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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
616
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616 Junot

von 219 Stimmen gegen 33 angenommen. Die Pairskammer trat an den,selbenTage dem Beschlüsse bei; einige Pairs verzichteten sogleich auf die PairswürdeAm lebhaftesten sprach Chateaubriand (s. d.) für die Rechte des Herzogsvon Bordeaux. Rur ein Artikel der neuen Charte, welcher die Nichtigkeit derPairsemennungm Karls X. aussprach, ward der hohen Weisheit des PrinzenReichsverwesers anHeim gestellt. Von 114 Stimmen erklarten sich 89 für, Z(jgegen die übrigen Bestimmungen; 14 Zettel waren unbeschrieben, einer zahlte nichtmit. Um 5 Uhr Nachmittags zog die Kammer der Deputirtcn nach dem Palais,Royal und übergab die Erklärung der Kammer, welche die neue Charte von1830 (f. d.) enthielt, dem Reichsverweser. Lafsitte las die neue Verfassungs-Urkunde vor. Der Reichsverweser nahm sie an und umarmte Lafsitte. Die Be-geisterung Aller im Palaste, der Jubel des Volkes von Außen feierte den großenAugenblick. Jetzt erschien der Herzog mit dem General Lafayette aus demBalcon. Beide wurden mit lautem Zuruf begrüßt. Noch höher stieg der Ju-bel, als die Herzogin ihre Kinder dem Volke vorstellte. Ergriffen von dieser all-gemeinen Erhebung der Gemüther, sagte Lafayette:Wir haben ein gutes Werkvollbracht. Sie sind der Fürst, den wir haben müssen. Das ist die beste der Re-publiken !"

An demselben Tage, den 7. Aug. Abends 10 Uhr, überbrachte auch diegroße Deputation der Pairskammer ihren Präsidenten, den Baron Pasquier,an der Spitze, ihre Adresse, in welcher sie den Herzog von Orleans als denneuenVürgerkönig" begrüßte. Am 9. Aug. kündigte Kanonendonner unddie marseiller Hymne die Thronbesteigung an. Der Herzog beschwor in derSitzung der vereinigten Pairs- und Deputirtenkammer die neue Verfassungs-urkunde und nahm hierauf, als Ludwig Philipp I., König der Fran-zosen, den erledigten Thron ein. Der Jubel des Volkes erstickte den Ingrimmder beiden entgegengesetzten Parteien, die, seitdem als Karlisten und als Repu-blikaner zu Factionen erwachsen, Frankreichs Ruhe erschüttert haben. NapoleonsAnHanger theilten sich unter beide. Selbst unter den Männern der Revolutionund des neuen Volkskönigthums erhoben sich gefahrliche Gegner. Einige, wieCormenin, fragten, wenn das Princip der Volksfouverainetät der Rechtsgrundder neuen Staatsform sei, wann habe sie denn die Sanction von dieser Souverai,netät erhalten? Und was habe sie selbst gethan und geleistet, um dem Vertrauender Nation zu entsprechen? Als hierauf das luste miüeu das Stichwort plat-ter Angriffe geworden war, so verfolgten Spott, Verachtung, Haß den neuen Bür-gerkönig. Ludwig Philipp verlor seine Popularität. Allein er hatte Frankreich vomBürgerkrieg und von der Anarchie gerettet. *) (7)

Junot (Laurette), Herzogin von Abrantes, Witwe des Marschalls Junot,ist die Tochter eines Finanziers, Namens Permon, welcher mit Necker in engerVerbindung stand. Ihre Mutter war eine Corst'can>erin, aus der Familie derKomncnen, die sich auf ihre Verwandtschaft und sogar auf ihre Abstammung

*) Außer den im Artikel Frankreich und in diesem Artikel bereits ange-führten Schriften, verweisen wir noch auf folgende. 1) Cabet'sRevolution de 1830et situstion präsent« (Sept. 1832), expliguäes et äolairäes par les rävolutionsde 1789, 1792, 1799 et 1804 et par la restauration" (Paris 1832). Der Ver-fasser ist Deputirter des Departements der Goldküste und gehört zur Opposition.L) Rozet'sOttronchue de luillet 1830" (2 Thle., Paris 1832). 3) AlexanderMazas' ,,8aint-OIuud, Raris et Ollerbourg. Uämoires pour servil' a l'distoire«le la revolution de 1330" (Paris 1832). Der Verfasser nennt sich auf dem Titelseeretaire du clernier Präsident du eonseil des ininistres nommäs par Oliarles X.Seine Schrift enthält vorzüglich den etwas einseitigen Bericht über die im Art. er-wähnte Sendung des Herzogs von Mortemart am Ende der Zuliuswoche, und neueDetails über die Reise nach Cherbourg.