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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
597
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Ein Zufall ließ einen Secretair dort erkranken und der Minister Graf von Alvens-leben wählte den jungen I., weil er in ihm genauere Kenntniß der französischenSprache voraussetzte. So trat er anfangs als Journalist ein (1799), ohne Ge-halt der indeß nicht ausblieb und nach und nach sich vermehrte. I. wurde Kriegs-rath. Schnell entwickelte sich in dieser Vorschule zum Staatsdienste sein Talent;klare Auffassung und Darstellung mit schnellem Uberblick und einem nie zu ermüden-den Geschaftseiser. Er stieg immer mehr in der Gsinst seines Chefs, wurde seintäglicher Tischgenosse und mußte ihn auf Spazierfahrten begleiten. Alvensle-bcn behandelte ihn, als wäre er sein Sohn. Sein W'spiel zeigte ihm früh, daßdie wahre Politik stets in Geradsi'nn, nicht in schlangensörmigen Ubcrlistungen be-stehe. Auf einer Familienreise, die der Graf auf seine Güter im Magdeburgischenund Halbcrstädtischen machte, ihn begleitend, sah I. diese Provinzen zum erstenMale und erwarb sich dann auf seiner ersten Sendung nach Rheinsberg, wohin erden Geheimrath von Raumer begleitete, bei der Entsiegelung des merkwürdigenNachlasses des Prinzen Heinrich und bei Besorgung desselben Beifall. Eben hatteer aus den Händen seines väterlichen Chefs das Diplom als Expedient bei derStaatskanzlei mit angemessenem Gehalt empfangen, als ihm dieser durch einenFall im Zimmer schnell entrissen, die Staatskanzlei aufgehoben und GrafHaug-witz sein Chef wurde, mit dem er in bloßen Gcschäftsverhältnissen stand. Hier be-rührte er sich zuerst in Geschäften mit dem einflußreichen geheimen CabinetsrathLombard, seinem alten Jugendfreund. Konnte sich seine Thätigkeit jetzt wenigerbemerkbar machen, so blieben doch seine Arbeitsamkeit und sein durch nichts erkal-tender Diensteifer dieselben.

Bald sollte ihm ein weiterer Wirkungskreis mit vollkommener Anerken-nung werden. Baron von Hardenberg war von der Verwaltung der fränki-schen Fürstenthümer nach Berlin verpflanzt und bei des Ministers von Haug-wih damaliger Abwesenheit als dirigirender Cabinetsminister angestellt wor-den. I. hatte viele Arbeiten seiner kränkelnden oder weniger tharigen Collegenmit dm seinigen zugleich stets unweigerlich gefertigt. Sein Name unter so vielenihm taglich vorgelegten Ausarbeitungen erregte des Ministers Aufmerksamkeit.Er begehrte ihn selbst zu sprechen, und foderte ihn auf, die liegen gebliebenen wichti-gen Arbeiten auf sich zu nehmen. Diesem Geschäfte widmete sich I. mit Eifer.I Des Ministers Zutrauen wuchs und so ertheilte er ihm nun den schwierigenAuftrag, ihm Vorschlage zur Reorganisation des ganzen Ministeriums vorzu-legen. Es gelang ihm durch schnelle Erfüllung desselben die vollkommene Zufrie-denheit eines Ministers zu gewinnen, der selbst in rastloser, nie zu erschöpfenderThätigkeit seines Gleichen suchte. Friedrich Wilhelm'II. sah sich genöthigt, dasalte schöne Erbtheil, das von Bernadotte bereits in Besitz genommene Anspach, ge-gen das in der Lust hängende Hanover abzutreten. Dem zu Anfang 1806 zur Ad-elung nach Anspach gesandten geheimen Legationsrath Nagler wurde I. zur Be-gleitung mitgegeben. Eine schwierige Aufgabe den herrisch gebietenden Franzosengegenüber! Doch gelang es ihm, in dem ihm angewiesenen Wirkungskreise diesendurch seine geselligen Talente und muntere Unterhaltungsgabe zu gefallen, undAagler selbst wußte es ihm Dank, da der Gang der Unterhandlungen dadurch er-leichtert wurde. Er mußte auf dem Schlosse wohnen und speiste täglich beim Mar-schall Bernadotte, dem sein Umgang Bedürfniß geworben war. Hier machte erauch die Bekanntschaft mit Dörrnberg, Hänlein und andern Deutschen, aber auchuut Davoust, Mortier, Maison, Eblc und einer großen Zahl französischer Gene-^ und Administrationsmänner, die für eine nahe verhängnißvolle Zeit nicht ohnelnfluß für blieb. Als er im Jul. nach Verlin zurückkam, fand er schon's zum^Bruch mit Napoleon gerüstet. Es war ein unerfreulicher Auftrag vom^ Ilster Schulenburg-Kehnert, der in der Hauptstadt zurückgebliebenen königli-