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Jordan (Sylvester)
Jordan (Sylvester), Professor der Rechte zu Marburg, ward am30. Dec. 1792 zu Omes, einem zum Dorfe Axams gehörigen Weiler unweitJnnspruck geboren, und feit früher Jugend allein in die Schule des Lebens ge-wiesen, um ihr Alles zu verdanken, was er geworden und was er ehrenvollgeleistet. Sein Vater war ein armer Schuhmacher und, wie seine Mutter, desLesens und Schreibens unkundig, konnten die Altern ihm, dem jüngsten unteracht Kindern, außer einem dürftigen Glaubensunterrichte, keine Erziehung geben.In» siebenten Jahre besuchte I. wahrend eines Winters die schlechte Dorfschule zuAxams, wo er es nicht einmal zum Lesen brachte; im nächsten Sommer aber kamer mit Hülfe seines altern Bruders und durch Unterstützung der Kunden, die beiseinem Vater arbeiten ließen, nach und nach so weit, daß er im Stande war,seinen Altem die sonntäglichen Evangelien aus einem von ihm selbst gekauften -iBuche vorzulesen. Auch das Schreiben lernte er durch eigne Anstrengung. DenAnstoß zur Selbstbildung und manchen wohlthatigen Einfluß verdankte er seinesVaters Bruder Franz I., der ein beliebter Volksdichter, unter dem Namen desaxamer Schufters in ganz Tirol bekannt war, und sogar Theaterstücke für dasLandvolk schrieb, deren Stoff er aus den Legenden der Heiligen oder aus dem wirkli-chen Leben nahm. Im neunten Jahre wurde I. zum Schuhmacherhandwerk ange-halten, das er auch vollständig erlernt und bis in sein dreizehntes Jahr mit seinemVater und seinem altern Bruder ausgeübt hat. Dabei mußte er die schwerstenwirthschaftlichen Arbeiten auf einigen Äckern und Wiesen verrichten, welche seineAltern, weil sie kein Zugvieh halten konnten, mit Hülfe ihrer Kinder bearbeiteten,und selbst um Taglohn mußte er als Arbeiter auf der Dreschtenne und bei demFlachsbrechen dienen. Die harten Prüfungen seiner Jugend wurden.durch haus-liche Zwistigkeiten erhöht, da sein Vater, sonst ein geachteter Mann und eingeschickter Handwerker, durch körperliche Leiden verstimmt und zu angestrengterThätigkcit unfähig gemacht, seinen Mismuth oft durch hitzige Getränke betäubte,und wenn er in aufgereizter Stimmung heimkehrte, seine Frau und seine Kindermishandelte, zuweilen sogar zur Flucht nöthigte. Diese unglücklichen häusli-chen Verhaltnisse, die erst spater, als der altere Bruder die Sorge für das Haus-wesen, thätiger wirkend, in seine Hand nahm, einem friedlichem VernehmenPlatz machten, hatten auf J.'s Bildung einen wesentlichen Einfluß. Erward in sich gekehrt, zur Schwermuth gestimmt, in seinen Gefühlen seltsamangeregt und zum Nachdenken über die Pflichten eines Hausvaters veranlaßt.Der Unfriede im Hause weckte in ihm die Sehnsucht nach dem Gegenthcil,und so ward er gewöhnt bei jeder Sache sich das Entgegengesetzte vorzustellen,was für seine spätere Ausbildung von wohlthätigen Folgen war; das Gehässigedes Lasters lehrte ihn die Tugend lieben, wie die Schönheit der Tugend das Lastermeiden. Er liebte die Musik, zumal die fröhliche, weil sie seine schwermüthigeStimmung nährte, verschaffte sich eine Querpfeife, in Tirol Schwögelpseife ge-nannt, und lernte von einem jungen Freunde einige Tanze spielen. Sein Vaterwollte dies nicht dulden, und als einst ein in der Umgegend wie ein Heiliger ge-ehrter Priester nach OmeS kam, um Beichtzettel einzusammeln, klagte er seinen s""Sohn wegen des „SchwögelnS" an. „Knabe" — sagte der Priester im Sinne ^der strengen Ansicht, die Tanz und Tänzespielen für verdammlich hielt, mit Mdrohendem Tone — „willst du dir die Hölle erschwögeln?" I. war wie vernichtet.Die Hölle rief in seiner Seele den Gedanken an den Himmel hervor, und es war ' l»für immer vorbei mit seiner Lieblingsuntcrhaltung. Er dachte nur daran, sich den ^Himmel zu erwerben und einst in den Reihen der Heiligen zu glänzen. Den ^.1gewöhnlichen Lebensweg wollte er meiden, der nach der Lehre der Priester, beson-ders der Jesuiten, unfehlbar zur Hölle führen sollte, und er erinnerte sich lebhaftder von seinem Vater ihm mitgetheilten Äußerung eines Jesuiten, der in einer