Juliusrevolution
611
Zimmer und Baude eine Proklamation, welche der Regierung den Gehorsamaufkündigte. Aber schon war der Veteran der Freiheit zweier Weltthcile, Gene-ral Lafayette, zum Oberbefehlshaber der Nationaltruppen erwählt. Er zog jetztunter dem Jubel des Volkes und von begeisterten Jünglingen umgeben nach demStadthause, wo er förmlich mit der Militairgewalt beauftragt wurde. An dem-selben Tage errichteten die in Paris versammelten Deputirten, von denen mehre,wie Dupin, Se'bastiani, Casimir Pe'rier, Guizot U. A., bisher in ihrem Ent-schlüsse geschwankt und keine Jnsurrection gewollt hatten, eine provisorische Re-gierung, die aus Lafayette, Gerard und dem Herzog von Choiseul, — sodanneine Municipalcommission, welche aus Audry de Puyraveau, Lafsitte, Lo-bau, Mauguin, Casimir Perier und von Schonen bestand. Zu provisorischen Mi-nistern wurden ernannt: der Herzog von Broglie, Minister des Innern; Bignon,Minister des Äußern; Baron Louis, Minister der Finanzen; Dupont de l'Eure,Minister der Justiz; General Gerard, Minister des Kriegs; Admiral Truguet,Minister der Marine; Guizot, Minister des öffentlichen Unterrichts. Bavouxwurde Polizeiprafect, und Graf Alexandre de Laborde Prafect der Seine.
Unterdessen dauerte der Kampf mit der größten Erbitterung fort. Knabenund Frauen mischten sich in die Scharen. Jene entwaffneten einzelne Soldaten,diese verbanden die Verwundeten. Überall brachte man den Bürgern Speise,Trank, Hülfe, während es den Truppen an Allem fehlte. *) Diese zogen sichmit großem Verluste in den Louvre und die Tuilerien zurück. Den Louvre ver-teidigten die Schweizer mit großer Tapferkeit; er ward nach 11 Uhr Morgenserobert, und um 1 Uhr war das Volk, welches die Tuilerien zwei Mal genommenund wieder geräumt hatte, auch dieses Palastes Meister. Die von Marmontzurückgelassenen Schweizer streckten, als sie ohne Munition und Lebensmittelwaren, da«; Gewehr. Die Tuilerien wurden ausgeplündert"), auf den ThronKarls X. ward ein Leichnam gesetzt und vom Mittelpavillon wehten zwei dreifar-bige Fahne n. So war um 2 Uhr am 29. Jul. der Kampf geendigt. Man um-armte sich, und Jedermann ging mit dreifarbiger Cocarde friedlich durch dieStraßen. Dieser Sieg des Volkes über die königlichen Truppen wird, außer denschon angeführten Ursachen des physisch und moralisch ungleichen Kampfes, auchnoch durch Folgendes erklärbar. Der Marschall Marmont erhielt die Nachricht,daß 20,000' Insurgenten aus Rouen auf St.-Cloud marschirten, wo sie am 29.ankommen würden. Die Nachricht war erfunden; allein nur zu gewiß war es,daß einige 2 9,000 Insurgenten am äußern nördlichen Boulevard sich zusammen-zogen, um sich mit den in vollem Aufstande begriffenen Einwohnern von Passy,Auteuil, Sevres und St.-Cloud zu verbinden. Das Leben des Königs schienbedroht zu sein. Daher befahl der Marschall den Truppen, Donnerstags den29. halb 12 Uhr, den Louvre und die Tuilerien zu räumen und durch dieChamps Elysees nach St.-Cloud zu marschiren. Bei dem großen Sternbogen
nannt; er- trug zuerst die dreifarbige Cocarde, ließ die dreifarbige Fahne wehen"nd nahm das Stadthaus ein. Er schlug am 29. den von Marmont vorgeschlage-ne Wuffemstillftand ab. Lafayette dankte ihm für seine Leistungen in der Stundeoer G^hr durch den Tagsbefehl vom 8. Aug.
) v.nter die Soldaten des fünften Infanterieregiments soll man rothgefärbtes^ ' mit Brechmitteln vermischt, vertheilt haben.
) Alle katholischen Seminarien und die zur Vertheidigung verrammelten Häuserurd m geplündert; ebenso in der Folge die Paläste von St.-Cloud und Ltambouil-/ .Wenn die liberalen Journale behaupten, daß überhaupt nicht geplündert, nurk! stört worden sei, so widersprechen alle andern Blätter. S. ,,Loup ll'oeil surler (le Paris (zweite Aufl., Paris 1832). Nur die polytechnischen Schü-
b«s> ^-^/beten da, wo sie Befehlshaber waren, nicht zu plündern, außer im erz-°'"tz°fl!chcn Palaste und w den Tuilerien.
39 *
'!W-