Jordan (Sylvester)
Bußpredigt gesagt hatte, daS Höllenthor, bei welchem stets ein Jesuit Thorwärtersei, könne nie geschlossen werden, weil fortwahrend so viele Verdammte hinein-flögen, als bei Schneewetter Flocken vom Himmel sielen. Bußübungen, Betenund Selbstqualen legte er sich nun auf, und jede Arbeit war ihm erwünscht, jeschwerer und niedriger, desto willkommener. An jedem Sonntage ging er zurBeichte, betete stets, wenn er allein war, warf sich in der dunkeln Kammer oderin sinstern Wäldern vor dem Bildniß der Jungfrau Maria nieder, das er stetsbei sich trug, und geißelte sich ihr zu Ehren oft mit einer Dornruthe bis auf dasBlut. Entschlossen sich dem geistlichen Stande zu widmen, wendete er sich imBeichtstuhle an den Pfarrer zu AxamS, durch welchen eben jener Priester, dessenernste Worte einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht halten, mit dem VorsätzedeS Knaben bekannt wurde. Reich und wohlthätig, nahm der Priester, der J.'sstrenges Büßerlebcn schon lange mit Wohlgefallen bemerkt hatte, sich seiner an,und bewog einen Priester in Axams, den Knaben in den Grundlagen der deutschenund lateinischen Sprache zu unterrichten. Später, als dieser Lehrer geisteskrankwurde, mußte I. zu einem andern Priester in einem benachbarten Dorfe gehen, demer für den empfangenen täglichen Unterricht bei der Messe diente und die Stiefelputzte. So vorgebildet, verließ er 1806 das älterliche Haus, das ihm die Vor-würfe des VatcrS verleideten, der mit dem gewählten Berufe des Knaben sehrunzufrieden war, und kam durch seines geistlichen Gönners Vermittelung in dasGymnasium zu Jnnspruck, wo er unter der 'Aussicht des Pfarrers Felderer stand,während sein Oheim Franz ihm die Unterstützung wohlthätigcr Menschen ver-schaffte. In dem ersten Schuljahre setzte er seine strengen Andachtsübungen eifrigfort; als aber sein Verstand sich aufhellte, erwachten Zweifel an der kirchlichenGlaubenslehre in seiner Seele, und nur seine religiöse Gemüthsstimmung konnteihn vor völligem Unglauben bewahren. Den geistlichen Eiferern in Jnnspruckund in der Umgegend seiner Heimalh blieb seine Umwandlung um so weniger ver-borgen, da I. seine Ansichten nicht verheimlichte, und sie meinem Aufsatz „Christusund Sokrates, eine Parallele" darlegte, den er bei einer Schulfcierlichkeit öffentlichdcclamirte und durch welchen er sich viele Feinde zuzog. Die Aufhebung der Uni-versität zu Jnnspruck, statt welcher blos eine theologische Schule blieb, veranlaßteihn Tirol zu verlassen, und er ging 1841 nach München, wo er bis 1813 seineStudien fortsetzte und in Weiller einen vaterlichen Freund fand, der auf seineBildung den wohlthatigsten Einfluß hatte. Er bezog 1813 durch ein aus Jnn-spruck erhaltenes Stipendium unterstützt, die Universität Landshut, um sich derRechtswissenschaft zu widmen. Als Tirol 1844 an Ostreich zurückgefallen war,begab I. sich nach Wien, wo er eine Hofmeisterstelle erhielt und die rcchtswissen-schaftlichen Vorlesungen aus der Universität besuchte. So wohlwollend er dortvon mehren ausgezeichneten Männern aufgenommen wurde und ungeachtetman ihm die Aussicht eröffnete, bei der bevorstehenden neuen Einrichtungder Universität zu Pavia eine Lehrcrstelle zu erhalten, so fühlte er sich dochw Wien um so mehr beengt, da die auswärtige Literatur ihm unzugänglichwar, und bei den stereotypen Grundsätzen, welche im Gebiete des philosophi-schen ForschenS allein vorgetragen werden durften, für das Gedeihen des höhernwissenschaftlichen Geistes sich nichts erwarten ließ. Er verließ Wien im April1845 und ging nach Salzburg, wo er den Antrag zu einer einstweiligen Anstel-lung in Baiem erhielt. Ehe er in dieses Dienstverhältniß trat, reiste er nach^wol, hauptsächlich in der Absicht, seine Angehörigen zu beruhigen, da vielegeistliche in einer Versammlung ihn förmlich in den Bann gethan und feinenAirern gesagt hatten, daß ihr Sohn ein Lutheraner und Gottesleugner gewordenund als verdammt zu betrachten sei. Bei einem festlichen Mahle, das er mitseinen Altern, die, einem früher ihm gegebenen Versprechen treu, in glücklicher