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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
612
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612 Juliusrevolution

stießen sie auf die Insurgenten; nach einem fünsviertelftündigen Gefecht kam derMarschall in St.-Cloud an, wo der König nur von einer kleinen Anzahl Trup-pen noch umgeben war. Die Minister selbst hatten sich schon am 28. nachSt.-Cloud geflüchtet. Hier herrschte jetzt die größte Unentschlossenheit. Kurzvorher, ehe Marmont nach St.-Cloud abzog, kam bei der Commission auf demStadthause eine Deputation an, die aus Argout, Semonville und Vitrol-les bestand. Sie erklarte im Namen Karls X., daß er die Ordonnanzen zurück-genommen und ein neues Ministerium gebildet habe: Casimir Perier solle dieFinanzen und Gerard das Kriegswesen erhalten. Darauf antwortete AudrydePuyraveau:Den ganzen Tag hörten wir den Ruf des Volkes: Nieder mitden Bourbons! Wir haben Ihnen nichts weiter zu sagen." Mauguinfügte hinzu:Es ist zu spat." Nun begab sich Argout zu Lafsitte, bei demdie Deputirten versammelt waren. Auf denselben Antrag im Namen Karls X.erwiderte Lafsitte, als Präsident der Versammlung:Gestern haben wir dieAussöhnung vorgeschlagen. Man bewilligte nichts. Die Waffen sollten ent-scheiden. Wir haben gesiegt. In Zukunft gibt es keinen Karl X., König vonFrankreich, mehr. Sie wollen unterhandeln. Wir antworten: Es ist nichtmehr Zeit." Argout bemerkte, daß nach der Constitution die Fehler den Mi-nistern zur Last sielen; der König konnte betrogen werden. Da wandte sichLafsitte zu den Deputirten:Sie glauben ohne Zweifel, meine Herren, es seiunnöthig, daß dieser Herr hier langer verweile." Hierauf ging Argout fort.Bald nachher erschien Forbin-Janson und verlangte ein sicheres Geleit für denHerzog von Mortemart, den KarlX. zum Präsidenten des neuen Conseils ernannthabe und der nach Paris in die Deputirtenversammlung sich begeben wolle. DieDeputirten erklärten, daß sie die Ankunft Mortemart's bis ein Uhr Morgens er-warten wollten. Mortemart kam nicht. Im Stadthause regierte Lafayette;ihm stellten sich die Deputationen vor. Sollte er befehlen oder entscheiden, sofragte er stets seine Amtsgenossen um ihre Meinung. Unter ihm leiteile Laborde,als Präfect von Paris, die Stadtverwaltung. Am 30., Freitags, war Parisruhig ; man begrub die Tobten. An diesem Tage sandte Lafsitte Boten an denHerzog von Orleans. Fast alle Deputirte waren bei ihm versammelt. Da er-schien Broglie.Was sollen wir thun. Man spricht von einer Republik. DieJugend ist zu weit gegangen."Nur ein Mittel", sagte Lafsitte,gibt es, umdie Republik zu vermeiden; man muß den Herzog von Orleans proclamiren."Einige widersprachen. Dupin der Ältere stimmte lebhaft für den Fürsten. Manbeschloß endlich, als Kammer zusammenzutreten. So entschied die Aristokratieder Talente und des Reichthums die Erhaltung des Staats, der Monarchie unddes öffentlichen Credits: denn bei der Berufung der UrVersammlungen der Wählerstand Alles auf dem Spiele; im Gefolge der Republik Bürgerkrieg, auswärtigerKrieg, Anarchie, Umwälzung des Privatvermögens und der Nationalbankrott.

Es gab eine Partei Orleans*); allein es ist kein Beweis vorhanden, daßder Herzog sie begünstigte oder leitete. DerNational" war, unter den Händenvon Thiers und Mignet, das Organ dieser Partei gewesen. Während nun dieDeputirten über Lafsitte's Vorschlag den Beschluß faßten, wurde ein von Thiersin diesem Sinne entworfener und von Mignet verbesserter Aufsatz, den auch Lar-reguy und noch ein vierter Journalist, die sämmtlich bei Lafsitte versammelt waren,in dasckournal clu commerce" und den(lonstitutionnel" einzurücken verspra-chen , imNational" und in andern Journalen abgedruckt. Von Lafsitte veran-laßt, unterstützte Larreguy denselben Vorschlag in dem Club Lointier (einemCaffcehause), wo sich mehre freisinnige Wähler versammelt hatten. Hier spra-ch Dies behauptet Marrast. Thiers und Andere leugnen dies aufs Bestimmteste.Bgl- Ludwig Philipp.