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604 Jordan (Sylvester)
Eintracht lebten, in der Nahe seiner Heimath genoß, nahm er von ihnen undseinen Geschwistern sür immer Abschied. Vor seiner Abreise wollte er die Geist-lichen besuchen und sie um die Ursache ihres lieblosen Benehmens gegen ihnbefragen. Kaum hatte er den Pfarrhof betreten, als ihm zwei Priester mit Flüchenentgegenkamen, ihm geboten, ihre Wohnung zu verlassen, und ihm drohten ' ^durch Sturmlauten die Gemeinde aufzubieten und ihn todtschlagcn zu lassen^wenn er sich nicht binnen einer Stunde auS dem Dorfe entfernte. Nach seinerRückkehr aus Tirol trat I. die ihm angebotene Anstellung bei dem Landgerichtein Rosenheim an, die er aber bald wicderaufgab, um eine Hauslehrerstelle inMünchen anzunehmen und die nöthigen Vorbereitungen zu einem künftigen festenLebensberufe zu treffen. Als er sich um eine Lehrerstelle an einem Lyceum bewarb,riethen ihm einige wohlwollende Männer das begonnene Studium der Rechts-wissenschaft zu vollenden, und versprachen ihm eine Unterstützung aus öffentlichenMitteln. Er ging im Herbste 1815 wieder nach Landshut, wo er besonders unterMittermaier's Leitung sich bildete, und als er 1817 die juristische Doctorwürdeerhalten hatte, bei dem dortigen Landgerichte als Sachwalter auftrat und sichvielfaltig in praktischen Rechtsgeschäften übte. Ein Zwist mit dein Vorstanddes Landgerichts, wozu J.'s Offenheit und Hitze Anlaß gab, endigte sein Dienst-verhaltniß, und er war im Begriff in Berlin sein Glück zu suchen, als er aufMittermaier's Empfehlung den Antrag erhielt, die umfassende Geschäftsführungeines Sachwalters in München zu übernehmen, wohin er im April 1818 sichbegab. Er lebte dort in einer einträglichen Thätigkeit und in den angenehmstengeselligen Verhältnissen, im freundschaftlichen Umgange mit mehren ausgezeich-neten Männern. Das Ziel seines Strebens war indeß ein öffentliches Lehramt;er überzeugte sich aber bald, daß er es in Baiern nicht erreichen werde. Der Erfolgseiner Bewerbung in Landshut war für ihn entscheidend. Trotz der Unterstützung,die ihm das Ministerium zusagte, erklarte sich der akademische Senat, in welchemer unter den juristischen und theologischen Mitgliedern entschiedene, seit Mitter-maier's Abreise desto machtigere Widersacher hatte, gegen sein Gesuch, und daman ihn nicht unbedingt abweisen wollte, berief man sich auf ein Gesetz, nachwelchem jeder, der als Privatdocent Anstellung suchte, sich zuvor einer Prüfungbei dem Lyceum zu München unterwerfen sollte. I., der eine solche Prüfungfür entehrend halten mußte, bat um eine förmliche Abweisung, damit mannicht, wenn er Baiern verließe, das vom Staate empfangene Stipendium zurück- '»Afodern könnte. Als diese Angelegenheit erledigt war, erhielt er eine Einladung, Hin Heidelberg als Privatdocent aufzutreten, und nachdem er kurze Zeit für einen tzizSachwalter in Frankfurt am Main die Geschäfte geführt hatte, eröffnete er imHerbst 1820 seine Vorlesungen in Heidelberg, wo er bis zum Sept. 1821 blieb, ichals er den Ruf zu einer außerordentlichen Professur der Rechte in Marburg ichannahm. Im folgenden Jahr ward er ordentlicher Professor und Beisitzer des ^Spruchcollegiums. Als er 1826 das Prorectorat niederlegte, kam sein Freund, chder berühmte Palaograph Kopp durch Marburg, und ließ sich von I. unter die aka< Hdemischen Bürger aufnehmen, um dem Fackelzuge, den die Studirenden dem ver-ehrten Lehrer zum Beweise ihrer Zufriedenheit mit seiner Amtsverwaltung bringen ^wollten, sich anzuschließen, und erschien dann bei dem Zuge an ihrer Spitze. J.'serste schriftstellerische Leistung war der, von der Universität zu Landshut mit einemPreise gekrönte Versuch über die Frage: „Ist die Eintheilung der Philosophiein theoretische und praktische gültig, wenn die Philosophie in ihrem tiefstenGrunde aufgefaßt werden soll?" (München 1816.) Seit er als akademischerLehrer aufgetreten, hat er, außer einigen Gelegenheitsschriften und mehren gehalt-vollen Beiträgen in Pölitz's „Jahrbüchern für Geschichte und Staatskunst", im„Archiv für civilistische Prapis", im „Neuen Archiv des Criminalrechts" und