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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
589
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Johann Joseph (Fürst von Liechtenstein) 589

> Johann Joseph, souverainer Fürst von Liechtenstein, Mitglied desdeutschen Bundes, Herr auf Nikolsburg, Herzog zu Troppau und Jagerndorf,stammt aus einem Hause, welches Ostreich die meisten großen Heerführer gege-

hat, von jenen beiden Helden Ulrich und Heinrich, die das verwaiste Öftreich,,'nd Steier, nach dem Erlöschen des babenbergischen Stammes, dem KönigFtlokar gaben und als er Tyrann wurde, es ihm wiedernahmen und an Rudolf' M Habsdurg überlieferten, unter welchen Ulrich zugleich als der Sänger desFrauendienstes" und desVtwitz" in der altdeutschen Dichterwelt einen unver-gänglichen Namen hat, bis auf den Fürsten Wenzel Liechtenstein, den Schöpfer derMichischen Artillerie. Er wurde am 26. Jun. 1760 dem Fürsten Franz Liech-tenstein, von der Gräsin Lespoldine Sternberg in Wien geboren. Diese edle,von Joseph II- vorzüglich geschätzte Frau wendete dem kriegerischen JünglingJohann auch das besondere Wohlwollen ihres täglichen Hausfreundes, des Feld-marschalls Grafen Lascy zu. Fürst Johann wurde 1782 Lieutenant, 1783I Rittmeister bei Ansbach Kürassiere, 1787 bei dem Ausbruch des Türkcnkriegs

> als Major zu Harrach Dragoner versetzt. In dieser Eigenschaft machte derFürst seinen ersten Feldzug 1788 in der Hauptarmee bei Semlin und zeichnetesich unter Josephs Augen mehrmals auf das Vortheilhafteste aus, fodaß er

i schnell Oberstlieutenant bei dem Regiment leichter Reiterei Joseph Kinsky,sdm alten Pappenheimern) wurde. Der Fürst ward Oberst, als er in einerfurchtbaren Wetternacht (20. Jul. 1790) den türkischen Entsatz von Czettmdurch einen ungestümen Angriff vereitelte. Den drei Feldzügen des Tückenkriegsfolgten fünf französische (1792 97). Die drei schönsten, in der östreichischenKriegsgeschichte bekannten Reiterstreiche sind die des Fürsten Johann bei Bou-chain und Maubeuge und des Fürsten Karl Schwarzenberg bei Landrecy, ander Spitze der Kürassiere von Nassau und Zeschwitz. Nachdem 1796 desFürsten Name bei Heidenheim, Forchheim und Bamberg geglänzt, entschied erauch den Sieg des Erzherzogs Karl bei Würzburg und Jourdan's wilde Fluchtbis an die Lahn; 1797 richtete er bei Rastadt drei französische Reiterregimenterzu Grunde, 1799 nahm er sich das schönste Blatt aus dem Lorber der großenSchlacht an der Trebbin, welche Macdonald's Vereinigung mit Moreau verI eitelte, und erwarb sich Ruhm am Tage von Novi. Im Feldzuge von 1800deckte er den Rückzug bei Hohenlinden und schlug Lecourbe bei Salzburg. WieI sür Würzburg das Eommandeurkreuz, wurde ihm hierfür der große Stern des

> flhmsicnordens. Im März 1805 starb sein Bruder Aloys und Fürst Johannübernahm die Herrschaft über eine Bevölkerung von beinahe 600,000 Seelenin beiläufig 30 Städten, 30 Flecken und mehr als 700 Dörfern, welche das

l 8ürstcnthum Liechtenstein (ungefähr -'^Meilen) und die großen mittelbaren Für-slmthümer und Herrschaften in Ostreich, Schlesien, Böhmen, Mähren, Ungarn,Steiermark und der Lausitz (über 104 HjMeilen) bilden, und erwarb auch als! Gutsbesitzer unvergängliches Verdienst durch Veredlung der Viehzucht, desGestütt-, Zagd- und vorzüglich des Forstwesens, durch die Anpflanzung von Mil-anen schnellwachsender nordamerikanischer Forfthölzer, durch den Anbau der er»Obigsten exotischen Getreidearten, durch die Verbreitung edler Obstgattungen ims roßen, durch die Anpflanzung rheinischer, französischer und spanischer Reben,Usch die Cultur vowFabrik- und Färbepflanzen:c. Im Nov. 1805, als Wienfallen und die große Donaubrücke, die abgebrannt werden sollte, dem Fürstenuersperg abgelistet worden, übernahm der Fürst Johann, vom Krankenlager zu6' dsberg aufstehend, den schwierigen Oberbefehl der Trümmer des besiegten undu gelosten Heers. Er focht tapfer am Tage von Austerlitz und erhielt in der^acht darauf jenen, die fliehenden Russen rettenden Wassenstillstand. Am 26,unterzeichnete er mit Talleyrand den preßburger Frieden. Der einzige aller