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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
609
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Juliusrevolution

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MW

Haltungsvorschriften. Einige vierzig Verhaftsbefehle wurden erlassen, die verant-wortlichen Herausgeber sollten nach dem Gefangnisse la Fdrce geführt werden.Der Marschall Marmont hatte schon am 25. durch eine vonPolignac allein unter-zeichnete Ordonnanz den Oberbefehl in der ersten Militairdivision erhalten. DieMssenmacht sollte Unterwerfung erzwingen. Polignac erwartete jetzt den Ruf:Gnade! zuhören; das Volk schrie: Rache!

Der1'emps" hatte sich der Gewalt nicht unterworfen. Seine Blatterwurden überall verbreitet. Die Polizei drang endlich mit Gewalt ein, wahrenddie Drucker ihr Blatt aus den Fenstern unter das Volk warfen. Zu derselben Zeitversammelten sich die in Paris anwesenden Deputirten von der liberalen Parteiin dem Hause Casimir Perier's. *) Aber erst am 28. bei Audry de Puyraveauunterzeichneten 62 Deputirte eine von Guizot verfaßte Adresse, in welcher sie gegendie gesetzwidrigen Ordonnanzen protestirten. Auch beschlossen sie, eine Commissionan den Marschall Marmont zu senden. Auch einige fünfzig Pairs versammeltensich bei dem Herzoge von Broglie, faßten eine Proteftation ab und beschlossen eineVorstellung an den König wegen Zurücknahme der Verordnungen. Die allge-meine Entrüstung, der Unwille der höhern und gebildeten Classen gab dem auf-gebrachten Volke Ecmuthigung und Anregung. Wassenmagazine wurden geleertund Jedermann eilte mit Waffen aller Art auf die öffentlichen Platze. Zettel mitden Aufschriften: Es lebe die Republik! Es lebe Napoleon II. , wurden vertheilt.Mannes: Auf, nach St.-Cloud! Fort mit den Bourbons! Nun bot die Regie-rung die bewaffnete Macht auf: die königlichen Garden, die Schweizer, dieGendarmerie und einige Regimenter Infanterie. Im Palais-Royal floß daserste Blut. Nach einem hartnäckigen Kampfe zerstreuten einige Kartatschenschüssedas Volk. Aber noch des Nachts zogen Haufen Volkes durch die Straßen, rissendie königlichen Wappen und Namenszeichen ab, zerschlugen die Laternen, plün-derten die Pulvervorrathe, die Laden der Waffenschmiede, rissen das Pflasterauf und thürmten Barrikaden**) auf. Die Wuth des Volkes wandte sich vorzüg-lich gegen den erzbischöflichen Palast, welcher ganz ausgeplündert wurde. Amfolgenden Morgen, am 28., ward Paris in Belagerungszustand erklart. Aberschon hatte das Volk sich der Kirchthürme bemächtigt und lautete Sturm. Aufder Kirche Notre-Dame wehte die dreifarbige Fahne. Bürger, welche zu derehemaligen Nationalgarde gehört hatten, eilten, die Waffen in der Hand, an dieSpitze der Kampfenden. Auch aus der polytechnischen Schule stürzten sich etwa4l) Zöglinge in das Getümmel; die übrigen folgten. Mehr strömten aus derVeterinair- und aus der Nechtsschule u. s. w. herbei. Man fällte die Bäumeauf den Boulevards, um die Neitereä aufzuhalten. Wagen, Fässer, Geräthe

Schon am 26. Abends hatten sich bei Laborde acht Deputirte versammelt,^Casimir auf den folgenden Tag zu sich einlud.

) Die Barrikaden (s.d.) sind kein neues Eapitel in der Kriegskunst. Indem^auskämpfe der Pariser machen sie Epoche; daher führen wir Folgendes an. ManMte am 81. Jul. in Paris, ungerechnet die Verrammelungen aus den Bäu-Boulevards, aus Zimmerholz, Wagen, Hausrath, sogar aus Leichen,s. Barrikaden aus Pflastersteinen, zusammen 125,000 Metres aufgerissenes Pfla-, oder ^ des gesammten Pflasters. Jedes Quadratmetre enthält 25 Steine;. ganze Summe der von der Stelle gerückten Steine beträgt demnach 3,125,000SoÄt' 1°"^ ^at das Volk, das Gewicht eines Pflastersteins im Durchschnitt zuQi-> 5m- gerechnet, in 24 Stunden eine Last von 156,250,000 Pfunden bewegt,ris Pflasters hat 250,000 Francs gekostet. Es gibt in Pa-

andkrn Straßen, 26,000 Häuser und 6000 Laternen, jede 62 Meter von der?lra>s ^^ernt. Die Unterhaltung jeder Laterne kostet der Stadt jährlich 106selben ), x Anschaffung halb so viel. Man schätzte die Beschädigung der-

von "DM0 Francs. So kostete dem pariser Gemcinderathe die Revolutionolos an Pflastersteinen und Laternen an 270,000 Francs.o"v.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. II. ^

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