6W Kapodistrias (Familie)
hatte einen entscheidenden Einfluß auf sein Schicksal. Die Provinz Oberyssel be- Irief ihn in die Nationalversammlung, wo seine ausgebreiteten Kenntnisse,' seineThatigkeit, sein fester Charakter, seine kraftige Beredsamkeit ihm Vertrauen undallgemeine Achtung gewannen. Zur zweiten Nationalversammlung ward ervon 14 Wahlcollegien gleichzeitig ernannt. Sein Ruhm stieg. Die Mäßigungaber, der er stets entschlossen treu blieb, führte ihn nach der am 22. Jan. 1798ausgebrochenen Bewegung mit mehren Gleichgesinnten in das Gefangniß, welches 'er erst nach mehren Monaten, als die entgegengesetzten Meinungen siegten, wieder B^verließ. Er lehnte die vortheilhaftesten und ehrenvollsten Anerbietungen ab, undbegab sich nach dem Haag, wo er ein Wechselgeschaft gründete, das er 12 Jahre '7! ^lang mit Erfolg leitete, bis wiederholte Schlagflußanfalle und die dadurch entstan-dene Schwache ihn nöthigten, sich zurückzuziehen und auch seine wissenschaftlichenBeschäftigungen fast ganz aufzugeben. Er gab indeß noch 1810 und 1811 in »'!MVerbindung mit Professor Siegenbeck eine Zeitschrift „Euterpe" heraus, zu wel- AOcher er mehre schatzbare Beiträge lieferte. Geehrt und geliebt, lebte er seitdem an-fangs zu Amsterdam, später auf seinem Landgute bei Zwoll, wo er am 7. Jul. .tzW1821 starb. Eine Auswahl feiner Reden und Dichtungen wurde 1826 von Sie- W«genb-ck zuHarlem, mit anziehenden biographischen Nachrichten über den Verfasser, Miiherausgegeben. K. war der erste Redner in der Nationalversammlung, und er '.Mlkann für den Schöpfer der Staatsberedtsamkeit in Holland gelten, dessen frühere .«WjEinrichtungen zur Ausbildung solcher Talente keine Gelegenheit gaben. (74)
Kapodistrias. Joannis Antonios, Graf, geboren zu Korfu imJahre 1776, stammte aus einem edeln Geschlecht?, welches schon seit dem An-fange des 14. Jahrhunderts aus den ionischen Inseln in Ansehen stand. Als nach-geborner Sohn für den Staatsdienst bestimmt, begab er sich zu seiner weitemAusbildung nach Italien und studirte vorzüglich zu Padua und Venedig die Heil-künde. Seine Rückkehr ins Vaterland fällt in die Zeit, wo Frankreich die alteVerfassung von Venedig gestürzt hatte und in Folge dessen (1798) unter demo-kratischen Formen seine Gewaltherrschaft auch über die ionischen Inseln ausdehnte.Der junge K. fand feinen Vater in französischer Gefangenschaft, und selbst, an-geblich wegen politischer Meinungen, mit der Verbannung bedroht; dieser Um-stand aber gab dem zweiundzwanzigjahrigen Jüstglinge die erste Gelegenheit, seine ^'geistige Gewandtheit zu zeigen, die er mit dem glücklichsten Erfolge für die Be- "freiung feines Vaters geltend machte. Als im Febr. 1799 Frankreich oie ionischenInseln der vereinigten türkischen und russischen Flotte überlassen mußte, wurdesein Vater an die Spitze der ionischen Deputation gestellt, welche nach Konftan-tinopel geschickt ward, um an den Verhandlungen über das weitere Schicksal derionischen Inseln Theil zu nehmen. Das Resultat war der Vertrag vom 20. Marz '->>s1800, welcher die Republik der sieben Inseln förmlich anerkannte und als der 'Pforte zinspflichtigen Staat unter den Schutz Englands und Rußlands stellte. ' AchHiermit beginnt des jungen K. politische Laufbahn. Schon 1800 erhielt er den ''Msebenso schwierigen als ehrenvollen Auftrag, die Verwaltung der Inseln Kephalo- 4^nia, Jthaka und Santa-Maura zu ordnen, und erfüllte denselben zu völliger Zu-friedenhcit. Seit dieser Zeit blieb er fortwährend Mitglied der Regierungpublik, und war in den Jahren 1802 — 7 zuerst Minister des Innern, dann Munister der auswärtigen Angelegenheiten, der Marine und des Handels, und erhuüauch feit 1806 wesentlichen Einfluß auf das Kriegswesen. Besonderes Verdiengerwarb er sich durch die Errichtung einer Normalschule, in welcher auch die bishersehr vernachlässigte Muttersprache unter die Lehrgegenstande aufgenommen tvurd».'Als 1807 Ali Pascha von Janina, der sich früher bereits mit Hülfe der Franzisen der unter dem Schutze der ionischen Republik stehenden Küstenstädte Bu-
tn'nto, Vonizza und Prevesa bemächtigt hatte, auch Santa -Maura anzugreif.n