zurück-zuhalten. Von den 130 zu Argos anwesenden Abgeordneten erklärten sich etwakl) entschieden für Kolettis und die Rumelioten, die übrigen mehr gezwungen undaus Unentschiedenheit als aus Wahl und Grundsatz für Augustin K. und die be-stehende Regierung. Schon vor der Eröffnung der Nationalversammlung sprachenjene ihre Hauptgrundsätze dahin aus, daß sie auf eine frei gewählte Nationaler-sammlung, auf unverzügliche Abfassung und Publication einer Verfassung undausdie Verstärkung der Regierungscommission durch Mitglieder von ihrer Parteidringen würden; als unumgängliche Bedingung ihrer Theilnahme an der Natio-nalversammlung selbst aber foderten sie von der Gegenpartei, daß die ganze Nationreprasentirt, und folglich sowol den auf Hydra versammelten Abgeordneten alsauch den Deputirten der Mainoten, welche mit Gewalt in Astros zurückgehaltenwurden, der Zutritt gestattet werde, daß die Prüfung der Vollmachten durch einenvon der gesammten Nationalversammlung, nicht aber vom Senate gewähltenAusschuß geschehe, und daß überhaupt Zwang und Waffengewalt vom Sitze derRegierung fern bleibe. Anstatt hieraus einzugehen, bot die Regierung vielmehrAlles aus, die zur Eröffnung der Nationalversammlung nöthigen zwei Drittheileder Abgeordneten (nach den gesetzlichen Bestimmungen der frühern Constitutionenwird Griechenland im Ganzen durch 210 Abgeordnete repräsentirt; doch gebenzwei Drittheile derselben, also 140, der Versammlung constituirende Gewalt)durch Leute ihres Sinnes vollzählig zu machen, um jene dann gänzlich unberück-s'chtigt zu lassen.

Hierüber vergingen noch die ersten Wochen des Dec. Die Zeit drängte je-doch; denn mehre Städte, wie im Peloponnes Patras, Korinth und Tripolizza,und selbst die früher ergebene Insel Spczzia, erklärten sich offen gegen die Regie-rung vom 9. Ott. Sobald diese daher jene zwei Drittheile gewonnen zu habenSlaubte, schritt sie ohne Verzug zur Eidesleistung.- Sie erfolgte am 18. Dec.,udcr nur von 80 Deputirten. Um die Versammlung dennoch auf die ersoderlichenZwei Drittheile zu bringen, wurden während der Nacht von dcn Behörden zu-suuplia und Argos die Fehlenden aus zufällig gegenwartigen Beamten der Pro-tzen, aus Handelsleuten und Handwerkern, die sich hier niedergelassen hatten,'Ut eigentlichsten Sinne des Wortes geworben, mit Vollmachten versehen und Tags

4L*