632 Kupodiflrias (Familie)
allgemeine Zustimmung der Willkür des Präsidenten im Einzel-,cn gleichsam zun,Schutze diente. Hierher gehören z. B. die Auflösung des Panhellenions, an des-sen Stelle ein fast ausschließend vom Präsidenten gewählter Senat trat, die Er-richtung eines Staatsministeriums mit streng monarchischen Formen, und dievon diesen abhängigen Umänderungen im Geschäftsgänge der verschiedenen Be-hörden für Administration und Justiz. Konnte man dabei das Streben nach Ord-nung und Bestimmtheit in den einzelnen Zweigen der Staatsverwaltung nichtverkennen, so erregte dagegen auch die offenbare Absicht des Präsidenten, diegc-sammte Staatsgewalt in seiner Person zu vereinigen, die lebhaftesten Besorgnisse.Die Opposition ward lauter als je zuvor, und bekam vorzüglich dadurch eine be-stimmtere formelle Ausbildung, daß sie ihre Angriffe an gewisse Beschwerdenknüpfte, die thatsachlich oder scheinbar wirklich begründet waren. So die Klagenüber absichtliche Vorenthaltung einer neuen, auf den zu Epidauros, Astros undTrözene gegebenen Grundlagen ruhenden Constitution, die Vorliebe des Präsi-denten für Rußland, die unzweckmäßige Verwendung des Staatsschatzes, dievöllige Vernachlässigung oder einseitige Einrichtung des öffentlichen Unterrichts,und vor Allem die Beschränkung der Presse. Die Schwierigkeiten, mir welchender Präsident fortwährend zu kämpfen hatte, namentlich die Unzulänglichkeit derfinanziellen Mitte! und die unselige Verzögerung einer endlichen Entscheidung vonSeiten der vermittelnden Mächte, verlor man dabei ebenso bald aus den Äugen,als einzelne wesentliche Fortschritte in der Organisation des Landes, die man derEntschlossenheit zu danken hatte, mit welcher K. die einmal betretene Bahn selbstunter dem Drange sehr ungünstiger Verhältnisse verfolgte. Leider artete dieseEntschlossenheit nur zu sehr in jene verderbliche Hartnäckigkeit aus, der ein klugesNachgeben fälschlich als Mangel an Energie erscheinen mag.
Es wäre zwecklos, wenn wir hier abermals an die Ereignisse des Jahres1830 erinnern wollten, wodurch die bereits herrschende Spannung in Griechenlandzu der unglückseligen Entwicklung gebracht wurde, welche die zwei letzten Jahre viel-leicht zu den traurigsten in der Jugendgeschichte des neugriechischen Staats gemachthat. Die Entsagung des Prinzen Leopold aufdie bereits angenommene Souveraine-tät Griechenlands, gleichviel ob sie unter dem mittelbaren Einflüsse des Präsidentengeschah, oder nicht, und kurz darauf der Ausbruch der revolutionnairen Bewegun-gen im westlichen und nördlichen Europa, welche die schon vorher vernachlässigtenAngelegenheiten Griechenlands völlig in Vergessenheit brachten, waren zwar nichtan sich, aber doch in ihren Folgen ohne Zweifel die entscheidendsten Momente fürdas endliche Schicksal des Präsidenten. Hätte ihm seit dieser Zeit nicht alle Unter-stützung von Seiten der vermittelnden Mächte gefehlt, so würde es schwerlich je zuden Ereignissen im Anfange des Jahres 1831 gekommen sein, unter welchen K.offenbar alle Haltung und die letzte Kraft, womit er noch den Sturm hättebeschwören mögen, verlor. Anstatt jetzt durch kluge Nachgiebigkeit sich neu zustärken, erschöpfte er sich vielmehr gänzlich im nutzlosen Kampfe der Verzweif-lung mit der Ubermacht seiner erbittertsten Gegner. Die Aufstände in Hydra,Maina und Rumelien, sowie die Gewaltthaten der bis auf das Äußerste getriebe-nen Opposition sind im ÄrtikA Griechenland erzählt worden. Wir haben dortauch der Mittel gedacht, durch welche es K. gelungen war, noch einmal auf kurzeZeit jene verhängnißvolle Ruhe herzustellen, welche seinem Falle vorherging. ZurVervollständigung jener Erzählung fügen wir hier noch die nähern Umstände seinerErmordung bei, welche mit den revolutionnairen Bewegungen des Landes und denZwecken der Opposition eigentlich nur in sehr mittelbarer Beziehung standen. InAugenblick n trüber Ahnung, vielleicht ergriffen vom Bewußtsein der Schuld oderniedergedrückt vom Gefühle der Ohnmacht, hatte K. selbst an die Möglichkeit sei-nes nahen und zwar gewaltsamen Endes gedacht, ohne sich jedoch die Art desselben