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Iuliusrevolution
mit einer über ganz Frankreich ausgebreiteten Aristokratie der Talente und desReichthums, die, unter der geheimen Leitung eines Oomite ckirecteur, der Con-gregation, di? den Hof lenkte, planmäßig entgegenwirkte, die sich in den meistenJournalen beredt aussprach, und die in der Adresse der 221, für die neue Kam-mer 1830 abermals gewählten Deputirten einen mächtigen Stützpunkt der öf-fentlichen Meinung hatte. Jetzt mußte entweder die Presse abermals gefesseltund die neu gewählte Kammer aufgelöst oder das ganze Ministerium mußte imSinne des Volkes verändert werden. Da beschloß KarlX., auf den Rath derCongregation, an deren Spitze der Cardinal Latil, Erzbischof von Rheims, standum, wie er glaubte, den Thron und den Staat zu retten, durch die Ordonnanzenvom 25. Jul. den Widerstand der öffentlichen Meinung zu vernichten. DieFreiheit der periodischen Presse ist suspendirt; die Kammer der Deputirten istaufgelöst; die Kammer der Deputirten soll einzig aus Deputirten der Departe-ments *) bestehen: so lauteten die Bannsprüche der absoluten Gewalt, welchebestehende Gefetze umwarf und die Charte in ihren Grundlagen erschütterte. Fort-an sollte keine Zeitschrift ohne Staatsbewilligung erscheinen; alle Pressen undSchriften derjenigen Journale, welche sich einer Übertretung der königlichen Or-donnanz schuldig machten, sollten zernichtet werden. Sämmtliche Wahlen derNationalreprafentation wurden durch einen Machtbefehl für ungültig erklart, ehenoch die bereits neu gewählte und zum 3. Aug. einberufene Kammer versammeltwar. Das bisherige Wahlgesetz ward durch den Willen des Königs aufgehobenund die Zahl der Deputirten von 430 auf 258 herabgefetzt. Die Ordonnanz be-schränkte nämlich die Bezirkscollegim auf den Vorschlag von Candidaten. Pariswar wie versteinert, als es am 26. früh die Ordonnanzen im „Boniteur" las. Soviel Kühnheit hatte es der Dynastie nicht zugetraut. Der erste Tag war ru-hig; die Renten sielen und der Polizeipräfect Mangin bedeckte die Mauernmit dem Anschlage der Preßordonnanz. Aber die Gährung sing an, sowie dasAeichen zum Widerstande von denjenigen Männern gegeben worden war, welchedie erste Ordonnanz dem königlichen Machtgebote unterwarf— von den Schrift-stestern der periodischen Presse. Große Werkstatten wurden geschlossen; dieDruckerherren entließen ihre Arbeiter; doch einige Journalisten, der „'flemps"(Coste) und der „National" fs. Carrel) trotzten dem Verbote. In dem Bureaudes „National" wurde am 26. die Protestation der Aeitungsredactoren gegen dieUngültigkeit der Ordonnanzen, zuerst von Coste, dann von 43 Schriftstellernunterzeichnet. Darauf drang die Polizeigewalt in die Häuser der Journalisten undversiegelte oder zerschlug die Pressen des „National", des „Pemps", deS„?>?aro",des „lournsl ein commerce". Die Journalisten foderten den Schutz der Gesetzeauf, und der Vorstand des Handelsgerichtshofes, Velleyme, erklärte, daß dieJournalisten das Recht hätten, ihre Blätter fortzusetzen, bis auf ihr Ansuchenum Erlaubniß entschieden sein würde, die Drucker seien daher verpflichtet, dieJournale fortzudrucken. Unterdessen durchzogen Tausende von entlassenen Ar-beitern die Straßen; Lehrlinge und junge Leute — denn diese begannen eigentlichdie Revolution — lärmten und schrien; die Haufen wurden immer größer; Allesströmte nach den öffentlichen Plätzen, vorzüglich nach dem Palais-Royal. Hierwaren Transparents gegen die Minister und die Jesuiten zu sehen. Man hörteden wilden Ruf: Tod den Ministern; es lebe die Charte! In dem Hotel desMinisters Polignac warf man die Fenster ein. Bayonette trieben zwar das Volkaus einander; allein die Erbitterung wuchs. Widerstand wurde die Losung. DerKampf begann am Diensttage, den 27. Jul. Die Polizei sollte den Beistandder bewaffneten Macht aufrufen. Mangin erhielt unmittelbar von Polignac Ver-
*) Auf diese Wahlen hatte die Regierung Einfluß, indem die Entwerfung derWahllisten von der Willkür der absetzbaren Verwaltungsbeamten abhing.
MV