KapodWas (Familie) 631
auffallende Art, wie K. nach und nach seine Verwandten und Freunde von Korfuin den Staatsdienst zog und als Vertraute begünstigte, um so mehr Anstoß,je weniger diese Auserwahlten sich des Vertrauens der Nation würdig zeigten, dasder Präsident gleichsam stillschweigend für sie in Anspruch genommen hatte. Frei-lich offenbarte sich gerade dadurch das Mistrauen, welches er in den ersten Mona-ten seines Aufenthalts in Griechenland gegen Diejenigen aus dem Volke gefaßtbatte, die zufolge ihrer frühem Verhältnisse der Regierung nahe zu stehen glaub-ten, auf eine für beide Theile gleich nachtheilige Weise. Es schien, als habe mansich hier wie dort in seinen Erwartungen getäuscht, ohne sich selbst, viel weniger An-dern, diese Tauschung eingestehen zu wollen. Auf Seiten des Volkes trat an dieStelle des frühern Enthusiasmus bald eine gewisse Unbehaglichkeit, die man nurin Anerkennung des Guten, das in der That geschehen war und wozu man nochHoffnung hatte, absichtlich zu unterdrücken schien. Der Präsident dagegen sah inder daraus hervorgehenden Ruhe, welche reider die beginnende Verstimmung zwi-schen Volk und Regierung mehr verhüllte als beseitigte, die sicherste Bürgschaftfür den ungetheilten Beifall der Nation und für die Zweckmäßigkeit seiner Maß-regeln. Nur hieraus erklart sich, wie schon im Laufe des ersten Jahrs eine Oppo-sition entstehen konnte, ohne daß die Regierung auf ihr Dasein achtete, und daßselbst zur Zeit der Nationalversammlung zu Argos im Jul. 1829, welche als einerder entscheidendsten Momente in der Regentschaft des Grafen K. betrachtet werdenmuß, diese Opposition noch nicht so weit ausgebildet war, daß sie der bereits ein-gerissenen Willkür der Regierung offen entgegenzutreten gewagt hatte. Es hat-ten sich zwar schon längst hier und da über die Verzögerung der Nationalversamm-lung und die Wahlen der Abgeordneten, bei welchen der Präsident zur Erlangungder Majorität sich ungesetzlicher Mittel bedient haben sollte, mißfällige Stimmengeäußert; allein sie fanden neben der Procl-amation, welche K. zugleich mit demEinberufungsdecret an die Hellenen erließ, nur sehr wenig Anklang im Volke,aus welches überdies noch um dieselbe Zeit an mehren Orten des Peloponnes undauf einigen der bedeutendem Inseln die persönliche Gegenwart des Präsidenteneinen ihm sehr vortheilhaften Eindruck gemacht hatte. Dasselbe gilt von der Rede,welche K. bei Eröffnung der Nationalversammlung durch den Staatssecretair ver-lesen ließ, die über die gesammte Staatsverwaltung in den letzten achtzehn Mo-naten, über die diplomatischen Verhandlungen wegen der äußern Sicherstellungdes neugriechischen Staats, über Grundsätze und Mittel der Regierung in sehrbestimmten Ausdrücken ausführliche Rechenschaft gab und zugleich, in Betracht derSchwierigkeiten, welche die Regierung bei dem provisorischen Austande des Landeszu überwinden habe, die Nachsicht und mittelbare Hülfe der Volksvertreter in An-spruch nahm. Der allgemeine Beifall, welcher hierauf erfolgte und später noch inverschiedenen Adressen an den Präsidenten ausgesprochen wurde, gab kaum demGedanken Raum, daß eine nähere Prüfung der in der Rede dargelegten Resultateeigentlich Hauptzweck der Nationalversammlung fein solle; und so geschah es, daßZ- B. in den Angaben des Finanzetats offenbare Fehler völlig unberücksichtigt blie-ben, welche später von der Opposition um so schonungsloser aufgedeckt wurden,je mehr sie den Angrissen auf den Präsidenten zu einer rechtlichen Begründungdienen konnten. Betrachten wir überhaupt die Verhandlungen der Nationalver-sammlung zu Argos hier nur in Bezug auf die persönliche Stellung des Präsiden-ten, so konnte die Bestätigung uyd Erweiterung der ihm im Jan. 1828 übertra-genen Vollmachten nur dazu beitragen, ihn in dem bisher befolgten Systeme zubefestigen, so sehr auch dessen rein monarchische Tendenz mit den Bestimmungender frühem Verfassungsurkunden und den Wünschen des bessern Theils der Na-tion im Widerspruch stehen mochten. Dies zeigte sich sogleich in den ersten Schrit-ten der Regierung nach dem Schlüsse der Nationalversammlung, deren vorläufige