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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
633
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Kapodistrias (Familie) 633

so lebendig zu vergegenwärtigen, daß er geeignete Vorsichtsmaßregeln getroffenhätte. Dürfen wir die mündliche Mittheilung eines glaubwürdigen Mannes, wel-cher in den letzten Monaten in der Nahe des Präsidenten lebte, für begründet hal-,en, so fürchtete sich K. am meisten^vor Vergiftung, einer Art des Meuchelmordes,die weder dem Charakter noch den Sitten der Griechen angemessen scheint, und ersoll in dieser Beziehung die Ängstlichkeit selbst so weit getrieben haben, daß er eineZeitlang die ihm gebrachten Speisen und Getränke nur nach sorgfältiger Untersu-chung genoß. Wäre dies wirklich der Fall gewesen, so hätte er auch hierin den Cha-rter des Volkes verkannt, das er zu leiten berufen war. Sein Tod war das Werkeiner glühenden Rache, die den Verzweifelten, selbst mit Aufopferung des eignenLebens, zum Entsetzlichsten treiben kann, sich aber selten ungewisser Mittel oderder Hülfe Anderer zur Erreichung ihres Ziels bedienen mag.

Unter allen hellenischen Geschlechtern, welche durch Macht, Reichthum undhohes Ansehen der Allgewalt des Präsidenten Abbruch zu thun schienen, war einesder ersten das des Mainotenbeps, Pietro Mauromichalis, welches durch den Hel-dentod von 4t, seiner Glieder den Ruhm und die Achtung theuer erkauft hatte, diees genoß, soweit sein Name bekannt war. Nur K. war ihm bald nach einer An-kunft mit beleidigender Geringschätzung begegnet, zumal da es ihm nich gelungenwar, die Familie so sehr in sein Interesse zu ziehen, als er gewünscht haben mochte.Um ihr jedoch wenigstens durch Entziehung ihrer Hauptstützen die Kraft zu bre-chen, hatte K. schon seit langer Zeit die Häupter derselben unter scheinbar ehrenvol-len Vorwanden im Sitze der Regierung zurückgehalten, und verweigerte ihnenselbst dann noch die Heimkehr, als zu Anfange 1831 die Bewegungen in der Hei-math ihre Gegenwart daselbst doppelt nothwendig zu machen schienen. Die un-glückliche Flucht des alten Pietro mit zwei seiner Brüder brachte die Erbitterungdcs Präsidenten aufs Höchste. Gewaltsam nach Napoli zurückgebracht, ward derMainottenbey als Majestätsverbrecher vor ein außerordentliches Gericht gestelltund fortan auf dem Fort Jtschkale in strengster Haft gehalten. Gleiches Schicksaltrafseinen Bruder Janaki im Fort Palamides, während ein zweiter Bruder Kon-stantin, und ein Sohn des Pietro, GeorgioS, als Staatsgefangene zu NapoliStadtarrest hatten und nur in Begleitung von zwei bewaffneten Polizeidienernausgehen durften. Ohne Untersuchung und aller Hoffnung beraubt, ihre Hei-mach wiederzusehen, hatten sie bereits mehre Monate in diesem trostlosen Zustandeverlebt, als die noch lebende Mutter Pietros, eine von Kummer über das Mißge-schick ihres Stammes tiefgebeugte Matrone von 9l) Jahren, den russischen Admi-mI Ricord, welcher um jene Zeit in dem Hafen von Maina lag, um Vermittelungl'ä dem Präsidenten für die Befreiung der Ihrigen, mit welchen sie den Rest ihrerTage in Frieden zu leben wünschte, demüthkg ansprach. Der Admiral gewährteihre Bitte, und unterhandelte deshalb sogleich nach seiner Rückkehr in den Hafenvan Napoli mit dem russischen Residenten Baron von Ruckmann, welcher sich end-i'ch dazu bewegen ließ, Pietro Mauromichalis bei dem Präsidenten einzuführen,tamit er diesem persönlich erklären könne, er sei bereit seine und der Seinigen Frei-st als ein Geschenk des Präsidenten anzunehmen und in seiner Heimath in derNrückgezogenheit von den Anstrengungen und Leiden vieler Jahre auszuruhen,"in alles Aufsehen zu vermeiden, wählte man hierzu die späten Abendstunden des^ Ott. Baron Ruckmann wagte es jedoch nicht, den Bey sogleich dem Prä-vorzustellen oder ihn in dem Vorzimmer warten zu lassen, sondern hielt esl"s nothwendig, 'hn im Eingange des Hauses bei der Thorwache stehen zu lassen," Wend er selbst den Präsidenten zur Ausnahme des Reuigen zu bestimmen suchen"ute. Er erreichte seinen Zweck nicht. Eine halbe Stunde nutzloser Verhand-i/M' welche der an Körper und Geist schon mächtig angegriffene Mainotenbeypeinlichsten Erwartung hinbrachte, endigte mit der definitiven Erklärung des