630 Kapodistnas Mamille)
ihn empfing, leicht aus dm Hoffnungen, die man an das Erscheinen eines Man-nes knüpfte, der neben einer lebhaften, auf natürliche Verhaltnisse gegründetenTheilnahme an Glück und Mißgeschick der Hellenen, sowol die seinem hohen Be-rufe genügenden Talente und Mittel zu besitzen, als auch durch seine eigenthüm-liche Stellung zu einer der vermittelnden Mächte eine baldige Erledigung der beider Begründung eines selbständigen neugriechischen Staats noch streitigen Punktezu verbürgen schien. Im Allgemeinen kann man daher als unbestreitbare That-sache annehmen, daß das griechische Volk, an sich für jedes Neue leicht empfänglich,den Planen des Präsidenten mit großer Bereitwilligkeit entgegenkam und zu ihrerAusführung nach Kräften hülfreiche Hand zu bieten wünschte. Die Zahl Derer,welche seine Ankunft im Stillen mit Mißfallen betrachten mochten, beschränktesich anfangs vielleicht nur auf den kleinen Kreis einiger herrschsüchtigen Primaten,denen eine gesetzliche Erhebung der übrigen Classen des Volkes, wie sie von derneuen Ordnung der Dinge zu erwarten war, immer nur als Beeinträchtigung ihrerfrühern Rechte erscheinen mochte, welche aber schwerlich je die Kraft und Formeiner systematischen Opposition erlangt haben würden, wenn nicht die Regierungselbst sich bald Blößen gegeben hätte, die den Angriffen ihrer geheimen und offenenGegner allerdings den Schein gegründeter Beschwerden leihen konnten. In derbereits gegebenen Darstellung haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß K. fürdie Begründung eines gesetzmäßigen Auslandes und die Einrichtung einer geord-neten innern Verwaltung, die er als die ersten Bedingungen der politischen Erhe-bung des jungen Staats betrachten mochte, die meiste Empfänglichkeit und Füg-samkeit auf Seiten des eigentlich schassenden Theils im Volke, bei der gewecbtrei-benden, ackerbauenden und handelnden Mittelclasse, zu erwarten hatte, wahrenddie zwar einflußreichern aber weniger fügsamen Classen der Primaten und der Krie-ger weit mehr in Bezug auf die Befriedigung ihrer vermeinten oder wahren An-sprüche in Betracht kamen. So natürlich es daher auch war, daß K. vorzugsweisedie Interessen jener ins Auge faßte, so gefährlich war es auf der andern Seite,^ daßer sogleich in den ersten Monaten seiner Verwaltung durch absichtliche Vernachläs-sigung einiger bedeutenden Primaten und Heerführer, welche eine ehrenvolle Be-rücksichtigung als schuldige Anerkennung ihrer dem Vaterlande geleisteten Diensteerwartet hatten, den, wie er glaubte, schädlichen Stolz und Ehrgeiz einer ganzenKaste zu demüthigen und seinem Willen unterthan zu machen suchte. Hierzu kam,daß K. sehr bald durch einige übereilte Handlungen und Versprechungen, welcheunerfüllt blieben, einen gewissen Mangel an tieferer Kenntniß und richtiger Be-urteilung der Verhaltnisse nur zu deutlich verrieth; sowie denn überhaupt seineersten formellen Einrichtungen in der Staatsverwaltung selbst von unbefangenenBeobachtern den Vorwurf einer zu einseitigen Anwendung der für streng monar-chisch geordnete Staaten geltenden Grundsatze, ohne Rücksicht auf die Verschieden-heit gegebener Zustände, namentlich den Charakter und die Wünsche des Volkes,sich zuziehen mußten. Wir erinnern in dieser Beziehung nur an das Versprechendes Präsidenten, die Nationalversammlung bereits im April einzuberufen undMorea ohne fremde Hülfe von Ibrahim Pascha's Truppen befreien zu wollen;die Errichtung des Panhellenions und der mit diesem in Verbindung stehenden
Behörden; die Einsetzung außerordentlicher Provinzialgouverneurs mit sehr aus-gedehnten Vollmachten; die schon im April zur Vervollständigung des regelmäßi-gen Truppencorps erlassenen Conscriptionsgesetze, deren Ausführung selbst untergünstigem Umständen nicht leicht möglich gewesen wäre; die Art und Weise, wieK. die Schisse der Hydrioten, die doch noch Privateigenthum waren, wider Willenihrer Besitzer für die Marine des Staats in Anspruch nehmen wollte; und dieMisgrisse, welche er bei Besetzung der wichtigsten Staatsamter oft bloß aus Voc-urtheil gegen die Tüchtigern chat. Namentlich gab in der letztern Beziehung die